Mersch: Keine übertriebenen Erwartungen wecken
EZB über Kursausschläge besorgt

Das starke Auf und Ab an den Finanzmärkten im Zusammenhang mit der hohen Unsicherheit über den Verlauf des Irak-Krieges ist nach Einschätzung des luxemburgischen Notenbankchefs Yves Mersch schädlich für die Wirtschaft.

Reuters PRAG. "Volatilität ist niemals gut für die Realwirtschaft, aber Volatilität spiegelt auch den Grad der Unsicherheit wider", sagte Mersch, der dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) angehört, am Dienstag am Rande einer Notenbankkonferenz in Prag. Sein österreichischer Kollege Klaus Liebscher bekräftigte unterdessen, die EZB sei bereit einzugreifen, wenn es wegen des Krieges an den Finanzmärkten zu Liquiditätsproblemen kommen sollte. Damit bekräftigte Liebscher die Erklärung der EZB von vergangener Woche.

Mersch: Keine übertriebenen Erwartungen wecken

Mersch sagte, der Irak-Krieg verursache starke Kursausschläge und hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten. Mit Kriegsbeginn herrsche zwar etwas mehr Klarheit. "Ein Teil der Unsicherheit ist verschwunden, aber an ihre Stelle ist keine Sicherheit getreten, was den Ausblick für die Konjunktur betrifft." Deshalb sollte "man jetzt keine übertriebenen Erwartungen in die eine oder andere Richtung wecken". Auch EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte am Montag vor überzogenen Erwartungen an die Zentralbank gewarnt und betont, die von der EZB den Märkten signalisierte Handlungsbereitschaft sei nicht als Ankündigung einer Zinssenkung zu verstehen, da die Aussichten für Konjunktur und Preise völlig ungewiss seien.

Die EZB hatte am 6. März den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent gesenkt und entscheidet am 3. April das nächste Mal über die Leitzinsen in der Euro-Zone. An den Finanzmärkten wird mit einer weiteren geldpolitischen Lockerung gerechnet, wenn sich die Aussichten für die Konjunktur noch stärker eintrüben sollten. Issing hatte erst am Montag betont, dass die EZB wegen der ungewissen Dauer und Auswirkungen des Irak-Krieges die Wirtschaftslage derzeit nicht einschätzen könne und damit verdeutlicht, dass die Notenbank die Zinsen vorerst nicht erneut senken wird. Auch nach einigen Wochen seien die Folgen des Krieges für die Konjunktur nicht abzusehen.

Liebscher: Stabilität in unsicheren Zeiten wichtig

Angesichts der hohen Unsicherheit sei Stabilität ein hohes Gut, sagte der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank Liebscher in seiner Rede: "In Zeiten ernster Spannungen ist es äußerst wichtig, dass die politischen Akteure ihre vorrangige Verantwortung nicht aus den Augen verlieren, um die Unsicherheit zu verringern und das Vertrauen zu stärken." Wenn nötig, sei die EZB deshalb bereit zu handeln. Die Finanzmärkte könnten sich bei außergewöhnlichen Umständen wie in der Vergangenheit auf ausreichend Liquidität verlassen. Die EZB hatte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wegen der Unterbrechungen im Börsenhandel den Banken zusätzliches Geld bereitgestellt.

Die Finanzmärkte reagierten mit starken Kursausschlägen auf den Verlauf des Irak-Krieges. Kurz nach Beginn des Militärkonflikts waren Aktienkurse und Dollar in der Hoffnung auf ein schnelles Ende kräftig gestiegen, während der Ölpreis eingebrochen war. Am Montag, als diese Hoffnungen verflogen, kehrte sich die Kursentwicklung jäh um, und auch am Dienstag tendierten die Börsen schwächer.

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