Menschen treffen sich vor den US-Generalkonsulaten
Deutschland trauert um die Opfer der Terror-Anschläge

Deutschland trauert um die Opfer der beispiellosen Terroranschläge in den USA. Viele Menschen strömen in Kirchen, die teilweise länger geöffnet haben. Andere kommen zu öffentlichen Gedenkveranstaltungen in den Städten oder zu den amerikanischen Konsulaten.

ddp BERLIN/MÜNCHEN. Dort liegen jetzt Blumen, flackern Kerzen. Manche ziehen sich auch nach Hause zurück. Veranstaltungen werden abgesagt, die Berliner Parteien unterbrechen ihren Wahlkampf, in Hamburg schlägt die "Totenglocke". Die Zeit steht still an diesem Tag.

In Berlin sammeln sich die Trauernden vor dem Dom. Darunter sind Familien mit Kindern ebenso wie ältere Bürger, denen das Laufen teilweise schon schwer fällt. Als die Türen wegen Überfüllung des Gotteshauses geschlossen werden, warten Hunderte still im Nieselregen, um dann zur amerikanischen Botschaft zu einer Mahnwache zu ziehen. Der Wahlkampf der Parteien ist unterbrochen. "Was gestern noch wichtig war, ist heute völlig belanglos", sagt PDS-Spitzenkandidat Gregor Gysi. "Die Termine kommen mir plötzlich klein und lächerlich vor."

Auch in Hamburg treffen sich die Menschen vor dem US-Generalkonsulat, das von Panzerfahrzeugen bewacht wird. Immer wieder legen Trauernde Blumen vor den Absperrungen nieder, in der Abendluft flackern Grabkerzen. "I love you" steht auf einem kleinen roten Stoffkissen, das zwei schwarz gekleidete Frauen weinend auf den Boden legen. Betend steht ein älterer Herr etwas abseits. "Mein Bruder lebt 300 Meter vom World Trade Center entfernt", sagt er. Angst spricht aus seinen Augen. Bisher hat er seine Angehörigen noch nicht telefonisch erreicht. Ein 33-Jähriger, der seine kleine Tochter fest an der Hand führt, hat einen Blumenstrauß in der Hand. Der Anschlag werde sicher eine Gegenwehr hervorrufen, fürchtet er. "Dies ist eine massive Bedrohung für uns alle. Schlimmer konnte man uns nicht treffen."

Die "Totenglocke" der St. Michaeliskirche, die sonst nur zu Karfreitag, zum Bußtag und am Totenewigkeitssonntag tönt, schlägt ganze zwei Minuten lang. Selbst die Reeperbahn bekommt das Entsetzen und die Betroffenheit über die Terror-Anschläge zu spüren. Die Besucherzahlen gehen spürbar zurück.

Die Menschen in Leizig legen ebenfalls Blumen vor dem US-amerikanischen Konsulat nieder. Auch hier fährt am Abend ein Panzerwagen der Polizei vor, um die Wachmannschaften zu verstärken. Später riegeln mit Maschinenpistolen bewaffnete Bereitschaftspolizisten die Straße ab, die Beamten bringen die Blumen dann bis zum Konsulatsgebäude.

In München kommen etwa 2 000 Menschen auf dem Marienplatz im Stadtzentrum zusammen. Viele von ihnen tragen brennende Fackeln, viele sind Amerikaner. Zuvor hatte die größte Glocke Münchens im Südturm der Frauenkirche eine Viertelstunde lang geläutet und die Menschen zum Gebet gemahnt.

Zahlreiche Veranstaltungen, Feste und Ausstellungen werden in Nordrhein-Westfalen im Gedenken an die Opfer abgesagt. In Frankfurt wird die Börse nach einer Bombendrohung geräumt, die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen verschärft. Wirte schließen ihre Lokale, die Straßen wirken dunkel und ausgestorben. «Die Leute sitzen alle vor ihren Fernsehern», vermutet der Pfarrer der Liebfrauenkirche, Pater Christophorus. Dennoch hält er seine Kirche länger offen. "Und wenn es nur zwei Menschen sind, denen es gut tut", sagt er.

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