Meinungsforscher sehen Union weiterhin vorne
Schröder gewinnt durch die Flut an Popularität

"Es gibt einen Flut-Effekt", sagt Matthias Jung, Leiter der Forschungsgruppe Wahlen - und dieser Effekt sei deutlich. Genaue Zahlen will sein Institut am morgigen Freitag melden, aber fest steht bereits: Um bis zu vier Prozentpunkte könnten sich die Parteien in der Wählergunst verschoben haben - zu Gunsten der SPD. "Es ist die Stunde der Macher."

DÜSSELDORF/BERLIN. Im Unterschied zu anderen Erhebungen ist für Jung klar, dass auch die SPD als Partei profitiert und nicht nur die Popularität von Kanzler Gerhard Schröder steigt. Fraglich sei aber, wie lange der Effekt hält: "Die Wahl entscheidet sich erst in den 14 Tagen vor dem 22. September", sagt Jung.

Laut Emnid ist diese Wahl trotz der Flut und ihrer Folgen bereits so gut wie gelaufen. Allerdings hat das Bielefelder Institut seine Zahlen bereits am Wochenende erhoben, während die Befragung der Forschungsgruppe Wahlen aktuell läuft. "Die Regierung kommt zwar gut an", sagte Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner dem Handelsblatt. Die Partei würde davon aber nicht profitieren. So käme die SPD im Vergleich zur Vorwoche weiterhin auf 34 %, während die Union mit 41 % vorne läge. Allerdings legte die SPD im Osten immerhin zwei Prozentpunkte zu. Deutlich größer ist laut Schöppner der Anstieg der Werte von Schröder selbst: Er gewann binnen einer Woche immense 8 Prozentpunkte an Zustimmung. Gäbe es eine direkte Kanzlerwahl, erhielte er jetzt 55 %. Kontrahent Edmund Stoiber (CSU) läge bei 34 % - ein Verlust von 2 Punkten.

Schöppner weist darauf hin, dass weder der damalige Kanzler Helmut Kohl noch die CDU vom Oderhochwasser 1997 spürbar profitiert hätten. Kohl hatte damals in einer von West-Ost-Spannungen geprägten Situation versucht, die gemeinsame nationale Anstrengung bei der Oderflut als Stimmungsumschwung zu Gunsten der mit der deutschen Einheit assoziierten Union zu nutzen - vergeblich. Außerdem ist nach Ansicht des Meinungsforschers Schöppner offen, wie die Bürger die Schritte zur Finanzierung der Flut-Hilfen aufnehmen werden.

Manfred Güllner, Chef des Forsa-Instituts, sieht im Zusammenhang mit der Flut eine "erkennbare Tendenz" zu Gunsten von Schröder und der SPD. "Wir haben Zahlen, die diesen Trend bestätigen", sagte Güllner dem Handelsblatt.

Es gebe bei der Hochwasserkatastrophe gewisse Parallelen zum 11. September. Auch damals seien die Werte Schröders deutlich gestiegen. Für 90 % der Bürger ist die Flut das derzeit wichtigste Thema. "Die Regierung handelt, und der Kanzler wird als Krisenmanager wahrgenommen, als Schröder pur, so wie die Leute ihn mögen", meint Güllner. Schröders steigende Popularität komme auch der SPD zu Gute, während sich die Vorbehalte gegen Stoiber als Person gefestigt hätten. Allerdings liege die Union als Partei immer noch vor den Sozialdemokraten.

Zu einem nahezu gegenteiligen Ergebnis in Bezug auf die SPD kommt Renate Köcher, Leiterin des Instituts für Demoskopie in Allensbach. "Nach unseren kontinuierlichen Zwischenauswertungen ist durch das Hochwasser keine gravierende Auswirkung auf die Umfrageergebnisse der Parteien erkennbar", sagt Köcher. Lediglich die FDP habe ein halben Punkt abgegeben. Die SPD liege weiter in der Bandbreite zwischen 32 und 34 %. Zwar gebe es "in Krisenzeiten normalerweise eine starke Personenwahrnehmung". Eine wachsende Popularität von Schröder gehe aber "nicht im gleichen Verhältnis auf die SPD über".

Einig sind sich die Demoskopen in der Einschätzung, dass sich die Grünen trotz der flutbedingten Konjunktur der Themen Klima- und Umweltschutz lediglich auf 6 bis 7 % stabilisiert haben. Für weiteren Zuwachs fehle das Potenzial. Die Auswirkungen der Flut in den neuen Ländern auf die schwächelnde Ost-Partei PDS sei noch nicht absehbar, sagen die Meinungsforscher.

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