Meilenstein für Solarenergie aus Deutschland
Solarenergie: Sonnige Visionen in Bayern

Edmund Stoiber hatte gleich mehrere gute Botschaften im Gepäck: Für die nagelneue Produktionsstätte von RWE Solar, zu deren Einweihung er ins niederfränkische Alzenau gereist war, brachte er einen Bewilligungsbescheid des Bayerischen Wirtschaftsministeriums über Fördermittel in Höhe von nahezu 8 Mill. ? mit. Den vielen Anhängern regenerativer Energien versprach er ohne Wenn und Aber: "Das Erneuerbare Energiengesetz bleibt auch nach der Wahl erhalten."

Kein Zweifel, das Umfeld insbesondere für Wind- und Sonnenkraft entwickelt sich in Deutschland positiv. Bei der Stromerzeugung aus Windenergie ist Deutschland weltweit führend, bei der Sonnennutzung geht es durch die Inbetriebnahme der so genannten Smart Solar Fab von RWE einen großen Schritt vorwärts.

"In unserer neuen Fabrik produzieren wir pro Jahr Solarzellen mit einer Leistung von 60 MW. Damit untermauern wir nicht nur unsere führende Stellung in Europa, sondern schaffen auch den Sprung unter die Top 5 weltweit", freut sich Winfried Hoffmann, Geschäftsführer der RWE Solar. In der Rekord-Bauzeit von nur neun Monaten wurde das Gebäude mit 20 000 m2 Produktionsfläche errichtet. In einer einzigartigen Integration wird die komplette Wertschöpfungskette der Solarenergie realisiert: In drei Werksteilen erfolgt die Fertigung der Siliziumwafer, die eigentliche Zellenproduktion und der abschließende Zusammenbau der Zellen zu fertigen Modulen. In dieser Linie entsteht das leistungsstärkste Serienbauteil für 300 Watt.

Patentrechtlicher Schutz über amerikanische Tochter

Begonnen wurde in Alzenau mit dem mittleren Arbeitsabschritt, der Zellenfertigung, die Ministerpräsident Stoiber und RWE-Vorstand Manfred Remmel gemeinsam vor knapp drei Wochen in Gang setzten. Bis Frühjahr 2003 sollen auch die ersten Wafer- und Modulproduktionen anlaufen, ein Jahr später wird dann die Endausbaustufe erreicht sein. Das Investitionsvolumen für die komplette Anlage beträgt 150 Mill. ?. Der Zusatz "Smart" gilt in der neuen Produktionsstätte aber nicht nur dem hohen Integrationsgrad, auch der Prozess zur Herstellung der so genannten EFG-Siliziumwafer (EFG steht für "edge-defined film-fed growth") ist clever gelöst: Über ihre amerikanische Tochtergesellschaft ist das Verfahren jetzt für RWE Solar patentrechtlich geschützt.

Dabei wird das Silizium-Granulat in Graphittiegeln aufgeschmolzen, in denen sich achteckige Kapillare befinden, und langsam mit 2 cm pro Minute in eine Höhe von 5 m gezogen. Bei der vorhandenen Materialstärke von nur 0,3 mm kann das Oktagon mittels Laser an den Kanten und horizontal geschnitten werden. Während andere Verfahren bis zu 60 % Abfall beim Schneiden erzeugen, glänzt EFG mit Ausbeuten von nahezu 80 %. "Im Ergebnis bedeutet das, dass wir sowohl beim Material- als auch beim Energieeinsatz beste Werte vorweisen können", erklärt RWE-Chef Remmel zufrieden.

120 der hochaufragenden Ziehmaschinen, auch Puller genannt, sollen in Alzenau installiert werden, die dann insgesamt vier Linien beliefern. Derzeit kommt das benötigte Material zur Zellenfertigung noch aus Billerica bei Boston (Massachusetts), wo RWE Solar einen weiteren Produktionsstandort unterhält. Vom Wafer bis zur Zelle ist es ein technisch anspruchsvoller Weg: Zunächst wird die p-n-Dotierung eingebracht, anschließend die metallischen Bahnen zur Stromableitung gelegt. Mittels PVD-Verfahren (Physical Vapour Deposition) wird zum Schluss eine Antireflexschicht aufgedampft, die den Zellen die typische blaue Farbe gibt.

Mit der intelligenten Fabrik, die 400 neue Arbeitsplätze bringen soll, hat sich RWE Solar hohe Ziele gesetzt: Verglichen mit der alten Fertigung in Alzenau sollen die neuen Linien einen Produktivitätszuwachs von 50 % bringen - bei gleichem Investitionsvolumen und Personalstärke steigt der Output von 10 auf 15 MW pro Jahr. Im Herbst werden die RWE Solutions und Schott Glas (Mainz) sämtliche Aktivitäten im Bereich der Photovoltaik in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen und als RWE Schott Solar GmbH operativ an den Start gehen. Der Zeitpunkt für ein gemeinsames Vorgehen ist günstig, Experten erwarten für 2030 einen weltweiten Umsatz mit Photovoltaik-Modulen in Höhe von 100 Mrd. ?

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