Merkel besucht das Heer der Bundeswehr
„Kann man damit laufen?“

Eigentlich wollte Angela Merkel schon zu Beginn ihrer Amtszeit das vor wenigen Jahren neu gebaute Gefechtsübungszentrums des Heeres der Bundeswehr nördlich von Magdeburg besuchen. Doch erst jetzt konnte sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen - und spielte mit Leichtigkeit eine ihrer besten Rollen: die der wissbegierigen Zuhörerin.

LETZLINGEN. Dreißig Flugminuten westlich von Berlin läuft für Angela Merkel alles wie am Schnürchen. Der Besuch des Gefechtsübungszentrums des Heeres nördlich von Magdeburg bleibt für die Kanzlerin ohne politischen Zwischenfall, ohne jede nachrichtentaugliche Schlagzeile. Und dafür sorgt sie selbst. Exakt eine Frage erlaubt sie den mitgereisten Journalisten zum Thema Bundeswehr, mehr nicht. Ob es denn in absehbarer Zeit noch weitere Einsätze der Bundeswehr im Ausland geben wird, will einer wissen. Merkel wischt das Thema gelassen weg: "Spekulationen sollte man jetzt nicht anstellen." Erst müsse der Einsatz im Kongo beendet sein, erklärt sie, und marschiert in schwarzen Sicherheitsstiefeln, die sie zuvor gegen ihre Lederschuhe getauscht hat, schnurstracks wieder Richtung Hubschrauber. Die Hauptstadt ruft.

Für die einzige Überraschung sorgt die Kanzlerin selbst. Statt wie angekündigt allein kommt Merkel zusammen mit Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Der wollte eigentlich in diesen Tagen nach Washington fliegen und dort seinen Amtskollegen Donald Rumsfeld treffen. Doch der hatte wegen des Kriegschaos im Irak in der vergangenen Woche seinen Rücktritt erklärt - und dem deutschen Verteidigungsminister unverhofft etwas Luft im Terminkalender verschafft. So konnte Jung die Kanzlerin begleiten. Dem viel kritisierten Verteidigungsminister werden der gemeinsame Termin und die entspannten Fotos mit Merkel ein wenig helfen. Wäre die Kanzlerin dagegen allein in die sachsen-anhaltinische Heide aufgebrochen, hätte es sicher wieder Spekulationen um die politische Zukunft des Verteidigungsministers gegeben.

Das alles bleibt Jung an diesem Novembertag erspart. Nicht einmal die geschmacklosen Totenkopf-Fotos einiger deutscher Soldaten des Heeres in Afghanistan spielten in den Gesprächen der Kanzlerin an diesem Vormittag eine Rolle. Vielmehr konnte der Verteidigungsminister in aller Ruhe die Leistungsfähigkeit seiner Truppe unter Beweis stellen. Und Merkel, die eigentlich schon zu Beginn ihrer Amtszeit das vor wenigen Jahren neu gebaute Übungszentrum in Sachsen-Anhalt besuchen wollte, spielte mit Leichtigkeit eine ihrer besten Rollen: die der wissbegierigen Zuhörerin. Als sei sie selbst Journalistin und müsste über ihren eigenen Termin schreiben, produziert sie Fragen wie am Fließband. Sie lässt sich ein mobiles GPS-System ebenso erklären wie die neue Ausrüstung der Fallschirmspringer.

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