Mercedes-Benz sieht sich durch die Kokurrenz zu umfangreichen Verbesserungen der Luxusklasse gezwungen
S-Klasse: Schön, sicher und schnell wie nie

Die renommierteste Automarke der Welt, Mercedes-Benz, kommt in der Oberklasse unter Druck. Audi A8 und VW Phaeton werden zu ernsthaften Konkurrenten.

STUTTGART. Vor allem die neue Oberklasse-Limousine von Volkswagen muss die Mercedes-Strategen um Pkw-Chef Jürgen Hubbert ins Grübeln gerbacht haben. Bekam doch der große VW in den Fachmedien durchweg bessere Noten als die Mercedes S-Klasse. Speziell in den Wertungskriterien Interieurgestaltung und Qualitätsanmutung setze der Luxus-Volkswagen neue Maßstäbe.

Eine solche Schmach durften die Stuttgarter nicht länger auf sich sitzen lassen. Sie rüsteten ihre S-Klasse auf - koste es, was es wolle. Die alte Hackordnung musste schnell wiederhergestellt werden, bevor Mercedes-Kunden möglicherweise Gefallen an den neuen, aufstrebenden Konkurrenten finden könnten.

Höher, schneller, weiter...

Mehr Leistung, bessere Traktion und höhere Sicherheit sollen daher die Spitzenposition der S-Klasse auf Jahre sichern. Nicht nur im Markt, wo sie ohnehin uneingeschränkt die Nummer eins ist, sondern auch bei Technik und Qualität, wo Mercedes in den letzten Jahren gegenüber den genannten Wettbewerbern Federn lassen musste.

Besonders in der Qualitätsanmutung des Innenraums hat die überarbeitete S-Klasse endlich wieder Mercedes-Niveau erreicht. Während die leichten Retuschen am Exterieur mit anderen Stoßfängern, einer größeren Kühlermaske, Scheinwerfern in Klarglasoptik und neuen Rückleuchten schnell aufgezählt sind, fanden die Innenarchitekten gar 40 Positionen verbesserungsbedürftig. Höherwertige Materialien werden eingesetzt, neue Schalter und Bedienungsknöpfe. Die Holzeinlagen sind nun chromumrandet, Türinnenverkleidungen und Sitze aufwendiger verarbeitet. Dem serienmäßigen lektronischen Bediensystem "Comand" wurde ein größerer Bildschirm spendiert.

Unter der Haube steckt die wahre Innovation

Doch erst der Blick unter die elegante Hülle zeigt den wahren Innovationsschub. Vier in Leistung und Drehmoment gesteigerte Triebwerke, dazu erstmals in dieser Baureihe Allradantrieb als Option für die Modelle S350 (245 PS), S430 (279 PS) und S500 (306 PS) zeigen, dass Mercedes die Konkurrenz aus Ingolstadt und Wolfsburg ernster nimmt, als zunächst vermutet.

Besonders mit dem S600 haben die Mercedes-Ingenieure einen neuen Leistungsgipfel erklommen. Der für den Vortrieb verantwortliche Zwölfzylinder erreicht dank Biturbo-Aufladung 500 PS und ein Drehmoment von 800 Newtonmeter. Das ist selbst in der Luxusklasse einsame Spitze. Der gleiche V12, nur mit nochmals 50 PS mehr, tut auch im Maybach Dienst. Selbst reinrassige Sportwagen können nur selten solche Fahrleistungen vorweisen. 4,8 Sekunden nach dem Start sind die 100 km/h schon durchflogen. Und wenn Mercedes-Chef Jürgen Hubbert nicht strikt am freiwilligen Tempolimit von 250 km/h festhielte, könnte der S600 als erste Limousine die 300-km/h-Mauer durchbrechen. In der Hand eines verantwortungsbewussten Fahrers wird der S600 zu einem erfreulich wendigen, sportlich zu bewegenden Auto.

Dass aber ausgerechnet für diesen Boliden der Allradantrieb ("4matic") nicht zur Verfügung steht, hat mit den Dimensionen zu tun. Auch in den anderen Modellen war der Einbau der "4matic" wohl nicht so einfach, wie an der Ausbuchtung im Beifahrerfußraum des S500 festzustellen ist. Doch die Nachfrage nach dem Allradtrieb, nicht zuletzt in den USA, ließ den Mercedes-Ingenieuren keine Wahl. Allrad ist in Nordamerika der Renner, wie das ausgeprägte Image von Audi mit einem Anteil von nahezu 90 % Quattro-Modellen beweist.

"Presafe"-System in allen S-Klasse-Varianten

Ausgeweitet wurde das Sicherheitspaket um das neue "Presafe"-System in allen S-Klasse-Varianten. "Presafe" strafft bereits vor einem drohenden Unfall die Gurte, bringt die Vordersitze automatisch in eine optimale Position und schließt ganz ohne Zutun des Fahrers Fenster und Schiebedach (das Handelsblatt berichtete).

Die weit reichende Produktaufwertung der S-Klasse (von 58 870 bis 126 556 Euro für den S600) zeigt nicht zuletzt das Potenzial, das Mercedes mobilisieren kann, wenn es gilt Image und Marktposition zu verteidigen. Es zeigt aber ebenso deutlich, dass ein solcher Aufwand nicht von vornherein selbstverständlich ist, sondern nur wenn die Konkurrenz die Stuttgarter Nobelmarke herausfordert.

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