Meist besser als Aktien und Renten
Stabilität per Hedge-Zertifikat

Zertifikate auf Hedge-Fonds konnten die anfänglichen Renditeversprechen bisher nicht einlösen. Allerdings sorgen sie für mehr Stabilität im Depot.

DÜSSELDORF. Die Wahl zwischen Dax und Bundesanleihe ist ähnlich wie die zwischen Abmagerungskur und Diät. Die Aktien- und Rentenmärkte laufen momentan nicht berauschend. Bei den Dividendentiteln werden selbst bei kleinen Aufwärtsbewegungen sofort Gewinne eingestrichen, und die Renditen der Anleihen sind ebenfalls niedrig.

Deshalb rücken seit rund zwei Jahren verstärkt so genannte "Alternative Assets" in den Vordergrund, also Produkte, die angeblich unabhängig von traditionellen Anlageformen ansehnlich abschneiden. Dazu gehören auch die Hedge-Fonds, die versuchen, selbst in Abschwungphasen hohe absolute Renditen zu erzielen, wobei auch Derivate (etwa Termingeschäfte) zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zu den Managern von Aktien- und Rentenfonds, die letztlich nur über den direkten Kauf oder Verkauf von Wertpapieren ihr Können unter Beweis stellen, verdienen Hedge-Fonds-Profis über so genannte Leerverkäufe auch an fallenden Kursen. Dabei werden Wertpapiere verkauft, die der Verkäufer gar nicht besitzt. Ein Hedge-Fonds-Manager könnte zum Beispiel auf den Kursverfall einer Aktie spekulieren, diese für eine bestimmte Periode von einer Bank leihen und dann am Markt verkaufen. Der Fondsmanager kauft dann die Aktie zu einem niedrigeren Kurs und gibt sie an die Bank zurück. Der Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis der Aktie.

Manager von Hedge-Fonds wollen auch bei fallenden Kursen noch Gewinne erzielen

Noch vor rund fünf Jahren war es nahezu unmöglich, als Privatanleger in Hedge-Fonds zu investieren, denn die Mindestanlagesummen bewegten sich von rund 250 000 Dollar aufwärts. Neben dem Währungsrisiko kam noch eine ungünstige steuerliche Behandlung der Erträge im Rahmen des Auslandsinvestmentgesetzes hinzu, denn die meisten Hedge-Fonds haben ihren Sitz in überseeischen Steueroasen.

Erst mit dem Auflegen von entsprechenden Zertifikaten öffnete sich die Anlageklasse auch für Privatanleger. Jetzt ist man schon mit 1 000 Euro beim weltweiten Spekulieren auf alles, was an den Finanzmärkten einen Preis hat, dabei. Die Profis lassen sich die Teilhabe aber recht teuer bezahlen. Die Ausgabeaufschläge reichen von zwei bis 7,50 Prozent, und die jährlichen fixen Gebühren liegen zwischen 1,5 und 3,2 Prozent, wie die Deutsche Bank Anfang des Jahres einmal für die Branche ermittelt hat. Vereinzelt fallen zudem noch Gewinnbeteiligungen von durchschnittlich zehn Prozent an.

Deftige Marketing-Kampagnen - etwa in Formel-1-Manier - sorgten dafür, dass die Hedge-Zertifikate zum großen Umsatzrenner wurden, allerdings war hier auch der Grundstein gelegt für ein großes Missverständnis zwischen den Emittenten und den Anlegern. Denn die Banken stellten Renditen von rund sieben bis 18 Prozent in Aussicht, tatsächlich blieben viele Produkte bis jetzt aber an der Nulllinie.

"Summa summarum liegen wir absolut gesehen unter unserer Zielperformance. Relativ gesehen hat der SG Hedge-Index mit über vier Prozent Performance seit Auflage aber alle relevanten Messlatten bei einer sehr geringen Volatilität von 1,75 Prozent pro Jahr geschlagen", meint Philip Piltz von der Société Générale. Für das erste Jahr seit Auflage habe man eine Performance von bis zu zehn Prozent angepeilt, für die kommenden zwölf Monate zwischen acht und zwölf Prozent.

