Menschen wollen wieder etwas Gedrucktes im Schrank
Trotz Internet: Print-Lexika erleben eine Renaissance

Tausende klicken sich tagtäglich auf der Suche nach Informationen durchs Internet, doch das gute alte Lexikon steht bei den Meisten trotzdem im Bücherregal.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Verleger von Nachschlagewerken erleben trotz kostenloser Suchmaschinen derzeit eine Renaissance ihrer Printerzeugnisse. "Die Lexika boomen - gerade auch die Klassiker", sagt Klaus Holoch, Sprecher des Brockhaus - Verlags. Die durch Fernseh-Rätselsendungen neu entbrannte Quiz- Euphorie und die Pisa-Studie hätten die Nachfrage extrem angekurbelt. Kostenfreie Recherche-Angebote im Internet seien keine Konkurrenz für die Bücher: "Das sind zwei Welten", sagt Holoch. Dennoch sind die Lexikon-Verlage längst selbst in der elektronischen Welt zu Hause.

Auf dem digitalen Nachschlagemarkt sei man mit dem "Brockhaus- Multimedia" mit einer sechsstelligen Absatzzahl die Nummer eins. "Was den Umsatz betrifft, ist der Duden für uns aber immer noch das Schwarzbrot", sagt Holoch. Internetangebote wie www.google.de oder www.phillex.de hätten den Nachteil, dass die im Netz gefundenen Informationen meist ungeprüft seien. "Geprüftes Wissen kann aber nicht kostenlos sein", betont Holoch. Brockhaus selbst hat mit www.xipolis.de eine Online-Halbtochter im World-Wide-Web, die auf Anfrage kostenlose Kurzinfos ausspuckt. Für zusätzliches Wissen muss der Kunde zahlen.

Ein gefragtes Gratis-Angebot hat die Wissen Media Group der Bertelsmann AG mit www.wissen.de auf dem Markt. 14 Mill. Mal pro Monat werde das Online-Lexikon angeklickt. Auf den Absatz der eigenen Bücher habe die Seite aber keinen negativen Einfluss. "Das Internet frisst nicht das Buch, im Gegenteil. Es schreibt auch neue Bücher", erklärt wissen.de-Geschäftsführer Matthias Winter. Das neueste Lexikon des Verlags in Buchform "Neues wissen.de Lexikon" wurde sogar nach der Onlinemarke benannt. Innerhalb von vier Monaten sei es 40 000 Mal über die Ladentische gegangen.

"Die Verlage haben erkannt, dass es am besten ist, Lexika auf Papier und zusätzlich als elektronische Datenbank anzubieten", nennt Eugen Emmerling, Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, einen Grund für den Erfolg. Nach dem schlechten Abschneiden Deutschlands in der Pisa-Studie hätten die Menschen wieder ein größeres Bedürfnis, Wissen griffbereit im Regal zu haben: "Das Printprodukt lebt." Es gebe aber auch Formen von Enzyklopädien - wie zum Beispiel Bibliographien - deren gedruckte Form im elektronischen Zeitalter wohl nicht überleben werde.

Auch beim Wissen Media Verlag haben die Verantwortlichen die wieder entdeckte Lust an Wissensspielen als Auslöser für den Aufschwung ausgemacht. Quizsendungen wie "Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch (RTL) hätten die Nachfrage enorm gesteigert. In das wissen.de-Lexikon habe man daher ein Rätselspiel integriert. Pro Frage gibt es einen Verweis auf den jeweiligen Lexikon-Artikel mit der Lösung.

Beim Harenberg-Verlag, der sich auf Kulturführer spezialisiert hat, gibt es ebenfalls keine Angst vor dem Internet. "Bereiche wie Kammermusikführer, Opernführer oder Theaterführer werden nur durch uns abgedeckt", behauptet Geschäftsführer Sven Merten. Im Internet gebe es kaum Möglichkeiten, solch hochwertige Informationen abzurufen. Außerdem produziert der Verlag zu jedem Führer eine CD mit Musik- und Hörbeispielen. "Nach etwas Vergleichbarem müssen sie im Internet lange suchen", meint Merten.

Gernot Wolf, Sprecher der Bertelsmann Arvato AG, kennt einen weiteren Grund für den Triumph des Papiers über die Technik: "Ein Buch ist etwas Sinnliches. Mit einem Lexikon kannst Du abends ins Bett gehen. Mit einem PC nicht.

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