Merz und Rühe sollen große Rolle spielen – Wahlkampfzentrale in Berlin – Treffen Kanzlerkandidat und Merkel in dieser Woche: Stoiber bindet CDU-Größen ein

Merz und Rühe sollen große Rolle spielen – Wahlkampfzentrale in Berlin – Treffen Kanzlerkandidat und Merkel in dieser Woche
Stoiber bindet CDU-Größen ein

Als entscheidend für eine erfolgreiche Kandidatur Edmund Stoibers wird die Geschlossenheit der Union angesehen. Deshalb geht die CSU in vielen Punkten auf die CDU zu.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Schon in dieser Woche sollen die ersten Entscheidungen über den gemeinsamen Wahlkampf der Union bei einem Treffen zwischen dem Spitzenkandidaten Edmund Stoiber (CSU) und CDU-Parteichefin Angela Merkel fallen. Ein Hauptpunkt des Gesprächs dürfte die Zusammensetzung des sogenannten "Kompetenzteam" Stoibers sein - nicht zu verwechseln mit einem Schattenkabinett, das jedem Genannten schon klar einen Ministerposten zuweist.

Nach Angaben aus CSU-Kreisen soll der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe für Außen- und Sicherheitspolitik zuständig sein, der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Friedrich Merz für Finanzen und Wirtschaft und der Fraktionsvize Horst Seehofer (CSU) für Arbeit, Soziales und Gesundheit. Für die Innenpolitik könnte der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm sprechen, der weniger profiliert ist als sein Pendant in Bayern, Günther Beckstein, aber den Vorteil hat, ein CDU-Parteibuch zu haben.

Was noch fehlt, ist eine prominente Frau im Team; sie soll weichere Themen wie Verbraucherschutz und Umwelt vertreten. Merkel ist außen vor; sie will sich nicht in Stoibers Team einreihen. Das sichert ihr eine größere Eigenständigkeit. Auffällig ist, dass für das Thema Wissenschaft und Bildung von Seiten der CSU noch niemand genannt wird; hier drängt sich allerdings der Name von Jürgen Rüttgers auf. Der ehemalige Zukunftsminister wird von der CSU zwar nicht geliebt, weil er in der Kandidatenfrage auf Seiten Merkels stand, aber er führt den mächtigen CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen. "Rüttgers würde es machen", ist sich ein Insider aus der CDU sicher.

Schnell gelöst werden muss auch die Frage, wer den Wahlkampf managt. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer wird es in München nicht zugetraut. Sein CSU-Pendant Thomas Goppel gilt zwar als fähig, kann der großen Schwesterpartei aber nicht einfach vor die Nase gesetzt werden. "Es muss ein CDU-Mann sein", heißt es in der CSU.

Die unabkömmlichen CDU-Ministerpräsidenten scheiden für den Job wohl aus. Nicht hingegen die vier Merkel-Stellvertreter, von denen die Bayern - wie aus der Berliner Landesgruppe zu hören ist - Rühe klar favorisieren würden; er ist ein Duzfreund Stoibers und organisierte als CDU-Generalsekretär den Wahlkampf 1990. Allerdings ist kaum denkbar, dass er gleichzeitig für einen Politikbereich spricht und den Wahlkampf führt.

Die Wahlkampfzentrale für den Kanzlerkandidaten der Union muss nach Berlin, sind sich Stoibers Berater einig. "Da spielt die Musik", heißt es in München. In Frage für die Wahlkampfzentrale käme, neben einem neutralen Ort, das Konrad-Adenauer-Haus.

Aus der bayerischen Hauptstadt wird, wie ein CDU-Würdenträger meint, "der Geist kommen." Das Münchner Franz-Josef-Strauß-Haus wäre mit einem bundesweiten Kanzlerwahlkampf restlos überfordert. Den 20 bis 25 Politikmachern in der so genannten "Landesleitung" steht schon bei Landtagswahlen das Wasser bis zum Hals. "Und jetzt das Ganze mal sechszehn", stöhnt ein Insider beim Gedanken an eine Wahlkampftour durch alle Bundesländer.

Eine Zentrale in München kommt aus Sicht der Stoiber-Mannen jedoch auch aus einem anderen Grund nicht in Betracht. "Weite Teile der CDU würden sich dann doch zurücklehnen und sagen: Macht ihr mal", fürchten CSU-Strategen Parallelen zur gescheiterten FJS-Kandidatur im Jahr 1980. Stoiber musste damals als Wahlkampfleiter von Strauß erleben, dass sich viele CDU-Landesverbände nur halbherzig engagierten. Deshalb sei die Wahl gegen Helmut Schmidt auch verloren gegangen, glaubte Strauß.

Spätestens am 1. März soll die Wahlkampftruppe die Arbeit aufnehmen. Noch leistet sich jede der beiden Unionsparteien eine eigene Werbeagentur, deren Aktivitäten schnell zusammen gespannt werden müssen.

Klar ist den Verantwortlichen auch, dass sich der bevorstehende Wahlkampf vorwiegend in den Medien abspielen wird und deshalb professionelle "spin doctor" gebraucht werden. CSU-Größen bekennen ganz offen, dass die Partei hier aktuell nicht in der Bundesliga spielt. Den Weggang des als Kommunikationschef zum Bundesverband der Pharmaindustrie gewechselten Parteisprechers Hermann Hofmann hat die CSU bis heute nicht verkraftet.

Den PR-Profis in der Münchner Staatskanzlei sind wegen ihres Beamtenstatus die Hände gebunden: Schon einmal gab es in Bayern einen Untersuchungsausschuss, weil Staatsdiener aus dem Umfeld des damaligen Innenministers Stoiber Parteiarbeit verrichteten.

Auch an Geld fehlt es der Union noch. Gut fünf Millionen Euro kann die CSU bringen, etwa 20 Millionen Euro die CDU, deren Geld möglichst in eine gemeinsame Kasse fließen soll. Die SPD hat deutlich mehr Mittel zur Verfügung.

Die Crew des Unions-Kandidaten rechnet nun fest mit Spenden aus der Wirtschaft: "Manager und Mittelstand haben doch immer nach Stoiber als Schröder-Herausforderer gerufen."

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