Meilenstein auf dem Weg nach Portugal - Bobic und Ballack trafen
Die Rückkehr der Leidenschaft

Mit neuer Aufstellung und verbesserter Einstellung hat die deutsche Fußball- Nationalmannschaft Schottland in die Schranken gewiesen und ist jetzt nur noch einen Punkt von der Direkt-Qualifikation für die Europameisterschaft 2004 in Portugal entfernt.

HB DORTMUND. Vor 67 000 Zuschauern im ausverkauften Westfalenstadion ging das Völler-Team durch den überragenden Fredi Bobic (25.) und Michael Ballack (50./Foulelfmeter) 2:0 in Führung, ehe Neil McCann (60.) das Anschlusstor für die "Bravehearts" gelang, die die Partie nach einer Gelb-Roten Karte für Morris Ross nur mit zehn Spielern beenden konnten. Allerdings vergaben die Hausherren in der Schlussphase geradezu fahrlässig einen deutlicheren Erfolg und mussten am Ende beinahe noch um den Erfolg bangen.

Bissig, lauffreudig, zweikampfstark - nach der trostlosen Darbietung von Reykjavik zeigte die deutsche Mannschaft auch dank taktischer Umstellungen von Rudi Völler ein ganz anderes Gesicht. Als Glücksgriff erwies sich die Hereinnahme von Bobic an Stelle des formschwachen Miroslav Klose sowie der Einsatz von Tobias Rau und Arne Friedrich auf den Außenbahnen. Vor allem der Berliner Friedrich leistete ein enormes Laufpensum, nutzte jede Schwäche der Schotten zum Vorstoß und imponierte auf dem nach stundenlangen Regen glitschigen Rasen mit seinem Mut.

In der Spitze wurde Bobic, obwohl bei Hertha BSC in dieser Saison noch erfolglos, seinem Ruf als eiskalter Vollstrecker durch sein achtes Länderspiel-Tor gerecht. Neben dem Neu-Berliner fiel Kevin Kuranyi bei seinem ersten Einsatz im DFB-Trikot von Beginn an ein wenig ab. Dem 21-jährigen Stuttgarter fehlte im Strafraum noch ein Schuss Cleverness. In der Schaltzentrale des deutschen Spiels schien Michael Ballack den Druck der Verantwortung besonders zu spüren. Dem Münchner, der sich lange Zeit vergeblich bemühte, das Spiel an sich zu reißen, unterliefen im Aufbau ungewohnt viele Fehler. Dafür bewies Ballack erneut seine Qualität als Elfmeterschütze und blieb auch im fünften Anlauf erfolgreich.

Schwachstelle in einer von den harmlosen Gästen wenig geforderten deutschen Abwehr war Marko Rehmer. Der Berliner, nach zehn Monaten erstmals wieder in der Startformation, wirkte verunsichert und leistete sich nicht nur beim Anschlusstor durch McCann einen groben Schnitzer. Wesentlich konzentrierter gingen die Nebenleute Christian Wörns in seinem 50. Länderspiel und Carsten Ramelow zu Werke. Vor allem der Leverkusener Ramelow präsentierte sich in seiner Rolle als Abwehrchef erheblich stärker als in Island.

Auf dem nassen Boden wirkte die deutsche Elf von der ersten Minute an hoch konzentriert. Eine schnelle Führung wie in der WM-Relegation 2001 beim 4:1 gegen die Ukraine zur Beruhigung der Nerven wollte allerdings trotz druckvollen Spiels nicht gelingen. In der 9. Minute zielte Ballack nach einem zu kurz abgewehrten Eckball von Schneider über das schottische Tor. Dann verpasste Kuranyi um Haaresbreite eine Hereingabe von Friedrich (18.). Erst Bobic brach den seit zwei Spielen anhaltenden Torbann. Als Keeper Jim Douglas einen Distanzschuss von Friedrich nicht festhalten konnte und Kuranyi zur Mitte passte, war der Herthaner zur Stelle und erzielte wie schon im ersten Vergleich in Glasgow das 1:0.

Auf den Rängen stimmten die Fans das Lied "Es gibt nur ein' Rudi Völler" an und acht Minuten nach dem Führungstor besaß Bobic nach Flanke von Rau sogar die Chance, den Vorsprung auszubauen. Doch diesmal konnte Douglas den Kopfball des gebürtigen Schwaben entschärfen. Der auffälligste Akteur in Reihen des Vize-Weltmeisters war auch Ausgangspunkt des zweiten deutschen Tores. Als Steven Pressley den 31-Jährigen nur noch handgreiflich am Kopfball hindern konnte, nutzte Ballack den vom schwedischen Schiedsrichter Frisk verhängten Strafstoß zum zweiten Treffer.

In der Folgezeit verpasste die deutsche Mannschaft bei weiteren guten Möglichkeiten die endgültige Entscheidung. So wurde es doch noch einmal spannend, zumal die Schotten gleich ihren ersten gefährlichen Angriff des Spiels über Steven Thompson durch McCann zum Anschluss nutzten. Doch als sich die Gäste durch den Platzverweis für Ross selbst dezimierten, bekam die Völler-Elf das Geschehen wieder fest in die Hand. Allerdings gingen die Akteure geradezu fahrlässig mit den sich bietenden Chancen um. So verpassten Kuranyi (65.), Rau (68.) und Rehmer (86.) in allerbester Schussposition das dritte Tor.

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