Merrill Lynch, JP Morgan und Wachovia legen zu: Investmentbanken überraschen Analysten

Merrill Lynch, JP Morgan und Wachovia legen zu
Investmentbanken überraschen Analysten

Die Wall-Street-Häuser trotzen der Börsen- und Konjunkturflaute. Dank starker Ergebnisse im Anleihe- und Derivatgeschäft übertrafen JP Morgan Chase und Merrill Lynch gestern locker die Erwartungen der Analysten. An eine rasche Besserung der Wirtschaftslage glauben die Banken indes nicht.

NEW YORK. Börsenkrise hin, Konjunkturflaute her - die US-Investmentbanken verdienen auch in harten Zeit wieder gutes Geld. Das bewiesen gestern die Quartalsergebnisse des Wertpapierhauses Merrill Lynch und der Universalbank JP Morgan Chase. Beide übertrafen deutlich die Erwartungen der Analysten. Vor einem Monat hatten bereits die Wall-Street-Häuser Goldman Sachs, Morgan Stanley, Lehman Brothers und Bear Stearns unerwartet robuste Ergebnisse für ihr erstes Geschäftsquartal vorgelegt.

Merrill, das größte reinrassige Investment- und Wertpapierhaus in den USA, verdiente 685 Mill. $ (72 Cent je Aktie). Das waren 6 % mehr als im ersten Quartal 2002. Analysten hatten laut Thomson First Call 61 Cent je Aktie erwartet. JP Morgan Chase, nach Citigroup die zweitgrößte US-Bank, überraschte mit einem Gewinnsprung von 43 % auf 1,4 Mrd. $ (69 Cent je Aktie). Die Analystenschätzungen lagen hier mit 51 Cent viel zu niedrig.

"JP Morgan Chase zeigt überraschende Stärken", sagte Fondsmanager Michael Horton vom Vermögensverwalter T. Rowe Price. "Das Geschäft muss richtig gut laufen, wenn sie solche Zahlen präsentieren können", sagte Horten der Nachrichtenagentur Bloomberg weiter. Bislang sahen viele Analysten und Investoren das fusionierte Institut JP Morgan Chase kritisch. Seit der Übernahme der Investmentbank JP Morgan durch die New Yorker Geschäftsbank Chase Manhattan hat der Finanzkonzern fast die Hälfte seines Börsenwertes eingebüßt. Doch steigende Gewinne im Investmentbanking und günstigere Finanzierungskosten sorgten jetzt für die positive Überraschung. Die Netto-Einnahmen stiegen um 12 % auf 7,7 Mrd. $.

Steigende Umsätze erzielten JP Morgan Chase und Merrill Lynch mit Anleihen. Festverzinsliche Wertpapiere erlebten wegen der niedrigen Zinsen einen Absatzboom. Als Ertragsmotor erwiesen sich auch Derivate. Diese Produkte helfen Firmen und institutionellen Investoren, Risiken zu isolieren und gezielt zu managen. "Dieser Bereich wächst seit Jahren und bietet noch enormes Wachstumspotenzial für die Investmentbanken", sagt Nick Studer von der Unternehmensberatung Oliver, Wyman & Co. Dagegen brachen die Umsätze im Aktiengeschäft weiter ein. Laut Thomson First Call wagten im vergangenen Quartal nur fünf Firmen den Gang an die Wall Street - so wenige waren es zuletzt 1990.

Die Banken erwarten keine baldige Verbesserung des Konjunktur- und Börsenumfelds. "Wir sind sehr zurückhaltend, was den weiteren Geschäftsverlauf angeht", sagte Marc Shapiro, Vize-Chairman von JP Morgan Chase. "Die US-Wirtschaft läuft derzeit alles andere als auf Hochtouren". Shapiro schloss auch weitere Entlassungen, insbesondere im Geschäftsbereich Investmentbanking, nicht aus.

Noch stärker als bei JP Morgan basierte bei Merrill Lynch das Gewinnwachstum auf Kostensenkungen. Denn die Netto-Einnahmen sind im ersten Quartal um 5 % auf 4,9 Mrd. $ gesunken. Als Wertpapierhaus mit dem größten Privatkundennetzwerk unter den US-Investmenthäusern leidet Merrill besonders unter der Zurückhaltung privater Aktienanleger. Deshalb drängt der neue Chef Stanley O?Neal mit Macht in weniger aktienabhängige Geschäftsfelder wie zum Beispiel das herkömmliche Einlagen- und Kreditgeschäft. "Unser Ergebnis zeigt, dass wir trotz des schwierigen Börsenumfelds auf dem Weg vorankommen, unsere Einnahmebasis zu verbreitern", kommentierte O?Neal die Zahlen.

Unter der Aktienkrise leidet auch die Wertpapiersparte der fünftgrößten US-Bank, Wachovia. Seit der Zusammenlegung ihres Brokernetzes mit der Handelssparte des Finanzkonzerns Prudential Financial stieg Wachovia zu einem der größten US-Wertpapierhäuser auf. "Private Investoren hielten sich angesichts der Marktschwäche zurück", teilte die Bank mit. Im vergangenen Quartal sanken die Netto-Einnahmen im Bereich Vermögensverwaltung und Wertpapierhandel. Dank stabiler Einnahmen im traditionellen Bankgeschäft und bei Hypothekenkrediten steigerte Wachovia aber den gesamten Quartalsgewinn um 12 % auf 1,0 Mrd. $. Der um Fusionsaufwendungen bereinigte Gewinn übertraf leicht die Analystenerwartungen.

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