Insgesamt betrachtet wäre eine zurückhaltendere Werbung der Branche vielleicht besser gewesen, aber auch die Privatanleger sind nicht ganz frei von Schuld, denn sie haben den Zusatz "langfristig erzielbar" bei den Renditeprognosen überlesen.

Aufklärung tut also Not, oder wie es Andreas Ziehensack, Leiter Institutional Asset Management Deutschland bei American Express, auf den Punkt bringt: "Die Qualität des Vertriebsweges spielt bei diesen erklärungsbedürftigen Produkten eine enorme Rolle." American Express steht nicht nur für Kreditkarten, sondern ist auch in der Vermögensverwaltung aktiv. In den USA und in Genf hält die Gesellschaft umfangreiches Know-how für Hedge-Fonds vor, hält sich aber in Deutschland noch zurück, bis der richtige Vertriebspartner gefunden ist. "Weil die Produkte vollkommen intransparent sind, müssen sich die Leute auf Markennamen verlassen können", sagt Ziehensack.

Zertifikate sind meistens wie Dachfonds konzipiert

Historisch gesehen haben Hedge-Fonds meist besser abgeschnitten als Aktien und Renten - und das bei einer relativ geringen Schwankungsanfälligkeit. Wer in den vergangenen beiden Jahren auf Hedge-Fonds-Zertifikate gesetzt hatte, sorgte so für eine Stabilisierung seines Depots, während etwa Aktienfonds für Technologieaktien nach unten durchgereicht wurden.

Die Zertifikate sind meistens wie Dachfonds konzipiert oder streuen über eine Indexkonstruktion das Risiko über verschiedene Strategien der weltweit rund 6 000 Hedge-Fonds. "Es gibt Hedge-Fonds mit passiveren und aggressiveren Strategien. Wir haben zurzeit keinen ausschließlich auf die Short-Selling-Strategie (Leerverkäufe) setzenden Fonds im Zertifikat, weil die Volatilität - also das Risiko - zunehmen würde", sagt Ralf Wandmacher, Experte für strukturierte Produkte bei der Deutschen Bank. Bei deren Produkt "Xavex Hedge Select" reichte zum Beispiel im März die Performancespanne der 36 einzelnen Hedge-Fonds im Zertifikat von minus 5,1 Prozent bis plus 4,9 Prozent - per Saldo blieb ein Plus von 0,3 Prozent.

Historisch gesehen haben Hedge-Fonds meist besser abgeschnitten als Aktien und Renten

Bei Zertifikaten ist also ein Reinfall auf Grund der Risikostreuung unwahrscheinlich, allerdings heben sich die Investmentstile auch sehr stark gegeneinander auf. Deshalb denken die Entwicklungsabteilungen darüber nach, Zertifikate aufzulegen, die höchstens zwei Hedge-Fonds-Strategien abbilden.

Insgesamt ist das Leben für die Hedge-Fonds in den vergangenen Monaten schwieriger geworden. Die Aktienmärkte sind unentschieden ohne klare Trends, der Zeitpunkt der weltweiten Zinswende ist schwer zu kalkulieren, und es gibt weniger überteuerte Erstemissionen an der Börse, deren Kurse man auf den "angemessenen Kurs" prügeln kann.

Ein weiteres Problem: Mangels Masse lässt sich bei Fusionen weniger herausholen. "Fonds, die auf Merger Arbitrage setzen, haben weniger Möglichkeiten zum Agieren und müssen sich bei den verbleibenden Übernahmen mit geringeren Margen zufrieden geben", hat Wandmacher beobachtet.

Zieht man Bilanz, so sind Hedge-Zertifikate gerade in schlechten Börsenzeiten eine Möglichkeit, das Depot zu stabilisieren. Je nach Risikoneigung - da sind sich die Experten einig - sollte der Anteil im Wertpapierbestand aber nicht über zehn bis 20 Prozent hinausgehen.

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