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Mein Bäcker und das Internet

Was hat ein Bäcker mit dem Internet zu tun? Dieser Frage geht heute mal eine erklärte Liebhaberin der Kamps'schen Butterkuchen nach.

Was hat ein Bäcker mit dem Internet zu tun? Spontan gesagt: nichts, leider. Zu gerne würde ich morgens meine Frühstücksbrötchen übers Internet ordern.

Diese Hoffnung enttäuscht auch die Werbe-Aktion des Großbäckers Kamps aus Düsseldorf. Auch wenn dort neuerdings jetzt mitten auf den Ladentheken ein Körbchen steht - das nicht etwa Brötchen oder anderes Gebäck enthält - sondern ausgerechnet CD-Roms. Recht schmucklos verkünden sie auf ihrer Papp-Hülle: "Einfach ins Internet" samt Konditionen wie "Keine Grundgebühr, für 1,3 Pfennig je 30 Sekunden".

Rätsel über Rätsel tun sich da auf. Aufklärungshilfe gibt auch kein entsprechendes Plakat. Was will mir Kamps geben? Mutiert der Bäcker zum Provider? Sicher nicht. Früh- stücksbrötchen und - seinen wirklich empfehlenswerten - Butterkuchen habe ich am liebsten real - und nicht virtuell. Stattdessen leitet Kamps seine Kunden mit der CD-Rom lieblos weiter an einen x-beliebigen Internet-Anbieter. Ich frage mich: Was hat der Backfilialist um Himmels willen davon? Dass es gerade die Kamps-Kunden zu schätzen wissen, wenn ihr Bäcker sie ins Internet lotsen will, wage ich zu bezweifeln.

Etwas anderes ist es, wenn Aral oder Shell die Autofahrer mit eigener CD-Rom als ihre erklärte Zielgruppe ins Internet bringen wollen. Das erschliesst sich wenigstens über die Zusatz- angebote wie Führerschein-Testbögen im Netz, Routenplaner für Reislustige und so weiter. Da bekommt die angepeilte Zielgruppe etwas geboten. Dafür nimmt der markentreue Autofahrer womöglich sogar in Kauf, dass seine Mail-Adresse auf aral.de endet und er fortan mit jeder verschickten Mail selbst Reklame mailt. Aber wo ist die Kamps´sche Zielgruppe? Ist sie nicht jedermann, und damit niemand?

Zugegeben, es mag ein heheres politisches Ziel der Bundesregierung sein, einen Großteil der Leute ans Netz zu bringen. Aber Kamps als Hilfstrupp für die Politik ist unglaubwürdig. Und als Marketingaktion dürfte diese Kampagne - die mir weder einen Backkurs anbieten will, noch den nächsten Bäcker, der frei Haus liefert - kaum einen überzeugen. Wenn Kamps mit dieser Aktion jedoch nur Modernität beweisen möchte - die will ich von meinem Bäcker als letztem.

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