Merck-Bilanz im Mittelpunkt
Wall Street schafft die Trendwende nicht

Nach einer grandiosen Rallye am Freitag hatten viele auf die Trendwende gehofft - erwartet hatte sie kaum einer. Und tatsächlich: Nach einem kurzen Versuch, noch einmal ins grüne Terrain vorzustoßen, schossen sich die großen US-Indizes auf der Verliererseite ein.

wsc NEW YORK. Der Dow Jones gab 104 Zähler oder 1,1 % auf 9275 Punkte ab, die Nasdaq verlor 43 Zähler oder 3 % auf 1405 Punkte.

Mit Spannung erwartet die Wall Street eine Rede von Präsident George Bush, der sich am Dienstag in New York zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität äußern will. Zwar munkelt man auf dem Parkett, dass der Präsident nur die Forderungen ansprechen wird, die er schon seit Wochen vertritt - also mehr Macht für die Börsenaufsicht SEC, die künftig auch an den Gerichten vorbei ermitteln soll, oder Gefängnisstrafen für Bilanzbetrüger -, doch nimmt man erneut war wie dringend Schritte eingeleitet werden müssen, um einen letzten Rest Vertrauen in Corporate America zu retten.

Wochenstart mit neuem Skandal

Immerhin hat die Woche mit einem weiteren Skandal begonnen. Der Pharmakonzern Merck hat die Bilanzen gefälscht, und für die Versicherungs-Tochter Medco Gewinne in Höhe von insgesamt 15 Mrd. $ ausgewiesen, die nicht wirklich angefallen waren. Das Unternehmen, das für mehrere Millionen Amerikaner die Abrechnungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten betreut, hat seit 1999 auch die Patientenzuschläge für Medikamente verbucht, obwohl diese nie durch die Kassen von Merck gegangen sind. Vier Klagen sind bereits gegen den Konzern angestrengt, die Aktie verlor 2,7 %.

Mit einem Minus von 2,5 % fuhr auch Alcoa auf der Verliererstraße, das am Morgen die Ertragssaison eingeläutet hatte - mit einer Enttäuschung. Mit einem Gewinn von 27 Cents pro Aktie wurden die Konsensschätzungen im zweiten Quartal um einen Penny verfehlt. Gegenüber dem ersten Quartal konnte der Umsatz um 5 % gesteigert werden, gegenüber dem Vorjahreszeitraum steht aber noch immer ein Minus von 12 % zu Buche.

High-Tech-Werte litten besonders

Schwächste Performer unter den Blue Chips waren aber die High-Tech-Werte. IBM, Hewlett-Packard und Microsoft verloren bis zu 4 %, Intel gar 6 % an Wert. Der Chipriese litt unter schwachen Daten aus Europa, die belegen dass nach der anhaltenden Schwäche in den USA nun auch der PC-Markt in Übersee einknickt. Intel macht 25 % seiner Umsätze in Europa. Das erfolgversprechende Launching des Itanium 2-Chips für Serversysteme im Hochpreissegment konnte Investoren zum Wochenauftakt nicht zum Kauf bewegen.

Nur wenige Gewinner

Auf der Gewinnerseite - das Muster ist bekannt - standen nur vier Dow-Aktien: Außer dem Telekom-Unternehmen AT&T waren das die Konsumtitel Procter&Gamble, Coca-Cola und Philip Morris. Die regelmäßige Flucht der Anleger, die es nach jeder Zwischenrallye in den halbwegs sicheren Hafen exportstarker Defensiv-Titel zieht, spricht eine deutliche Sprache. Im Markt ist kein Vertrauen auf eine anhaltende Erholung, und bullische Analysten sind nach wie vor eine Minderheit auf dem Parkett.

Zu den wenigen Werten, die es sonst noch auf die Gewinnerseite schafften, gehörte der Kommunikationskonzern Level 3. Eine Investorengruppe um Warren Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway investiert rund 500 Mio. $ in das angeschlagene Unternehmen. Das Management will das zufließende Kapital zur Finanzierung von Akquisitionen verwenden. Buffett, bisher eher skeptisch gegenüber Kabel-Unternehmen, gibt sich zuversichtlich: "Level 3 wird von den Schwächen der Konkurrenz profitieren, weil die Kapitaldecke ausreichend ist und das Management gute Arbeit leistet." Die Aktie verbesserte sich um 50 %.

Andere Aktien der Telekom - und Glasfaserbranche schlossen uneinheitlich. Die Papiere von Ciena und Comverse Technology verbesserten sich nach optimistischen Kommentaren von Ross Margolies, Fondmanager bei Salomon Brothers Capital, der gute Wachstumschancen für die Unternehmen sieht - allerdings auch für Lucent Technologies, deren Aktie 1,6 % verlor. Auch die von Sanford Bernstein empfohlenen Titel von JDS Uniphase und Agere Systems konnten frühe Gewinne nicht halten und schlossen im roten Bereich.

Zu den meist gehandelten Aktien gehörten die Papiere von Ebay. Das Online-Auktionshaus übernimmt nach langer Zusammenarbeit den Online-Bezahldienst PayPal, bei dem es bereits für 80 % des Umsatzes verantwortlich ist. Ebay kauft den Partner für 1,5 Mrd. $ in Aktien, was für PayPal-Investoren einer Prämie von 18 % entspricht. PayPal verbesserte sich um 8 %, Ebay verlor 7 %.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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