Meinungsunterschiede in der Führungsetage: Zweifel am Kurs der Hypo-Vereinsbank

Meinungsunterschiede in der Führungsetage
Zweifel am Kurs der Hypo-Vereinsbank

Keine zwei Monate nach seinem Amtsantritt wird der Gegenwind für Dieter Rampl stärker: Der seit Jahresanfang amtierende Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB) muss nicht nur die Kapitalmärkte und die Ratingagenturen von seinem Sanierungsprogramm überzeugen. Auch intern werden Zweifel an Rampls Kurs laut.

HB FRANKFURT/M. Es sei keinesfalls sicher, dass der Umbau zum Erfolg führen werde, heißt es aus Führungskreisen der Bank. Nur wenn alles gut laufe und die Kapitalmärkte sich erholen, komme die HVB mit einem blauen Auge davon. Möglicherweise benötige die Münchner Bank aber einen starken Partner. "Die Situation ist ernst", ist auch aus dem Aufsichtsrat der Bank zu hören. Die HVB benötigt dringend neues Kapital, kann es aber nicht aus dem laufenden Geschäft erwirtschaften.

Rampl selbst zeigt sich überzeugt, dass die zweitgrößte Bank Deutschlands die Restrukturierung aus eigener Kraft schafft. Zweifel lässt er nicht zu. Der gebürtige Münchener mit österreichischem Pass braucht schnelle Erfolge. Sein Programm mit dem Titel "Transformation 2003" will er bis Jahresende Schritt für Schritt abgeschlossen haben.

Erst einmal spart Rampl wo er kann. Bei der HVB sollen weitere 1 000 Stellen wegfallen und alle Bonuszahlungen gestrichen werden. Die Verwaltungsaufwendungen will Rampl deutlich unter 7 Mrd. Euro, das Niveau von 2002, drücken.

Schwierigste Aufgabe für den Vorstandschef bleibt die Verbesserung der Kapitalausstattung. Ende 2002 lag die Kernkapitalquote bei lediglich 5,6 %. Sie soll bis Ende 2003 auf etwa 7 % steigen. Rampl will dazu Konzerntöchter wie die Norisbank oder möglicherweise die Vereins und Westbank - verkaufen. Erste Vorbereitungen seien abgeschlossen, heißt es aus der Bank. Konkrete Verhandlungen mit Interessenten gebe es aber noch nicht. Der Verkaufsprozess werde sich noch mindestens drei bis sechs Monate hinziehen.

Gleichzeitig will Rampl die Bilanz durch den Abbau von Risikoaktiva in Höhe von 100 Mrd. Euro entlasten. Dazu zählt auch die angekündigte Auslagerung der gewerblichen Immobilienfinanzierung. Doch die neue Gesellschaft müsste mit frischem Kapital ausgestattet werden. Außerdem gilt der Erfolg angesichts der allgemeinen Risikoscheu der Investoren als fraglich. Derzeit versucht Rampl vor allem Beteiligungsgesellschaften für das Projekt zu gewinnen.

Die Ausgabe von Bezugsrechten schließt Rampl für die HVB kategorisch aus. Hier müssen wir sagen, dass das auch am Markt und bei den Großaktionären nicht durchsetzbar wäre. Nach Informationen des Handelsblatts arbeitet die Bank aber an den Plänen für eine Zwangswandelanleihe, um frisches Kapital zu akquirieren. Die Analysten sehen in Sachen Kapitalausstattung dringenden Handlungsbedarf. Die Kernkapitalquote der HVB sei eine der niedrigsten im europäischen Vergleich, allgemein gelte im Markt die Marke von 6 % als untere akzeptable Grenze, sagt Analyst Marijn Smit von ABN Amro. Da sich derzeit kein einfacher und schneller Weg zur Rekapitalisierung abzeichne, bleibe der HVB möglicherweise nichts anderes übrig, als eine Zwangswandelanleihe zu begeben, sagt Smit. Hier möchte ich wissen - vielleicht von dem Analysten - wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass so etwas zu platzieren ist - und zu wlechen Kosten Die Platzierung sei allerdings im aktuellen Marktumfeld alles andere als eine leichte Aufgabe.

Auch die Ratingagenturen beobachten Rampls Kurs mit Argusaugen. "Es gibt eine gewisse Erwartungshaltung an das Management der HVB", sagt Harm Semder von Standard & Poor?s. Auch die Kollegen von Fitch mahnen weitere Maßnahmen an. Ansonsten könnte der HVB eine Herabstufung des Ratings auf "BBB+" drohen, was die Refinanzierung der Bank deutlich verteuern würde.

Als fraglich gilt in den Führungsetagen der Bank auch, ob die HVB, wie von Rampl angekündigt, 2003 eine schwarze Null erreichen kann. In der Topetage wird angesichts der angespannten Lage am Kapitalmarkt und der anhaltenden Konjunkturflaute auch ein Minus von bis zu 500 Mill. Euro für möglich gehalten. In ihren Planungen geht die HVB von einem Wirtschaftswachstum von 1 % aus. Angesichts der grassierenden Unsicherheit nicht nur wegen des Irak-Kriegs gilt das bei Experten aber als unsicher.

Zudem wurde in die Planungen für 2003 offenbar ein Handelsgewinn von etwa 1 Mrd. Euro eingestellt, das wäre gegenüber 2002 (787 Mill. Euro) nochmals eine Steigerung. Im Januar sei das Handelsgeschäft gut gelaufen. Angesichts der unsicheren Kapitalmärkte sei es aber "recht unwahrscheinlich, dass die Vorgabe für das Gesamtjahr erreicht werde", heißt es.

Auch die für 2003 geplante Risikovorsorge von 3 Mrd. Euro sehen Insider und Analysten als zu optimistisch. Die Experten der Investmentbank Bear Stearns etwa zeigen sich "sehr skeptisch". Die HVB hat mit 440 Mrd. Euro so viele Kredite vergeben wie keine andere europäische Bank. Deshalb leiden die Münchner besonders unter der Pleitewelle speziell im Mittelstand und unter milliardenschweren Kreditausfällen. 2002 hatte die HVB den Rekordwert von 3,8 Mrd. Euro für die Risikovorsorge aufwenden müssen.

Inwieweit der HVB-Großaktionär Münchener Rück - der Versicherer hält mehr als 25 % an der Bank - sich an der Sanierung beteiligt, ist offen. Gespräche gibt es angeblich, eine Konzernsprecherin lehnte einen Kommentar aber ab. Die Aktie der HVB ist derweil fast im freien Fall: Am Mittwochgab das Papier auf 9,75 Euro ab.

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