Meinungsumfragen
Experten halten Wahlausgang für völlig offen

Nachdem die SPD in den Umfragen weiter aufholt, gehen Politikwissenschaftler von einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus.

rtr BERLIN. Der Ausgang der Bundestagswahl in gut zwei Wochen ist nach Einschätzung von Experten angesichts der steigenden Umfragewerte für die SPD wieder völlig offen. "Es gibt eine Annäherung, die das Ergebnis der Wahlen vollkommen offen lässt", sagte der Bonner Parteienforscher Franz Decker am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnlich äußerte sich sein Tübinger Kollege Josef Schmid: "Es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen, und wie es ausgeht, wissen die Götter." Die SPD hat in zwei am Vortag bekannt gewordenen Umfragen in der Wählergunst weiter zugelegt und in einer Erhebung sogar erstmals seit Monaten wieder mit der Union gleich gezogen.

Einer vom Fernsehsender RTL verbreiteten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zufolge würden die Sozialdemokraten 39 % der Stimmen erhalten, wenn am Sonntag der Bundestag neu gewählt würde. Sie legten damit um einen Punkt zu, während CDU und CSU einen Punkt auf 39 % verloren. Forsa ermittelte für Grüne und FDP mit sieben beziehungsweise acht Prozent gegenüber der Vorwoche unveränderte Werte. Die PDS verlöre einen Punkt auf vier Prozent. Damit hätten Union und FDP mit 47 % nur noch einen Punkt Vorsprung vor SPD und Grünen. Für die Umfrage wurde zwischen dem 26. und 31. August 3000 Wahlberechtigte befragt.

Beim Institut für Demoskopie Allensbach kämen Union und FDP dagegen gemeinsam auf 50,7 %, verglichen mit 41,2 % für Rot-Grün. Die Union verlor in der Umfrage für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" jedoch einen Punkt auf 39,1 %, während die SPD um 1,3 % auf 34,2 % zulegte. Die Grünen verbesserten sich um einen halben Prozentpunkt auf sieben Prozent, während Allensbach für die FDP unverändert 11,6 % ermittelte. Die PDS verlor nach der am 1. September abgeschlossenen Umfrage 0,2 Punkte auf 4,9 %.

Der Politikwissenschaftler Schmid sagte, die besser werdenden Umfragewerte für die SPD könnten damit zusammen hängen, dass sich viele unentschlossene Wähler nun der SPD zuwendeten. Außerdem sei allgemein bei Wahlen zu beobachten, dass der Amtsinhaber in den letzten Wochen vor der Wahl noch einmal zulege. Er warnte aber davor, die Ergebnisse der Umfragen überzubewerten, weil diese eine Fehlerquote von 2,5 bis drei Prozentpunkten nach oben und unten hätten.

Decker sagte, er erwarte, dass die Union in den letzten Wochen verstärkt versuchen werde, die Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt in den Vordergrund zu stellen. Die SPD dagegen werde weiter auf die Themen Bewältigung der Flutkatastrophe und den möglichen Krieg gegen den Irak setzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%