Merz steht zu Rückzug - Wissmann kandidiert als Fraktionsvize
CDU streitet um Posten

Trotz massiver Versuche führender Unions-Politiker, trotz drängender Bitten großer Wirtschaftsverbände - Friedrich Merz bleibt stur: "An meiner Entscheidung, in der neuen Fraktion kein Amt mehr anzunehmen, hat sich nichts verändert", bekräftigte der frühere Chef der Unionsfraktion am Donnerstag am Rande der konstituierenden Sitzung des Bundestages in Berlin.

gof BERLIN. Selbst dem diskreten Drängen von CSU-Chef Edmund Stoiber wenige Tage zuvor gibt Merz nicht nach - demonstrativ nahm der frühere Fraktionschef am Donnerstag im Bundestag in der drittletzten Stuhlreihe neben Parlamentsneulingen und Hinterbänklern Platz.

In der Unionsfraktion rumort es. Merz war nach der verlorenen Wahl im Dissens mit Angela Merkel auseinandergegangen. Die CDU-Vorsitzende hatte ihn nach hartem Ringen von der Fraktionsspitze verdrängt, was einige Unionsleute heute bedauern. Dass Stoiber Merkel dabei letztlich unterstützt und Merz damit alleine gelassen hatte, ist ebenfalls nicht vergessen. "Der Merz schmollt", bedauert ein CDU-Abgeordneter, der den rhetorisch begabten und kompetenten Finanzexperten als Gegengewicht zu Superminister Wolfgang Clement (SPD) vermisst. "Aber ich kann auch verstehen, dass Merz jetzt nicht mehr Stellvertreter von Merkel werden will".

Dieser neu geschnittene Posten als Unions-Fraktionsvize für Wirtschaft und Arbeit ist nach dem Willen Merkels für Matthias Wissmann reserviert. "Ich dränge mich nicht nach einem Amt, aber weiche der Verantwortung nicht aus", sagt der Ex-Bundesverkehrsminister und bisherige wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion.

Niemand spricht Wissmann die Kompetenz ab, aber es gibt dennoch Vorbehalte: Man könne als Opposition schlecht über Schröders Alters-Kabinett reden und gleichzeitig Kohls alte Ministerriege gegen die roten-grünen Bellheims aufbieten. "Der Blick in den Rückspiegel hilft nicht bei der Fahrt nach vorne", heißt es in der Unionsfraktion. Wissmann kennt diese Vorbehalte, fühlt sich mit seinen 53 Jahren aber "nicht angesprochen". Allerdings halten sich hartnäckig Gerüchte, der bisherige Haushaltsexperte Dietrich Austermann (CDU) wolle gegen Wissmann antreten. Der Vizeposten für den Bereich Finanzen ist von der CSU für Gerda Hasselfeldt reserviert - ebenfalls Ex-Ministerin aus der Kohl-Ära.

Quelle: Handelsblatt

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