Merz verbittet sich Einmischungen
Debatte über Kanzlerkandidaten neu entbrannt

Nur knapp eine Woche nach dem CDU-Parteitag in Dresden ist innerhalb der Union die Debatte um die Kanzlerkandidatur wieder voll entbrannt. Mehrere CDU-Landesvorsitzende sind nach übereinstimmenden Presseberichten vom Wochenende entschlossen, die Vorsitzende Angela Merkel zu einem Verzicht auf die Kandidatur im Herbst 2002 zu Gunsten von CSU-Chef Edmund Stoiber zu bewegen.

afp BERLIN. Im Gegenzug soll sie demnach den Vorsitz der Bundestagsfraktion von Friedrich Merz (CDU) übernehmen. Merkel selbst wies Forderungen nach einem Verzicht auf eine Kandidatur als "unsäglichen Beitrag" zurück. Auch die CSU reagierte mit heftiger Kritik auf den Vorstoß.

Stoiber soll die besseren Chancen haben

Nachdem die CDU auf ihrem Dresdner Parteitag gerade erst Zurückhaltung in der Kanzlerkandidaten-Frage verkündet hatte, wollen nun offenbar mehrere Landeschefs Merkel noch im Dezember in persönlichen Gesprächen überzeugen, Stoiber die Kandidatur zu überlassen. Nach Informationen des "Focus" glauben die Unionsführer Peter Müller aus dem Saarland, Eckhardt Rehberg aus Mecklenburg-Vorpommern, Johann Wadephul aus Schleswig-Holstein und Erwin Teufel aus Baden-Württemberg, dass Stoiber als Kanzlerkandidat die besseren Chancen bei der Bundestagswahl hat. Merkel stellte Müller laut Zeitungsberichten bereits zur Rede. Eine Sprecherin von Müllers Saar-CDU nannte die Berichte "reine Spekulation".

Nach Angaben des "Tagesspiegel" (Samstagausgabe) soll Merkel dem Plan zufolge als Ausgleich für ihren Verzicht den Vorsitz der Bundestagsfraktion von CDU und CSU übernehmen. Merkel bezeichnete dies in der "Welt am Sonntag" als "Unsinn". Ihre Kritiker wies sie mit den Worten zurecht, "wer Sand in das Getriebe der CDU werfen will, leistet einen unsäglichen Beitrag".

Merz verbittet sich Einmischungen

Merz forderte in scharfer Form ein Ende der Debatte um die Kanzlerkandidatur: Diejenigen, die in der CDU nun öffentlich über einen Verzicht von Merkel zu Gunsten des bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber spekulierten, sollten "schlicht das tun, was wir verabredet haben, nämlich den Mund zu halten", sagte der CDU/CSU-Fraktionschef dem "Tagesspiegel am Sonntag". Zugleich verbat er sich Einmischungen in die Angelegenheiten der Fraktion.



Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) warnte dagegen davor, CDU-Politiker, die sich für Stoiber aussprächen, unter Druck zu setzen. Zwar sollte eine erneute Infragestellung des Fahrplans derzeit ausbleiben, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Doch dürfen Überlegungen von Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten, für wen sie sich jeweils als Kanzlerkandidaten aussprechen, nicht dazu führen, dass Befürworter von Stoiber automatisch mit einem Bannstrahl belegt werden."

CSU-Vorstandsmitglied Erwin Huber sagte am Rande einer Präsidiums-Klausur seiner Partei im bayerischen Wildbad Kreuth am Samstag, er sei "felsenfest überzeugt", dass Merkel in ihrer Partei wieder Disziplin herstellen könne. Den mutmaßlichen Merkel-Gegnern warf er vor, das Signal der Aufbruchstimmung des Dresdner Parteitags "kaputt gemacht" zu haben. Parteichef Stoiber betonte, er werde sich nicht an der Debatte beteiligen. Es bleibe beim verabredeten Fahrplan, die Kandidatur erst Anfang nächsten Jahres festzulegen. Nach einem Bericht der "FAS" ist Stoiber allerdings zu einer Kandidatur bereit. Seine Bedingungen seien aber, dass die Führungsgremien der CDU diese geschlossen mittrügen, die CDU die Aufgabe an ihn herantrage und es nicht zu einem Kampf mit Merkel komme, schrieb das Blatt unter Berufung auf Mitglieder der CSU-Spitze.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%