Merrill Lynch und Barclays senken die Gebühren – Kritik an Dumping-Preisen
Anbieter von Indexfonds eröffnen Preiskampf

Während die Anbieter aktiv gemanagter Fonds immer kräftiger zulangen, brechen ihre Konkurrenten bei den börsengehandelten Indexfonds einen Preiskampf vom Zaun. Das freut zwar die Anleger, Experten befürchten jedoch Risiken für die Anbieter. Eine Aldi-Strategie kommt zu früh, sagen sie.

FRANKFURT/M. Immer mehr Anbieter von börsengehandelten Indexfonds ("Exchange Traded Funds", ETF) senken die Gebühren für ihre Produkte. Am Montag hat Barclays Global Investors die Jahresgebühren für acht Produkte auf FTSE-Sektorenindizes von 0,55 auf 0,40 % gedrückt. Zu Monatsbeginn senkte die Bank Merrill Lynch die Sätze für ihre Produkte auf den Stoxx 50 und den Euro-Stoxx-50 von 0,50 auf 0,35 %. Bereits Mitte Juni hatte Axa Investment Managers mit Preisabschlägen bei insgesamt zwölf Fonds einen noch größeren Schnitt gemacht.

Die Anleger beklatschen fallende Fondsgebühren zwar, die Produktanbieter aber schneiden sich ins eigene Fleisch - das sagen zumindest Experten, die dem Start der Gebührensenkungsrunde skeptisch gegenüber stehen. Ihrer Meinung nach verkraften die Anbieter in dieser noch jungen Branche keinen Druck auf die ohnehin geringen Gewinnmargen in diesem Geschäft.

Für Andreas Fehrenbach, Vorstandssprecher der zur Hypo-Vereinsbank gehörenden Investmentgesellschaft Indexchange, wird der Preiskrieg die Jahresgebühren der europäischen ETF deutlich drücken:. Er rechnet mit Gebühren zwischen 0,25 und 0,30 %. Michael Maras, Branchenexperte bei Merrill Lynch in London, erwartet in einigen Jahren Gebühren, die nur noch zwischen 0,20 und 0,25 % liegen.

Für Fehrenbach kommen die Preissenkungen "betriebswirtschaftlich zu früh". Die Volumina der meisten Produkte seien noch viel zu gering. Jan Altmann findet die Aldi-Politik der Anbieter "sehr bedauerlich". Der Vorstand der Frankfurter Fondsberatungsfirma Funds@Work urteilt: "Die Anbieter sollten lieber in Marketing investieren. Das ist bitter nötig, denn bisher kennen nur wenige Anleger die Vorteile von ETF."

Einige der betroffenen Fondsgesellschaften sehen dagegen keine Gefahr. "Die Gebührensenkungen sind eine hervorragende Nachricht für Anleger und sie werden vor allem weitere institutionelle Investoren anziehen", sagt Mark Roberts, Leiter ETF-Produktstrategie bei Barclays Global Investors in London. Die geringeren Einnahmen gehen ihm zufolge nicht zu Lasten der Marketingausgaben seines Hauses. Für Merrill Lynch spiegelt der Gebührenwettbewerb lediglich den Konkurrenzdruck wider. "Der Kampf geht über den Preis", sagt Sylvianna Heinemann vom Verkaufsteam Aktien-Derivate Europa. Laut Fehrenbach wird der erwartete Preiskampf die erwartete Konsolidierung im ETF-Markt beschleunigen: "Von zwölf Anbietern in Europa dürften höchstens acht überleben", sagt er. Maras ist der Meinung, dass deutlich geringere Gebühren und damit auch geringere Einnahmen eine strenge Auslese nach sich ziehen werden. "Wie im ETF-Heimatland USA überleben nur die ganz Großen, andere werden aufgeben", sagt der Merrill-Stratege.

Zu den Überlebenden könnten auch einige der kleineren Anbieter in diesem Geschäft zählen. Das glaubt zumindest Christian Gast, Leiter der internationalen Produktentwicklung bei UBS Gobal Asset Management, einem Späteinsteiger im Bereich börsengehandelter Indexfonds. "In Zukunft dürfte die Größe des Mutterhauses mitentscheidend sein, nicht so sehr der jetzige Marktanteil im ETF-Geschäft", sagt er. Die Begründung des Schweizers: "Die Vertriebskraft im Privatkundengeschäft wird immer wichtiger."

Martin Huber, Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey, erkennt beim Blick auf die Gebührensenkungen den Ernst der Situation. Den ETF-Anbietern blieben ohnehin vielleicht nur 0,02 bis 0,03 Prozentpunkte der Jahresgebühr als Gewinn. Das sei extrem wenig, verglichen mit dem traditionellen Fondssektor. Der aktive Managementansatz mit dem Ziel, eine Börsenmesslatte zu schlagen, dominiere ganz klar das Geschäft. "Bei den aktiv gemanagten Aktienfonds bleiben schätzungsweise 0,20 Prozentpunkte hängen - obwohl auch hier der Trend nach unten zeigt", sagt der McKinsey-Mann.

Wie weit sich die Gebührenschere zwischen Indexfonds und aktiv gemanagten Aktienfonds mittlerweile geöffnet hat, belegen Daten der Londoner Fondsresearch- und Consultingfirma Fitzrovia. Die durchschnittlichen Jahresgebühren ("Total Expense Ratio") für in Deutschland angebotene ETF beträgt nur noch 0,50 %. Davon entfällt der Großteil auf die Managementgebühr, die die Leistung der Investmentgesellschaft abgelten soll. Bei traditionellen, nicht börsengehandelten Indexfonds liegt der Vergleichswert bei 1,11 %.

Für aktiv gemanagte Aktienfonds bezahlen die Anleger im Schnitt sogar satte 1,86 % pro Jahr. In Deutschland steigen die Sätze sogar weiter, weil Vertreiber und Vermittler der Fonds immer höhere Anteile an der Managementgebühr von der Investmentgesellschaft fordern. Aber auch hier sieht McKinsey-Partner Huber für die Anleger Licht am Ende des Tunnels: "Das Gros der Gebührenerhöhungen sollten wir hinter uns haben."

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