Merrill Lynch stuft T-Aktie hoch
Erfolgte Anstieg der T-Aktie zu schnell?

Mit Kursgewinnen von zeitweise mehr als zwölf Prozent hat die Aktie der hochverschuldeten Deutschen Telekom am Mittwoch ihre Erholung des Vortages nach dem Wechsel an der Unternehmensspitze fortgesetzt. Trotzdem kritisierten viele Händler die gefundene Lösung.

Reuters LONDON/ FRANKFURT. "Die Anleger kaufen offenbar in der Hoffnung, dass das schlimmste bei der Telekom nun vorüber ist", sagte ein Händler. Nachdem die Aktie die Marke von zwölf Euro deutlich übersprungen hatte wurden jedoch bereits warnende Stimmen laut. "Diese Reaktion ist übertrieben, schon allein, weil nicht damit zu rechnen ist, dass diese neue Unternehmensleitung so schnell so viel wird ändern können", sagte Stefan Chmielweski vom Börsenmakler Schnigge. Ron Sommer hatte am Vortag nach einer wochenlangen öffentlichen Diskussion um seine Person den Telekom-Chefsessel für das bisherige Aufsichtsratsmitglied Helmut Sihler freigemacht. Der 72-jährige Sihler soll das Amt für sechs Monate ausfüllen und einen Nachfolger suchen.

Die Telekom-Aktie gewann bis Mittwoch-Nachmittag in der Spitze mehr als zwölf Prozent auf 12,35 Euro und hat damit seit dem Allzeittief von 8,14 Euro vor drei Wochen mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen. Aktienstratege Marius Hoerner vom Handelshaus Lang & Schwarz sagte dagegen: "Der Kursanstieg heute ist mir nicht verständlich. Das Motto der Anleger scheint zu sein: Hauptsache es passiert was!" Gleichzeitig kritisierte er ebenso wie andere Börsianer die Nachfolgeregelung: "Es macht doch keinen Sinn, jemanden zu bestellen, der sechs Monate lang seinen eigenen Nachfolger sucht."

Befremdet äußerten sich viele Börsianer hinter vorgehaltener Hand über Wahl des neues Vorstandschefs. "Warum wird als Leiter eines so auf Dynamik und Jugendlichkeit getrimmten Unternehmens jemand quasi aus dem Ruhestand zurückgeholt", hieß es immer wieder.

Hintergrund für die Kursgewinne könnten nach Markteinschätzung auch die viel kritisierten Leerverkäufer sein. Durch den Verkauf von geliehenen Aktien (ein so genannter Leerverkauf) spekulieren Investoren auf fallende Kurse. Dreht der Markt, müssen die Papiere wieder zurückgekauft werden, um die Verluste zu begrenzen. "In Telekom-Aktien waren zuletzt sehr viele Anleger short und bis deren Deckungskäufe abgewickelt sind, das dauert", sagte ein Händler mit Blick auf die extrem hohen Volumina. Bis zum Nachmittag wurden mit fast 33 Millionen Papieren soviele Telekom-Aktien auf dem elektronischen Handelssystem Xetra umgesetzt wie in den acht nächstumsatzstärksten Werten zusammen.

Die T-Aktie wurde auch von einer Heraufstufung des Papiers durch die Investmentbank Merrill Lynch beflügelt, die ihre Bewertung auf "Neutral" von "Reduzieren/Verkaufen" erhöhte. Aus Sicht der US-Bank könnte die Neubesetzung der Konzernspitze zu einem pragmatischeren Herangehen des Unternehmens an den Abbau der Verschuldung von 67 Milliarden Euro führen. Im Blickpunkt dabei steht dabei nach Ansicht von Merrill Lynch wie von Fondsmanagern die Zukunft des für 35 Milliarden Dollar erworbenen defizitären US-Mobilfunkunternehmen VoiceStream. "Der spannendste Punkt ist vermutlich ein Verkauf von VoiceStream", sagte Deka-Fondsmanager, Victor Moftakhar. Es sei ein Szenario vorstellbar, in dem VoiceStream in einer größeren Einheit aufgeht. Dann könnte die Telekom das Unternehmen dekonsolidieren und Geld sparen.

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