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Meine Oma, der US-Finanzminister und Larry

Larry Parks sitzt zufällig neben mir bei einem festlichen Mittagessen im New Yorker Nobelhotel Waldorf-Astoria.

Larry Parks sitzt zufällig neben mir bei einem festlichen Mittagessen im New Yorker Nobelhotel Waldorf-Astoria. Vorne spricht als Festredner der US-Finanzminister John Snow über seine „Politik eines starken Dollars“, die in Wahrheit eine Politik des schwachen Dollars ist.



Larry hält wenig von Snow. „Ich weiß genau, wann er lügt: Immer, wenn sich seine Lippen bewegen“, sagt er und grinst. Larry hält wenig vom gesamten Weltfinanzsystem. So wenig, dass er sein Leben dem Kampf gegen dieses System gewidmet und dazu die „Stiftung zur Förderung der Erziehung über monetäre Zusammenhänge“ (FAME, www.fame.org) gegründet hat.



Mit seiner Meinung steht der dünne Mittfünfziger, der Fliege statt Krawatte trägt, allein im Prunksaal des Waldorf-Astoria. Denn hier feiert heute der der Verband der US-Anleihehändler sich selbs. Doch Larry ist kein ausgeflippter Anti-Kapitalist, sondern ein tief christlich-puritanischer Konservativer. Seine Argumente regen zum Nachdenken an.



„Der Dollar wird auf Da uer wertlos sein – wie jede Papierwährung“, prophezeit Larry. Seine Begründung: Wer, wie die US-Notebank und praktisch alle Notenbanken, Geld aus dem Nichts schaffe, erliege irgendwann der Versuchung, zu viel davon zu produzieren. Und das führe unweigerlich zu Inflation, die den Wert des Geldes auffrisst. 



„Inflation ist unmoralisch“, meint Larry. Denn sie schadet denen, die auf einen stabilen Geldwert vertrauen und späteren Generationen, die weniger für ihre Dollars kaufen können. „Inflation ist kein Naturgesetz, sondern menschen-gemacht“, sagt Larry. Tatsächlich herrschte einst jahrhundertelang praktisch keine Inflation, als knappe Edelmetalle wie Gold als Zahlmittel dienten. 



Bis vor wenigen Jahrzehnten verpflichteten sich die Notenbanken, den Gegenwert ihres Papiergelds auf Verlangen in Gold auszuzahlen. Doch seit dem Ende des so genannten Goldstandards „kann nichts mehr die Druckmaschine stoppen, die in den USA bereits auf Hochtouren läuft“, urteilt Larry.
Larrys Schlussfolgerung klingt extrem. Er erinnert mich an meine verstorbene Großmutter. Sie fürchtete ihr Leben lang, dass nach der Hyperinflation der Weimarer Republik und der Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg noch ein drittes Mal „das Geld kaputt geht“.
Meine Oma hätte Larry eher vertraut als US-Finanzminister Snow, der die amerikanische Staatsverschuldung immer höher steigen lässt und bislang unbeteiligt zusieht, wie der Dollarkurs fällt.

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