Menschenrechtsgruppen protestieren
Dissident in China zu lebenslanger Haft verurteilt

Ein chinesisches Gericht hat am Montag einen in den USA lebenden chinesischen Dissidenten zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil ist eines der härtesten gegen die chinesische Demokratiebewegung in jüngerer Zeit und hat bei Menschenrechtsgruppen scharfe Proteste ausgelöst.

Reuters PEKING. Der 55-jährige Wang Bingzhang sei von einem Gericht in der Shenzhen der Spionage für Taiwan und Führung einer terroristischen Gruppe schuldig befunden worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua in ihrem englischsprachigen Dienst. Der in der medizinischen Forschung ausgebildete Wang lebte seit 1982 in New York und war im vergangenen Jahr monatelang vermisst worden, bevor er im Dezember in der Hand der chinesischen Polizei wieder auftauchte. Die in Washington ansässige Menschenrechtsorganisation Bewegung Freies China warf den chinesischen Sicherheitsbehörden vor, Wang in Vietnam entführt und wegen falscher Anschuldigungen vor Gericht gebracht zu haben.

Das Verfahren in Shenzen dauerte den Angaben zufolge einen Tag lang und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Shenzen ist eine Sonderwirtschaftzone des Landes, in der die kommunistische Wirtschaftsführung gelockert ist, und liegt nördlich von Hongkong, einer Sonderverwaltungszone Chinas mit besonderen politischen Rechten. In Hongkong forderten rund ein Dutzend Demonstranten die sofortige Freilassung Wangs. Die Polizei hielt sie davon ab, sich der chinesischen Vertretung in der Stadt zu nähern.

Die Bewegung Freies China bezeichnete das Urteil als "barbarischen Akt". Es basiere auf konstruierten Vorwürfen, die nichts mit der Realität zu tun hätten, und sei eine Schande auch für die Staaten, die mit China Geschäfte machten. Die Bewegung ist ein Zusammenschluss von rund 30 Organisationen, die sich für eine Demokratisierung des kommunistischen Landes einsetzen. Wangs Familie zeigte sich entsetzt: "Wir haben nicht gedacht, dass das Urteil so hart ausfällt", sagte Wangs Schwester Julie in San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien.

Wang und zwei weitere chinesische Exil-Dissidenten waren monatelang vermisst worden, bis Xinhua im Dezember meldete, dass die drei von der chinesischen Polizei aus der Gewalt von Entführern befreit worden seien. Sie seien Anfang Juni gefesselt in einem Tempel nahe der vietnamesischen Grenze gefunden worden, hieß es. Nach Ansicht der chinesischen Behörden ist Wang chinesischer Bürger. Menschenrechtsgruppen zufolge hat Wang dagegen die chinesische Staatsbürgerschaft abgegeben und besitzt eine ständige Aufenthaltserlaubnis für die USA.

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