Merkel und Stoiber: Wer steht wie zu wem?

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Merkel und Stoiber: Wer steht wie zu wem?

Das Meinungsbild in CDU und CSU zur Kanzlerkandidatur ihrer Vorsitzenden Angela Merkel und Edmund Stoiber insgesamt ist schwer zu überschauen, wobei es eine Tendenz für Stoiber gibt.

dpa BERLIN. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab am Donnerstag folgende Positionierung der Landesverbände - einen Tag vor Beginn der CDU - Vorstandsklausur in Magdeburg:

NORDRHEIN-WESTFALEN (192 487 Mitglieder): Dort hat sich der Geschäftsführende Landesvorstand einstimmig für eine Kandidatur Merkels ausgesprochen. Das Gremium ist aber nicht repräsentativ für die Stimmung in der Gesamtpartei. Einzelne Bundestagsabgeordnete haben sich für Stoiber ausgesprochen. Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat der Auffassung widersprochen, die NRW-CDU stehe geschlossen hinter Merkel. In den ländlichen Regionen (Sauerland und Münsterland) genießt Stoiber die größeren Sympathien, Merkel in den Städten.

NIEDERSACHSEN (84 236 Mitglieder): In Niedersachsen betonte CDU-Partei - und Fraktionschef Christian Wulff stets, er werde sich nicht vor dem Gespräch Merkel-Stoiber äußern. Sein Stellvertreter als Fraktionschef, Bernd Busemann, macht keinen Hehl daraus, Stoiber zu favorisieren.

BADEN-WÜRTTEMBERG (81 318 Mitglieder): In Baden-Württemberg gibt es eine sehr deutliche Tendenz für Stoiber. Die CDU-Fraktion im Landtag sprach sich für den CSU-Chef aus. Mit Stoiber an der Spitze habe die Union im Wahlkampf bei den entscheidenden Themen Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik, Innere Sicherheit und Zuwanderung "eindeutig die besseren Chancen", sagte Fraktionschef Günther Oettinger.

RHEINLAND-PFALZ (58 316 Mitglieder): Im CDU-Landesverband Rheinland- Pfalz ist die Stimmung nicht eindeutig. Landeschef Christoph Böhr hat auf eine Stellungnahme verzichtet. Bei einer Zeitungsumfrage im nördlichen Rheinland-Pfalz haben sich von 13 CDU-Kreisvorsitzenden sieben für Stoiber ausgesprochen. Die stellvertretende CDU - Landesvorsitzende Maria Böhmer hat klar für Merkel plädiert.

HESSEN (54 392 Mitglieder): Die hessische CDU hat noch nicht offiziell Stellung bezogen. Ministerpräsident Roland Koch lässt sich nichts entlocken. Generalsekretär Michael Boddenberg sieht eine deutliche Mehrheit auf der Seite Stoibers. Es gibt vereinzelt Stimmen für Merkel, so die Bundestagsabgeordneten Hannelore Rönsch und Bärbel Sothmann.

SCHLESWIG-HOLSTEIN (30 904 Mitglieder): In Schleswig-Holstein gibt es kein einhelliges Bild. Landeschef Johann Wadephul unterstützt eindeutig Stoiber, seine Stellvertreterin Angelika Volquartz ist wie auch die Frauen-Union für Merkel. Nach Einschätzung des Landeschefs zeichnet sich aber mehrheitlich ein Pro für Stoiber ab.

SAARLAND (21 950 Mitglieder): Im Saarland haben sich der von Ministerpräsident Peter Müller angeführte CDU-Landesvorstand und die Mitglieder der CDU-Landtagsfraktion mit Drei-Viertel-Mehrheit für Edmund Stoiber als Kanzlerkandidat ausgesprochen.

SACHSEN (16 332 Mitglieder): Der sächsische CDU-Generalsekretär Hermann Winkler meint, die Stimmung im Lande sei halbe halbe.

BERLIN (15 333 Mitglieder): Die Berliner CDU will sich in der K-Frage zwar nicht per Beschluss festlegen, wie Landeschef Eberhard Diepgen deutlich machte. Doch hatten sich zuvor vier von zwölf CDU-Kreisvorsitzenden bereits öffentlich für eine Kandidatur Stoibers ausgesprochen. Aus CDU-Kreisen hieß es, insgesamt herrsche eine sehr große Sympathie für den bayerischen Ministerpräsidenten.

THÜRINGEN (14 210 Mitglieder): Die Spitzen der Thüringer CDU halten sich mit klaren Aussagen zurück. Landesvorsitzender Dieter Althaus, dem Sympathien für Merkel nachgesagt werden, räumt öffentlich beiden Bewerbern Chancen ein. Ministerpräsident Bernhard Vogel hält im Gegensatz zu Althaus als letzten Ausweg auch eine Entscheidung der Bundestagsfraktion für denkbar. Er rechnet jedoch mit einer Einigung der beiden Parteichefs. Vogel wird parteiintern eher dem Stoiber- Lager zugerechnet. Die Thüringer Parteibasis ist gespalten.

SACHSEN-ANHALT (10 294 Mitglieder): In Sachsen-Anhalts CDU kristallisiert sich eine Mehrheit für Stoiber heraus. Das machten Parteikreise deutlich. Stoiber habe die besseren Chancen gegen Schröder, ist das Argument. Doch ist die Zahl der Merkel-Anhänger nicht unbeachtlich.

HAMBURG (9910 Mitglieder): Die Hamburger CDU ist unentschieden. Unter den Kreisvorsitzenden gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die Bundestagswahl ehr mit Stoiber oder mit Merkel zu gewinnen ist. Bürgermeister Ole von Beust soll nach Angaben aus CDU-Kreisen mehr zu Merkel tendieren.

MECKLENBURG-VORPOMMERN (7792 Mitglieder): Die CDU-Spitze in Mecklenburg-Vorpommern, dem Heimat-Verband von Angela Merkel, hat der Bundesvorsitzenden den Rücken gestärkt. Der Landesvorsitzende Eckhardt Rehberg erklärte: "Deutschland ist reif für eine Kanzlerin." Er machte aber zugleich deutlich, dass die Nordost-CDU, die von Merkel sieben Jahre lang bis 2000 geführt worden ist, jeden Kandidaten unterstützen wird, auf den sich CDU und CSU einigen. Es gibt aber auch Sympathien für den Bayern.

BRANDENBURG (7533 Mitglieder): In der brandenburgischen CDU gäbe es, wenn es zum Schwur käme, eine leichte Tendenz zu Gunsten Stoibers, hieß es in Parteikreisen. Merkel erhalte vor allem von den Frauen in der märkischen Union Rückendeckung. Eine Abstimmung wird es in Brandenburg aber nicht geben. Der CDU-Landesvorsitzende Jörg Schönbohm favorisiert Stoiber, wie es aus seiner Umgebung hieß.

BREMEN (3426 Mitglieder): Auch die Bremer CDU wird sich nach den Worten ihres Landesvorsitzenden Bernd Neumann nicht auf einen Kanzlerkandidaten festlegen. Der Streit sollte auch nach Neumanns Auffassung bis Ende nächster Woche im direkten Gespräch zwischen Merkel und Stoiber geklärt werden.

BAYERN (178 000 CSU-Mitglieder): Die CSU will zum Rückhalt für Stoiber in den eigenen Reihen offiziell nichts sagen, um das geplante Vier-Augen-Gespräch nicht zu belasten. Allerdings wird in München davon ausgegangen, dass die Stimmung eindeutig pro Stoiber ist. Stimmen aus den Ortsverbänden, die Stoiber in Bayern halten wollen, werden als Einzelmeinung gewertet.

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