Merrill Lynch: Steag Hamatech reduzieren; Singulus bei 22,55 fair bewertet
Analysten: Vorsicht bei Steag Hamatech, Singulus & Co

Nach langer Durststrecke rechnet die auf CD-Produktionsanlagen spezialisierte Steag Hamatech AG für das zweite Halbjahr 2001 mit einer Nachfragebelebung. Von den Analysten wird diese Zuversicht nicht unbedingt geteilt. Auch bei dem im Jahr 2000 deutlich erfolgreicheren DVD-Spezialisten Singulus raten sie zur Vorsicht.

FRANKFURT. Auch Wachstumsbranchen unterliegen Konjunkturschwankungen. Ganz besonders heftig bekommen dies die auf die Produktion der digitalen Speichermedien CD und DVD spezialisierten Anlagenbauer zu spüren. Das Wechselspiel von Boom und Überkapazitäten bei den Produzenten bespielbarer CD und bereits bespielter DVD und CD führt bei den Systemlieferanten zu erheblichen Schwankungen. Entsprechend folgte dem steilen Höhenflug der seit April 1999 am Neuen Markt notierten Aktie der Steag Hamatech AG ein jäher Absturz. Auch wenn das Unternehmen seine nach unten revidierten Planzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr erreicht und nun die Hoffnung auf das zweite Halbjahr 2001 setzt, bleiben Analysten skeptisch.

Im Jahr 2000 verbuchte Steag Hamatech einen Umsatzrückgang von 278,7 Mill. Euro auf 215,5 Mill. Euro. Das Nettoergebnis halbierte sich in etwa auf 10 Mill. Euro. Da das Unternehmen einen großen Teil der Produktion in den USA angesiedelt hatte, stellte die Stärke des US-Dollar eine zusätzliche Belastung dar. Die Abschreibung auf die nach Deutschland umgesiedelte Produktion und der Wechselkursverlust drückten das Ergebnis unter dem Strich auf einen Verlust von 19,1 Mill. Euro. Dank des überraschenden Booms der beschreibbaren CD war im Geschäftsjahr 1999 noch ein Gewinn von 21,9 Mill. Euro entstanden.

DG-Bank-Spezialist rät zum "Reduzieren"

Die ebenfalls am Neuen Markt notierte Singulus Technologies AG aus Kahl am Main hat sich bislang durch eine breitere Positionierung vor den Folgen der bei den CD-Herstellern aufgebauten Überkapazitäten schützen können: Sie verzeichnete im abgelaufenen Jahr sogar einen Rekordumsatz bei hohen Erträgen. Jetzt scheint sich die Nachfrage nach Anlagen für bespielte DVD aber gerade in den Hauptmärkten Taiwan und Hongkong jedoch abzuschwächen, was die Geschäftsaussichten für Singulus und den ähnlich ausgerichteten niederländischen Konkurrenten Toolex mitsamt seiner am Neuen Markt gelisteten Ausgliederung Aeco eintrüben könnte. DG-Bank-Analyst Harald Schnitzer empfiehlt Singulus und Steag Hamatech deshalb gleichermaßen zum Reduzieren. ?Bei Steag könnte die Talsohle allerdings bald durchschritten sein, da die Preise für beschreibbare CD nicht mehr sinken?, sagte er dem Handelsblatt.

Auf eine Wiederbelebung der Nachfrage nach Produktionsanlagen für beschreibbare CD hofft auch die 4M Technologies S.A.. Das im schweizerischen Yverdon-les-Bains ansässige Unternehmen rutschte im abgelaufenen Geschäftsjahr tief in die Verlustzone und musste zuletzt bei den Banken anklopfen, um eine Unterstützung für ihre Restrukturierung zu finden. Selbst wenn diese fruchten sollte, scheint es fraglich, ob der Aktienkurs des Unternehmens in absehbarer Zeit noch einmal an das alte Niveau anknüpft. Das im Herbst 1999 zu 300 sfr am Schweizer New Market platzierte Papier verdreifachte sich beinahe, bevor es angesichts der schlechten Geschäftsentwicklung und der allgemeinen High-Tech-Skepsis zum Jahresende auf unter 50 sfr fiel.

Merril Lynch-Analyst rät vom Einstieg ab

Der Analyst Rochus Brauneiser, der für die Investmentbank Merrill Lynch die Branche untersucht, rät wegen des zu hohen Risikos vom Einstieg bei 4M ab. Auch bei Steag empfiehlt er zu reduzieren. Die gegenwärtig mit knapp 15 Euro bewertete Aktie wäre seiner Einschätzung nach mit 12 bis 13 Euro gut bedient. ?Das Unternehmen schafft den Turnaround bestimmt ? es fragt sich bloß, wann?, sagte er.

Etwas zuversichtlicher ist er derzeit noch für Singulus, die er allerdings nach den vorsichtigen Äußerungen des Singulus-Chefs Roland Lacher über die künftigen Geschäftsaussichten auf ?neutral? herunterstufte. ?Auch im DVD-Bereich kommt es letztlich darauf an, wann die Produzenten wieder in neue Linien investieren werden?, sagte Brauneiser. Mit einem Kurs von derzeit 22,55 Euro sieht er den Titel fair bewertet. Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Papiere noch mehr als das doppelte gekostet. Dass sich die befürchteten Überkapazitäten im Bereich der bespielten CD und DVD so drastisch niederschlagen wie im Bereich der bespielbaren CD hält er für unwahrscheinlich. ?Hier sind Content-Anbieter aus den USA mit einbezogen, die anderen Gesetzen gehorchen, als die auf Masse abzielenden asiatischen Produzenten von beschreibbaren CD?, betonte er.

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