Merrill Lynch setzt auf die wachsende Bedeutung von Speichermedien
Experten raten zum Einstieg bei Tech-Aktien

Mit den richtigen Branchen lässt sich auch künftig viel Geld verdienen, sagt der Technologiestratege von Merrill Lynch. Commerzbank Securities empfiehlt einige europäische Unternehmen. Deren Gewinnerwartungen sind höher und wegen des schwachen Euros gelten sie als billig.

FRANKFURT/M. Mit Technologiewerten haben Anleger sich in den letzten drei Monaten die Finger verbrannt. Wer künftig mit Technologieaktien Geld verdienen will, muss wählerisch sein. Nur bestimmte Sektoren versprechen eine gute Performance, meint der Technologie-Stratege Steven Milunovich von Merrill Lynch. Anlegern empfiehlt er, stärker als bisher auf das Umsatzwachstum zu achten. "Das lässt sich weniger stark manipulieren als die Gewinnzahlen."

Milunovich ist seit drei Jahren Technologie-Stratege bei Merrill Lynch. Zuvor analysierte er die Branche sechs Jahre lang für Morgan Stanley. "Die alten Höchststände sehen wir in den nächsten Monaten nicht wieder. Aber in den nächsten 10 bis 20 Jahren rechne ich mit einem wachsenden Marktwert von Technologie-Unternehmen von 20 % pro Jahr." Davon würden langfristig vor allem die Bereiche Speichermedien, Software, Internet und Mobilfunk profitieren. Im Moment sind die beiden letztgenannten Sektoren in seinem Musterportfolio untergewichtet.

Seine Favoriten sind für die nächsten sechs Monate sind Unternehmen aus den Bereichen Speichermedien, Computer Dienstleistungen, Software und Technologieausrüster. Vor allem auf die wachsende Bedeutung der Speicher-Spezialisten setzt Milunovich. Empfehlenswerte Unternehmen sind aus seiner Sicht EMC, Network Appliance, Brocade, Mcdata und Veritas.

Unter den Unternehmen auf seiner Empfehlungsliste befinden sich überwiegend US-Unternehmen. Der Software-Hersteller Adobe Systems oder Cadence Design gehören ebenso dazu wie Cisco Systems oder Nortel Networks. "Letztere profitieren davon, dass Unternehmen weltweit noch stärker in ihre Internetstruktur investieren müssen." In Europa hält er den finnischen Mobilgeräte-Hersteller Nokia und den französischen Telekommunikationsausrüster Alcatel für gut aufgestellt. Nokia profitiere von wachsenden Marktanteilen, Alcatel von der steigenden Bedeutung von Netzwerk-Infrastruktur.

"Die Führung der USA im Technologiebereich wird schrumpfen," sagt Milunovich. Allerdings nur langsam, da andere Länder noch die Grundlagen für Innovation schaffen müssten. Vor allem in Europa und Asien stiegen die Unternehmensinvestitionen in Internet-Technologie.

Im Technologiesektor sind die Gewinnerwartungen gestiegen

Für europäische Unternehmen spricht nach Ansicht von Rolf Elgeti, Stratege von Commerzbank Securities, aber noch mehr. "Gerade im Technologiesektor sind die Gewinnerwartungen in Europa im Gegensatz zu den USA in den letzten sechs Monaten gestiegen. Das liegt einerseits am starken Dollar, aber auch daran, dass europäische Technologie-Unternehmen stärker auf Mobil-Technologie konzentriert sind. Trotzdem sind die europäischen Aktien genauso nach unten gestürzt wie die amerikanischen," sagt Elgeti.

Auch die starke Präsenz amerikanischer Pensionsfonds hat die Kurse der europäischen Unternehmen gedrückt. Im Oktober werfen die Fonds laut Elgeti Verlustbringer aus ihrem Depot, um Steuern zu sparen. In den USA können Fondsmanager nur realisierte Verluste von der Steuer absetzen. Die Aktien, die sie dazu verkaufen, dürfen sie erst einen Monat später wieder ins Depot nehmen. "In diesem Jahr hat es vor allem europäische Technologietitel erwischt. Mit denen haben die amerikanischen Anleger allein wegen des Dollar-Kurses Verluste gemacht." Elgeti ist davon überzeugt, dass viele Fonds die niedrigen Kurse nun aber wieder zum Einstieg nutzen.

Anlegern empfiehlt er unter anderem Nokia (Kursziel 72 Euro), den französisch-italienischen Halbleiterproduzenten ST Microelectronics (Kursziel 70 US-$), den niederländischen Technologiekonzern Philips (Ziel 75 Euro) und Alcatel (Ziel 100 Euro).

Gerade Nokia sei ein Beispiel dafür, dass Anleger nicht automatisch auf schlechte Nachrichten aus den USA reagieren sollten. Nokias Kurs gab im Oktober deutlich nach, als US-Konkurrent Motorola enttäuschende Zahlen veröffentlichte. Nokia überraschte dagegen mit unerwartet starken Gewinnsteigerungen. Philips sei ebenfalls gut aufgestellt. Da der Konzern sich noch nicht auf wenige Kerngeschäftsbereiche fokussiert hat, mieden einige Investoren die Aktie. "Sollte der Konzern seine Strategie ebenso wie Siemens umstellen, könnte das den Kurs ähnlich beflügeln wie die Siemensaktie."

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