Meist auf sechs Monate begrenzt
Auszeit von der Arbeit

Es ist wohl der Traum eines jeden Angestellten: Ein Ausstieg auf Zeit, ohne den Job zu verlieren. Mit dem so genannten "Sabbatical" geben immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, mit verringerten Bezügen auch über einen längeren Zeitraum die tägliche Arbeitsroutine hinter sich zu lassen.

dpa HAMBURG. Dafür wird das Gehalt in der Regel auch schon mehrere Monate vorher gekürzt. Die Arbeitgeber achten jedoch im allgemeinen darauf, dass ihre Angestellten nicht länger als ein Jahr aussteigen. So ist zum Beispiel bei BMW der Zeitraum auf sechs Monate begrenzt. Eine zu lange Abwesenheit würde die Rückkehr an den angestammten Arbeitsplatz schwieriger machen, sagt BMW-Sprecherin Christine Krepold.

Repräsentative Zahlen, wie viele Unternehmen das nach dem jüdischen Ruhetag "Sabbat" benannte Sabbatical anbieten, gibt es nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zwar bisher nicht. Aber die berufliche Auszeit wird offenbar für Unternehmen immer mehr zum Thema. "Es ist nicht zuletzt ein Imagefaktor für die Firma", bestätigt Christiane Boock, Leiterin-Personaladministration der Unternehmensberatung Roland Berger.

Das Institut zur Erforschung sozialer Chancen in Köln (ISO) hat unlängst für das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium eine repräsentative Umfrage unter 2 500 deutschen Unternehmen gemacht, in der auch nach Sabbaticals gefragt wird, sagt Hermann Groß, Geschäftsführer des ISO. Zahlen wollte Groß noch nicht nennen, sie würden demnächst vom Arbeitsministerium veröffentlicht.

Auch die Familie profitiert

Albert Gilg, Fachzentrumsleiter bei dem Elektrokonzern Siemens, hat sich die Auszeit gegönnt und ist nach wie vor begeistert: "Der Tapetenwechsel, mal in einem ganz anderen Umfeld zu sein, hat gut getan und motiviert." Im September 2000 ging der Informatiker für acht Monate mit Frau und Kindern in die USA. Dort hielt er Vorlesungen und besuchte eine Business-School. Das Sabbatical ließ sich mit einem Vorlauf von etwa zwei Jahren auch für ihn als Führungskraft organisieren. Profitiert hätten auch die Familienmitglieder. Für den 46-Jährigen steht fest: "Ich würde das jederzeit wieder machen." In seinen alten Job sei er zudem mit vielen neuen Ideen zurückgekehrt.

Auch Peter Virsik, Senior Projekt-Manager bei Roland Berger, zehrt nach wie vor von seinem Sabbatical vor drei Jahren. "Ich hab das gemacht, weil ich die ersten Monate nach der Geburt meiner ersten Tochter aktiv miterleben wollte und auch mal wieder Lust auf Sommerferien wie ein Schuljunge hatte", sagt der 32-Jährige. Die Arbeitspause von drei Monaten habe sich sowohl auf ihn persönlich als auch auf sein Arbeitsverhalten positiv ausgewirkt. "Weil ich gesehen habe, dass es auch noch etwas anderes als Arbeit gibt, habe ich für mich mehr Ruhe gewonnen. Seitdem schaffe ich in weniger Zeit bessere Ergebnisse", sagt Virsik.

Ausstieg meist auf sechs Monate begrenzt

Etwa 25 der rund 1 000 Mitarbeiter in Deutschland stiegen bei Roland Berger im vergangen Jahr bis zu sechs Monate aus. "Die meisten nutzen das Sabbatical für einen ausgedehnten Urlaub", sagt Boock. Auch Hausbau, Weiterbildung oder familiäre Umstände würden häufig als Gründe für die Pause angeführt, meint BMW-Sprecherin Krepold. Der Automobilhersteller führte Sabbaticals bereits 1994 ein. Nach Angaben von Krepold verzichteten die knapp 3 000 Mitarbeiter, die bisher von der Regelung Gebrauch machten, auf 12 % ihres Jahresgehalts pro Monat Pause.

Bei Siemens gibt es Sabbaticals seit 1997. Etwa 200 Mitarbeiter wagten nach Aussagen von Unternehmenssprecherin Sabine Metzner seitdem den Ausstieg. Prinzipiell können alle Mitarbeiter die Pause vom Job beantragen. In der Regel ist sie auf sechs Monate begrenzt. In der Mobilfunksparte gebe es seit September vergangenen Jahres sogar die Chance, bis zu zwölf Monate auszusteigen. Mit diesem "Time-Out"-Programm reagiere das Unternehmen auf die schwache Konjunkturlage in der Sparte. Entlassungen sollen so vermieden werden. "Wir wollen unsere guten Leute nicht verlieren", sagt Metzner.

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