Mehrzahl hält sich mit öffentlicher Schelte zurück: Fonds und ihre Auftritte bei Versammlungen

Mehrzahl hält sich mit öffentlicher Schelte zurück
Fonds und ihre Auftritte bei Versammlungen

Die deutsche Investmentbranche ist nach wie vor gespalten, wenn es darum geht, ihr Gewicht als große Anteilseigner durch öffentliche Auftritte auf Hauptversammlungen in die Waagschale zu werfen.

Reuters HAMBURG. Vorreiter wie Marktführer DWS und der Branchendritte Union Investment haben auch für die gerade anlaufende Hauptversammlungssaison wieder Kritik an der Kursperformance mehrerer Dax-Unternehmen angekündigt. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass sich die ein oder andere Fondsgesellschaft dem anschließen könnte. Doch die Mehrzahl der Investmentfonds hält sich mit öffentlicher Schelte auf Aktionärsversammlungen immer noch zurück. Diese Fondshäuser setzen stattdessen auf das direkte Gespräch mit dem Unternehmensmanagement, um gegebenenfalls Einfluss auf deren Geschäftsstrategie nehmen zu können.

DWS und Union Invest stellen kritische Fragen

Die Deutsche-Bank-Tochter DWS und die zum genossenschaftlichen Sektor zählende Union Investmentment sorgen bereits seit mehreren Jahren durch kritische Fragen auf Hauptversammlungen für Unbehagen in Vorstandsetagen börsennotierter Gesellschaften. Sie folgen einem im angelsächsischen Raum verbreiteten Modell, mit dem Investmentfonds die Unternehmensstrategie beeinflussen wollen. Ihr Ziel ist ein möglichst hoher Aktienkurs und somit ein möglichst hoher Wert der von ihnen verwalteten Fonds.

Dem Einwand, die Anlagestrategen könnten sich durch ein aktives Management von Investments trennen, mit deren Entwicklung sie nicht einverstanden seien, entgegnen die Fondsvertreter mit dem Argument, vor allem bei Index orientierten Aktiensfonds sei dies kaum möglich. "Selbst wenn wir einzelne Aktien stark untergewichten, stellt sich für uns die Frage, wie wir bei Hauptversammlungen mit den Stimmrechten umgehen", sagt Union-Investsprecher Rolf Drees.

DWS: Führen uns nicht als bessere Manager auf

DWS-Sprecher Thomas Richter hebt hervor, Verwalter von Index unabhängigen Fonds hätten zwar eine Option zum Ausstieg aus einem Titel. Allerdings gebe es auch eine Reihe Unternehmen, von deren Perspektive ein Fonds überzeugt sei, auf deren aktuelle Schwächen er die Aktionäre aber aufmerksam machen wolle. Dabei führten sich DWS-Vertreter "nicht als die besseren Manager" auf.

"Wir sind Sparringspartner, die Marktverhältnisse reflektieren", sagt Richter. Öffentliche Auftritte vor Aktionären seien eher geeignet, Druck auf ein Unternehmen zu erzeugen. An den Antworten könne das Management dann gemessen werden. Ihre bisherige Zurückhaltung aufgeben könnte die nach DWS zweitgrößte Fondsgesellschaft Deka. Eine Sprecherin der zur Sparkassenorganisation zählenden Fondsgruppe sagte: "In diesem Jahr werden wir uns dem Thema aktiver annehmen." Es werde erwägt, sich auf Hauptversammlungen zu äußern, entschieden sei darüber aber noch nicht.

Andere Gesellschaften setzen auf Vier-Augen-Gespräche

Fondshäuser wie die zur HVB (Hypo-Vereinsbank) gehörende Activest, die zur Commerzbank zählenden Adig-Fonds und der Deutsche Investment-Trust (dit) lehnen jedoch öffentlichkeitswirksame HV-Auftritte ab. Einfluss auf die Strategie eines Unternehmens könne viel effektiver zum Beispiel durch Analystengespräche genommen werden, sagt Activest-Sprecher Stefan Liebl. Cominvest-Sprecher Klaus-Peter Becker sagt: "Wir setzen auf Investor Relations." Hauptversammlungsreden zielten dagegen eher auf ihre Wirkung beim Publikum.

Für dieses Jahr hat DWS Auftritte unter anderem auf den Aktionärsversammlungen von Allianz, Bayer, Deutsche Telekom, Volkswagen und Fresenius angekündigt. Auf der Besuchsliste von Union Investment stehen beispielsweise der Finanzdienstleister MLP und der Touristikkonzern Tui.

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