Mercedes-Benz wird möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen
Für Daimler-Chrysler wird es nächstes Jahr nicht leichter

Daimler-Chrysler steht nach Meinung von Analysten ein schwieriges viertes Quartal und ein schwacher Start ins neue Geschäftsjahr bevor. Am kommenden Donnerstag (23.) wird der deutsch-amerikanische Konzern seine Bilanz für das dritte Quartal veröffentlichen.

dpa-afx FRANKFURT/STUTTGART. "Daimler-Chrylser ist stark abhängig von seinem Nordamerika-Geschäft. Das bereitet mir Sorgen", sagte eine Analystin vom Bankhaus Merck Finck & Co in München. Besonders Chrysler habe im Kielwasser der Terroranschläge vom 11. September und im Branchenvergleich "massiv geschwächelt - viel stärker als die Mitbewerber Ford". Eine Besserung sei mittelfristig nicht zu erwarten. Chrysler selbst hatte für September einen Umsatzrückgang von 28 % im Vergleich zum Vorjahresmonat bekannt gegeben. Die Analystin betrachtet die Aktien des Konzerns inzwischen als "Underperformer" (Aktien werden sich im Vergleich zum Index um mindestens 5% schlechter entwickeln).

Erreichen der Gewinnzone im nächten Jahr unwahrscheinlich

Die aktuelle Nachfrageschwäche werde nach Einschätzung von M.M. Warburg auch im nächsten Jahr nicht nachlassen. Es sei unwahrscheinlich, dass die Chrysler-Werke schon 2002 wieder die Gewinnzone erreichen, schrieben die Analysten in ihrer Studie von Anfang. "Insbesondere das gesunkene Verbrauchervertrauen unmittelbar vor den Terroranschlägen am 11. September betrachten wir als Indiz für einen länger anhaltenden Rückgang der US-Autokonjunktur", lautete ihre Begründung. Die Aktien des Konzerns stuften sie daher von "Kaufen" auf "Halten" herunter. Rückendeckung bekamen sie am Donnerstag von Merrill Lynch. Die Experten sagen Chrysler für das laufende Jahr einen Verlust von 3 Mrd. Euro voraus.

Mercedes-Benz wird möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen

Noch einen Schritt weiter gingen die Experten von UBS Warburg. Die schlechte konjunkturelle Lage auf dem Fahrzeugmarkt belaste nicht nur das Chrysler-Ergebnis, sondern könne auch die Gewinnziele von Mercedes-Benz in Mitleidenschaft ziehen, gab Analyst Ralf Kugelstadt zu bedenken. Sein Haus habe die Aktien daher auf "Reduce" (Reduzieren) herunter gestuft und nenne ein Kursziel von 32 Euro. Tritt diese Voraussage ein, erwartet die Anleger gegenüber dem Kurs vom 12. Oktober ein Abschlag von mehr als 6 Euro.

Nutzfahrzeugtochter Freightliner belastet

Zu den konjunkturellen Problemen von Chrysler gesellt sich nach Schätzung von Merck Finck & Co noch ein Verlust in Höher von 1 Milliarde $ bei der Nutzfahrzeugtochter Freightliner. Daimler-Chrysler-Sprecher Michael Behrens wollte diese Zahl vor Bekanntgabe der Quartalszahlen nicht bestätigen. Es seien allerdings Umstrukturierungsmaßnahmen im Gange, sagte er. Bis zum 11. Oktober wurden in den Freightliner-Werken in den USA nach seinen Angaben 956 Mitarbeiter entlassen. Um einen weiteren Stellenabbau zu verhindern, hatte sich die Freightliner-Belegschaft bereits zu Wochenanfang mit Gehaltskürzungen einverstanden erklärt.

Mercedes SL soll Nachfrage nach Luxusmarke ankurbeln

Die Marke Mercedes-Benz war von vielen Marktteilnehmern bislang als das Zugpferd des Konzerns betrachtet worden. Ihr Umsatz war nach den Anschlägen im Jahresvergleich nur um 8,6% zurück gegangen. Die Markteinführung des neuen Nobel-Modells Mercedes SL soll die Nachfrage nach der Luxusmarke wieder ankurbeln, hoffen die Stuttgarter. Die Analystin von Merck Finck & Co bleibt da skeptisch: "Mercedes-Benz ist zwar das einzige, was sich derzeit vernünftig verkauft. Aber um die Defizite im Rest des Konzerns auszugleichen, ist die Marke viel zu klein. Ein Rettungsanker ist sie nicht."

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