Merkel rief Schäuble an
CSU heizt Diskussion um Doppelspitze an

Unmittelbar vor dem politischen Aschermittwoch hat die CSU die Diskussion um die Doppelspitze der Union mit einem überraschenden Thema angeheizt. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel hielt es nicht für ausgeschlossen, dass die CDU/CSU - Bundestagsfraktion in Zukunft von einem CSU-Politiker geführt werden könnte. Das sei "durchaus vorstellbar", sagte Goppel der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch).

dpa BERLIN. Zuvor hatte bereits die Kritik des ehemaligen CDU-Chefs Wolfgang Schäuble an der Doppelspitze bei seiner Nachfolgerin Angela Merkel offenbar Irritationen ausgelöst. Die Parteichefin telefonierte am Montag mit Schäuble, bestätigte eine Sprecherin am Dienstag, ohne nähere Angaben zu machen.

Laut "Bild"-Zeitung (Dienstag) forderte Merkel Schäuble in dem Gespräch zur Zurückhaltung auf. Sie habe sich Kritik am Erscheinungsbild im Allgemeinen und an der Doppelspitze mit Unions- Fraktionschef Friedrich Merz im Besonderen verbeten, hieß es.

Schäuble hatte am Wochenende in mehreren Interviews Loyalität mit Merkel und Merz gefordert, aber auch ihre Außendarstellung bemängelt. "Eine der Ursachen, weshalb wir eine ungute Lage haben, liegt darin, dass die Parteivorsitzende und der Fraktionsvorsitzende es nicht geschafft haben, den Eindruck zu verhindern, sie würden sich als Rivalen betrachten", hatte der Ex-Parteichef erklärt. Merz hingegen hatte die Doppelspitze als Erfolgsmodell bezeichnet.

Goppel sagte, die CSU müsse allerdings genau überlegen, ob sie den Faktionschef stellen wolle, weil sie dann sehr häufig "ihr eigenes Profil in Frage stellen müsste". Ausdrücklich wies der CSU - Generalsekretär darauf hin, dass die derzeitige Diskussion über den Fraktionsvorsitz "völlig hypothetisch" sei. "Wir haben einen Fraktionsvorsitzenden, und der heißt Friedrich Merz", betonte Goppel.

Das Modell muß funktionieren

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, widersprach am Dienstag in der Union verbreiteten Vorbehalten, eine Doppelspitze werde in der Bevölkerung weniger akzeptiert als eine Führung mit einer eindeutigen Spitzenperson. "Den Menschen ist die Konstellation an der Spitze einer Partei egal, solange das Modell funktioniert", sagte Güllner in einem dpa-Gespräch.



Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach versuchte, die Debatte zu beruhigen. An der Diskussion, ob die Doppelspitze optimal sei oder nicht, beteilige er sich nicht, sagte er am Dienstag dem Sender Radio Eins (ORB/SFB). Partei und Fraktion sollten sich auf sachliche und inhaltliche Themen konzentrieren.

Nach Güllners Ansicht liege das gegenwärtige Problem der CDU nicht in der Doppelspitze, sondern darin, dass Merz und Merkel "nicht als die angesehen werden, die politisches Profil haben". Wenn Merz auf funktionierende Tandems der Vergangenheit - etwa in der CDU mit Karl Carstens als Fraktionschef und Helmut Kohl als Parteichef von 1973 bis 1976 - verweise, so sei dies im Prinzip richtig. Auch eine Konstellation mit Gerhard Schröder als Kanzler oder Oskar Lafontaine als Fraktionschef - zu Anfang dieser Legislaturperiode in der SPD diskutiert - "hätten die Menschen wunderbar gefunden", wenn es keine Reibungen gegeben hätte.

Insbesondere zu Merz können sich die Bürger laut Forsa-Umfragen nach wie vor keine Meinung bilden, sagte Güllner. Von Merkel hätten die Bürger nach ihrer Wahl zur CDU-Chefin im vorigen April eine hohe Meinung gehabt. Zum Ansehensverlust habe beigetragen, dass sie aus Sicht der Bevölkerung "die Sympathien nicht in politisches Handeln" umgesetzt habe. "Sie steht jetzt kurz vor solchen Werten, die Rudolf Scharping und Wolfgang Schäuble kurz vor ihrem Machtverlust als SPD - beziehungsweise als Unions-Fraktions- und Parteichef hatten."

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