Merck erwartet schwere Zeiten

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Merck erwartet schwere Zeiten

Der Darmstädter Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck KGaA hat im vierten Quartal 2001 operativ deutlich weniger verdient als im Vorjahr und die Prognosen der Analysten verfehlt.

rtr DARMSTADT. Im laufenden Jahr rechne Merck auf Grund des generischen Wettbewerbs bei seinem Kernmedikament gegen Diabetes mit einem Konzernergebnis unter Vorjahresniveau, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Nach Unternehmensangaben sank das operative Ergebnis im vierten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 39,3 % auf 113,3 Mill. ?. 15 von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten ein Ergebnis zwischen 128,4 Mill. ? und 306 Mill. ? erwartet. Der Konzernumsatz stieg um fünf Prozent auf 1,85 Mrd. ?. Die Merck-Aktie büßte an der Börse kurz nach Handelsbeginn knapp 1,7 % ein.

In der Spezialchemie habe Merck im vierten Quartal wegen der Flaute in der Hightech-Industrie mit 275,3 Mill. ? 6,5 % weniger verdient als ein Jahr zuvor. Im Pharmabereich sei lediglich ein leichtes Umsatzplus von 4,9 % auf 801 Mill. ? erzielt worden. Grund sei, dass Großhändler in Erwartung einsetzenden Wettbewerbs durch Nachahmerprodukte ihre Bestellungen für das Kernmedikament Glucophage gegen Diabetes bereits im Schlussquartal reduziert hätten. Der Patentschutz für Glucophage war vor zwei Jahren ausgelaufen. Bei insgesamt elf US-Unternehmen wird mittlerweile mit eigenen generischen Metformin-Präparaten gerechnet. "Metformin" ist die Wirkstoffbezeichnung bei Glucophage. Zuletzt hatte die Ivax Corp

mitgeteilt, die US-Gesundheitsbehörde FDA habe die Genehmigung zum Verkauf eigener Metformin-Tabletten erteilt. Ende Januar hatte der generische Wettbewerb in den USA eingesetzt. "Die nächsten zwei bis drei Jahre werden uns vor eine Reihe von Herausforderungen stellen, aber wir sind gut vorbereitet und werden zusätzliche Vorkehrungen treffen, diese zu meistern", erklärte Konzernchef Bernhard Scheuble. Die wirtschaftliche Lage bleibe schwierig. Der generische Wettbewerb bei Glucophage in den USA werde "signifikant spürbar sein". Kurzfristig sei für den erwarteten Ergebnisrückgang bei Glucophage kein Ausgleich zu finden, daher gehe Merck für 2002 nur von einem prozentual einstelligen Anstieg beim Konzernumsatz aus. Das operative Ergebnis im Konzern werde unter dem Niveau von 2001 liegen. Das Jahr 2001 war für Merck dagegen nach eigenen Angaben das beste in der 333-jährigen Firmengeschichte mit einem rund zwölf prozentigen Umsatzplus auf 7,528 Mrd. ? und einem rund 18-prozentigen Zuwachs beim operativen Ergebnis auf 877 Mill. ?.

Nach Fremdanteilen verdiente Merck im vierten Quartal mit 89,5 Mill. ? 7,2 % mehr als im Vorjahr. Mit seinen Diabetes-Produkten der Glucophagefamilie setzte Merck im Schlussquartal mit 791 Mill. ? noch 30 % mehr um als ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr 2001 konnte das Unternehmen mit diesen Mitteln 3,2 Mrd. ? umsetzen, 43 % mehr als im Jahr 2000. Ferner hieß es, für 2001 werde den Aktionären eine Dividendenerhöhung um sechs Prozent auf 95 Cent vorgeschlagen. Auch der seit langem geplante Börsengang der Labordistributionssparte in den USA werde nun auf den Weg gebracht. In den nächsten Wochen soll nach Merck-Angaben nun eine Investmentbank beauftragt werden, den Börsengang vorzubereiten.

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