Menschenrechte
Rogge gerät immer stärker in die Defensive

Menschenrechte, Religions- und Demonstrationsfreiheit - hier und bei all den anderen Problemen setzt Jacques Rogge auf die Kraft Olympias. Doch der olympische Geist scheint sich gegen ihn verschworen zu haben.

PEKING. Die Menschenrechtsaktivisten von "Human Rights" haben am Donnerstag einen Brief des inhaftierten chinesischen Dissidenten He Depu an Jacques Rogge veröffentlicht. Darin lädt He den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein, ihn im Gefängnis zu besuchen. "Zehntausende Gefangene in Peking, die jeden Tag nur eine halbvolle Schüssel gekochtes Gemüse in den Händen halten und ihre Augen auf Sie richten. Was haben sie dabei für ein Gefühl?" schreibt He. Als Rogge auf diese Frage antworten soll, reagiert er wie so oft in den letzten Wochen, wenn ihn Journalisten mit kritischen Fragen bedrängen: Er weicht aus.

Menschenrechte, Religions- und Demonstrationsfreiheit - hier und bei all den anderen Problemen setzt Rogge auf die Kraft Olympias: "Die Spiele werden der Welt zeigen, wie China wirklich ist." Bisher hervorragend bei seiner Organisation, aber hart im Umgang mit Kritikern.

Rogge macht keine gute Figur in diesen Tagen von Peking. Sein früher so charmantes Lächeln wirkt aufgesetzt. Die endlosen Kämpfe gegen die sture Haltung der chinesischen Olympia-Organisatoren haben sich in sein Gesicht gegraben. Der olympische Geist scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Der Belgier wirkt nicht mehr wie ein Mann, der das IOC noch einmal vier Jahre führen könnte. Vielleicht sind es seine letzten Spiele.

Zu lange hat er mit angesehen, wie China seine Interessen durchpeitschte ohne Rücksicht auf Rogges einstiges Versprechen, dass die Spiele das Land öffnen würden. Dann kamen die Niederschlagung des Aufstands in Tibet, die Gewaltszenen beim Fackellauf, die Inhaftierung von Dissidenten wie He.

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