Merrill-Lynch-Analyse der 50 größten US-Aktienfonds: US-Fondsmanager mögen Europa noch

Merrill-Lynch-Analyse der 50 größten US-Aktienfonds
US-Fondsmanager mögen Europa noch

Um deutsche und französische Produkte macht manch ein Amerikaner momentan einen weiten Bogen. Dies gilt jedoch nicht für die Geldanlage: Eine Analyse der 50 größten global anlegenden US-Aktienfonds durch die Investmentbank Merrill Lynch ergab, dass Europa die beliebteste Anlageregion amerikanischer Investoren ist. Im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Gewicht in den globalen Aktienindizes sind Werte aus der "alten Wert" in US-Portfolios deutlich übergewichtet.

BRÜSSEL. Die Merrill-Studie zeigt deutlich, dass US-Fonds, die ihr Geld international anlegen, Europa - gemessen am Morgan Stanley Capital International Europe Australasia Far East Index (EAFE) - übergewichten und Asien untergewichten. Innerhalb Europas lagen Aktien aus Großbritannien, der Schweiz und den Niederlanden vorne. In Asien wurde Japan - verglichen mit seinem eigentlichen Gewicht in den Indizes - am wenigsten berücksichtigt. Das ist allerdings keine Überraschung: Der japanische Markt wird gegenwärtig nur mit einem Fünftel seines Höchststands von 1989 bewertet.

Merrill Lynch hat auch untersucht, wie die Fondsmittel auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche verteilt werden. Demnach bevorzugen internationale Fonds die Aktien von Medienfirmen, Nahrungsmittelherstellern, Versicherern und Pharmaproduzenten. Banken, Stromversorger, Transportunternehmen und Telekomkonzerne dagegen sind wenig beliebt. "Alles in allem verhalten sich die Fonds sehr defensiv", betont Merrill-Lynch-Analyst David Bowers. Qualitativ gute, defensive Aktienmärkte gibt es seiner Meinung nach vor allem in der Schweiz, in Großbritannien und den Niederlanden.

Im ihrem Anlageverhalten unterscheiden sich die US-Fondsmanager der Studie zufolge kaum von den Verwaltern globaler Fonds aus anderen Ländern. Einen kleinen - aber wichtigen - Unterschied gibt es dennoch: Fondsmanager außerhalb der USA stecken weniger Geld in US-Aktien, als deren tatsächliches Marktgewicht erwarten ließe. Stattdessen gewichten sie Kanada, Brasilien, Südkorea und China höher, als dies beispielsweise der MSCI All Country World Free Index tut.

Neben bestimmten Ländern favorisieren die Fondsmanager auch einzelne Aktien. Einige Werte tauchen in fast allen Portfolios auf: So sind sechs Aktien in knapp 80 % der 50 analysierten internationalen Aktienfonds enthalten. Dazu zählen der anglo-australische Bergwerkkonzern BHP Billiton, der französische Ölgigant Totalfina Elf, der britische Telefonmulti Vodafone, der japanische Elektronik-Hersteller Canon, der italienische Öl- und Gaskonzern Eni sowie der Schweizer Nahrungsmittel-Riese Nestlé. Zu den Top 10 der beliebtesten Aktien gehören ferner der niederländische Versicherer ING, die französische Bank BNP Paribas, der Schweizer Pharmaproduzent Novartis und der Elektronik-Konzern Sony aus Japan.

Von der großen Ähnlichkeit der einzelnen Fonds zeigen sich auch die Merrill-Analysten überrascht. Zwar halten die 50 Fonds insgesamt rund 1 400 verschiedene Aktien. Allein 77 der Papiere vereinen aber die Hälfte der gesamten Anlagesumme in Höhe von 184,4 Mrd. Dollar.

Für europäische Anleger ergeben sich aus der Studie einige wichtige Implikationen: "Das Geld aus Amerika kann durchaus Aktienmärkte verändern", sagt David Strongin von der Securities Industry Association in New York. Unter bestimmten Umständen spielten US-Fonds sogar eine entscheidende Rolle für das Marktgeschehen. Zwar würden die großen europäischen Märkte meistens von einheimischen Investoren bestimmt, auf den weniger entwickelten Märkten der Schwellenländer könnten die Anlagen der US-Fonds aber durchaus richtungweisend sein, so Strongin.

Selbst für Nicht-Amerikaner ist es mitunter schwer, den Vorlieben der US-Fondsmanager zu entkommen. Denn viele der Amerikaner verwalten auch Fonds für europäische Investoren. Noch wichtiger für Privatanleger könnte die Erkenntnis der Merrill-Studie sein, dass Anleger mitunter hohe Gebühren für Fonds zahlen, die lediglich einen Index abbilden. Das wiederum können Privatanleger mit anderen Mitteln wesentlich billiger haben.

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