Menschen dahinter stärker in den Vordergrund stellen
Buchmesse soll intellektueller werden

"Die großen Probleme und Chancen des 21. Jahrhunderts sind alle globaler Natur", sagte Direktor Lorenzo Rudolf vor der 53. Frankfurter Buchmesse in einem Gespräch. "Und für die Diskussion darüber bietet die Buchmesse eine weltweit einmalige Plattform, weil auf ihr alle existierenden und sich zum Teil diametral entgegenstehenden Meinungen vertreten sind."

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Messe solle aber nicht "zu einer Talkshow werden, wo lediglich Meinungen postuliert werden, sondern wir wollen versuchen, mit der Fülle von Meinungen einen demokratischen Dialog in Gang zu setzen", kündigte Rudolf an. Von 2002 an sollen international bekannte Intellektuelle während eines Zukunftskongresses auf der Buchmesse die großen Fragen der Menschheit diskutieren. Damit wolle sich die Messe allmählich von den reinen Gastland-Präsentationen verabschieden. "Von Frankfurt sollen neue denkerische Impulse ausgehen."

Das bedeute aber nicht, "dass wir jetzt die kulturelle Seite ad acta legen und auf die rein intellektuelle Seite überschwenken werden", sagte Rudolf. "Aber es ist der Zeit entsprechend, wenn wir das Gewicht wieder ein bisschen mehr in diese Richtung schieben." Auch in der Vergangenheit habe es intellektuelle Diskussionen gegeben, jedoch sei das jeweilige Gastland als Schwerpunktthema so dominant gewesen, dass es die Diskussionen überlagert habe.

"Wir bringen die Intellektuellen an einem Ort zusammen"

Die Messe wolle nicht die Debatten in den Zeitungsfeuilletons ersetzen, könne sie aber ergänzen, sagte Rudolf weiter. "Wir bringen die Intellektuellen an einem Ort zusammen. Damit schaffen wir eine ganz andere Ausgangslage für ein aufeinander Eingehen und für Dialoge."

In die aktuellen Messethemen sollen auch die Verlage mit eingebunden werden. Künftig sollen alljährlich einige wenige Themen ausgewählt werden, zu denen die Verlage Bücher vorstellen. "Und es müssen auch die Menschen dahinter stärker in den Vordergrund gestellt werden", meinte Rudolf. Die Autoren sollen mit Vorträgen oder Lesungen zu den jeweiligen Themen eine eigene Plattform erhalten.

Beispiele für Themenschwerpunkte seien etwa die Herausforderungen der kulturellen Identitäten im Zuge der Globalisierung, die Gefährdung der Idee der Gleichheit im Zeitalter der Biotechnologie oder die Spaltung der Welt durch den "digitalen Graben", der reiche und arme Länder zunehmend trenne.

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