Merrill Lynch erwartet keine steigenden Europabörsen
Sinkende Zinslast gibt Telekoms Auftrieb

"Die Botschaft hört ich wohl, allein es fehlt der Glaube mir." Das werden viele Anleger denken, wenn die Experten für das kommende Jahr endlich den Aufschwung an den Börsen prognostizieren. Und besonders groß dürfte die Skepsis sein, wenn den europäischen Börsen bessere Chancen vorhergesagt werden als den amerikanischen, weil sie noch "Nachholbedarf" hätten oder "niedriger bewertet seien".

HB/fw DÜSSELDORF. Wer sich Prognosen für die europäischen Aktien im Jahr 2003 anschaut, findet sehr häufig die bekannten Prognosen. Die BHF-Bank schreibt zum Beispiel: "Euroland bietet die besten Chancen." Die Begründung weicht allerdings von dem gängigen Muster ein wenig ab: In Phasen steigender Kurse habe der Euro Stoxx 50 amerikanischen S & P 500 meist abgehängt, dafür sei er in der Baisse auch tiefer abgetaucht. Der Vergleich hinkt etwas, weil der Euro Stoxx 50 nur die 50 größten Aktien Eurolands misst und der S & P 500 mit seinen 500 Aktien die Breite des Marktes. In starken Börsenzeiten laufen aber die großen Titel, auf die sich viele Anleger konzentrieren, ohnehin besser als die kleineren. Die europäischen Werte seien stärker vom Konjunkturzyklus abhängig, heißt es als weitere Begründung. Konsequent folgert die BHF-Bank, dass sich der Deutsche Aktienindex "trotz der aktuellen schwierigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen" nach seinem tiefen Fall überproportional erholt.

Bei der Frage, was denn nun tatsächlich kommt, spielen auch mögliche "Überraschungen" eine große Rolle. CSFB erwartet dabei in der nächsten Zeit für den europäischen Raum eher positive Signale. So werde die Europäische Zentralbank (EZB) voraussichtlich 2003 die Zinsen um einen halben Prozentpunkt weiter senken - ein Schritt in dieser Größe sei noch nicht in den Kursen "eingepreist". Die Experten erwarten außerdem gute Erfolge der Kostensenkungsprogramme in den Unternehmen und glauben, dass der daraus resultierende Ergebnistrend sich noch zu wenig in den Kursen niedergeschlagen hat. Als Branchen stehen Zykliker - zum Beispiel Autoaktien wie VW und Peugeot, aber auch einige Banken wie Banco Popular und Bank of Ireland - auf der Empfehlungsliste; dazu Unternehmen mit hoher Verschuldung, zum Beispiel Michelin, St. Gobain, Enel und Stora Enso und einige Telekomwerte, darunter auch die Deutsche Telekom. Von den einzelnen Ländern gilt Spanien als günstig bewertet, Deutschland wird hingegen mit seinen hohen Realzinsen und Arbeitskosten eher skeptisch gesehen.

Merrill Lynch hingegen bekennt sich zu einer "Bären"-Perspektive - was dieses Haus übrigens häufig tut. Die Experten glauben, dass der europäische Markt über die kommenden zwölf Monate "flach und heftig schwankend" bleibt. Viele Investoren hielten den Markt für unterbewertet, aber Merrill Lynch zeigt sich von dieser Sichtweise "weniger überzeugt". Der Euro sei stark, der Ölpreis steigend und der US-Konsum lasse nach, außerdem lasse die Politik auf dem Kontinent keine steigende Nachfrage zu. Relativ positiv sieht aber auch Merrill den Telekomsektor - wegen des Schuldenabbaus. Als mögliche "negative Überraschung" führen sie dagegen ein Platzen der "Immobilienblase" in Großbritannien an, die vor allem die britischen Banken treffen würde.

Quelle: Handelsblatt

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