Merck & Co stagniert - Schering-Plough wächst zweistellig
US-Pharmariesen ohne Schwung

Die jüngsten Ergebnisse der US-Pharmakonzerne belegen einen beunruhigenden Trend. Der Ablauf von wichtigen Patenten bremst die Gewinnentwicklung. Und neue Medikamente lassen noch auf sich warten.

NEW YORK. Bei den großen US-Pharmakonzernen entscheidet derzeit vor allem die Patentsituation über die jeweilige Performance. Das bestätigten die gestern vorgelegten Zahlen von Merck & Co und Schering-Plough.

So verbuchte Merck & Co im Pharmageschäft im 1. Quartal einen Umsatz- und Gewinnrückgang von jeweils 2 %. Mit 1,6 Mrd $ oder 71 Cents je Aktie lag das Ergebnis allerdings im Rahmen der Erwartungen von Analysten, die man im Herbst bereits vorgewarnt hatte. Ähnlich wie bei den Konkurrenten Eli Lilly und Bristol-Myers Squibb (BMS) wird auch die Nummer Drei der Branche von dem Patentablauf bei einigen wichtigen Produkten betroffen.

Demgegenüber konnte Schering-Plough den Umsatz im 1. Quartal um 11 % und den Nettogewinn um 8 % auf 41 Cent je Aktie steigern. Rückläufige Erlöse beim bisherigen Hauptprodukt, dem Allergiemittel Claritin, wurden vom Nachfolgeprodukte Clarinex und der Neuentwicklung PEG-Intron, einem Wirkstoff gegen Virusinfektionen, kompensiert. Allerdings wird Schering-Plough im laufenden Jahr voraussichtlich nochmals von Produktsproblemen sowie von hohen Lagerbeständen belastet.

Ein Mangel an starken Neuentwicklungen ist derzeit sympomatisch für Teile der US-Pharmabranche. Nach Schätzungen der Investmentbank Salomon Smith Barney verlieren in den USA Produkte mit einem Jahresumsatz von 15,4 Mrd.$ ihren Patentschutz. Generika-Hersteller stehen bereit, um ihre günstigen Nachahmerprodukte auf den Markt zu bringen. Selbst auf den Marktführer Pfizer kommt das Problem in einigen Jahren zu. Am wenigsten betroffen sind in den USA nach Schätzungen des Salomon Smith Barney-Analysten Mark Striker der Wyeth-Konzern, der zuvor American Home Products hieß, und Pharmacia.

Konnten die Pharmaunternehmen in der Vergangenheit die drohenden Umsatzverluste teilweise noch durch Preiserhöhungen kompensieren, wird auch dies immer schwieriger. Denn das politische Umfeld in den USA hat sich geändert, viele Krankenkassen und auch einzelne Staaten haben Preisgrenzen für Medikamente durchgesetzt.

Rund die Hälfte aller verschriebenen Medikamente sind inzwischen Generika. Dabei sind die Preisunterschiede zwischen Markenprodukten und Generika-Produkten in den USA wesentlich größer als in Europa. Für die Pharmakonzerne bedeutet das, dass sie nach einem Patentablauf ihre Umsätze in den USA sehr schnell an die Generika-Konkurrenz verlieren.

Den einzigen Ausweg aus dem Dilemma bieten neue Medikamente. Doch gerade da hapert es derzeit. Zahlreiche Neuentwicklungen scheiterten in jüngerer Zeit an der Zulassungshürde. Und die Resultate aus der Genforschung lassen noch auf sich warten. "In fünf bis zehn Jahren kann das vielleicht unserem Produktfluss helfen. In der Zwischenzeit muss die Industrie durch schwere Zeiten gehen", sagte Fred Hassan, der Vorstandsvorsitzende von Pharmacia Corp. gegenüber dem Wall Street Journal.

Um den Mangel an eigenen Pro-dukten wettzumachen, gehen die Pharmakonzerne verstärkt bei kleineren Biotech-Unternehmen, einkaufen. Doch das kann daneben gehen, wie etwa bei der Allianz von BMS mit ImClone zeigte. BMS hatte 1,2 Mrd.$ in das Imclone-Krebs-Medikament Erbitux investiert. Doch die Zulassungsbehörde FDA wies die Zulassung zurück und verlangte zusätzliche Tests. Hinzu kommen hausgemachte Probleme: So kurbelte BMS seine Umsätze mit einigen Präparaten durch Sonderangeboten an. Nachdem aber die Händler auf den Lagerbeständen sitzenblieben, musste man die Prognosen nach unten korrigieren.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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