Messe in Bagdad besucht
Westfalen in Rüstungsgeschäft mit Irak verwickelt

Zwei deutsche Geschäftsleute aus Westfalen sollen eine größere Lieferung von Raketenteilen in den Irak geplant haben. Den 49 und 63 Jahre alten Männern sei bewusst gewesen, dass die von irakischer Seite bestellten Elektro-Bauteile auch militärisch genutzt werden können, sagte ein Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft am Montag.

HB/dpa BIELEFELD. Einer der Männer aus dem Raum Steinfurt handele seit längerem in kleinem Stil mit Militärtechnik. Beide sitzen seit Ende Januar in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt wegen versuchten Exports von Rüstungsgütern.

Nach Darstellung der Anklagebehörde waren die beiden Männer im Dezember auf irakische Einladung zu einer Messe nach Bagdad geflogen. Dort hätten sie unter anderem vergeblich über ein vietnamesisches Krankenhaus und argentinisches Rindfleisch verhandelt, sagte der Sprecher. Auf der Messe sei vermutlich auch eine Absprache über den Nachbau der Elektro-Bauteile getroffen worden. Zurück in Deutschland habe einer der beiden wohl auf dem Postweg über die Türkei oder Jordanien vier kleine Bauteile erhalten, darunter ein Kugellager und ein Teil eines Elektromotors.

Zwei der Bauteile seien nach Einschätzung von Experten ausschließlich für militärische Zwecke nutzbar, insbesondere für Leitsysteme von Raketen. Bislang sei jedoch unklar, für welche Art von Raketen die Bauteile gedacht seien, sagte der Sprecher. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" verweist in seiner jüngsten Ausgabe auf die Aussage des Iraks, dass dessen Raketen mit einer unerlaubt großen Reichweite ungefährlich seien, da ihnen das Steuerungssystem fehle. Die Bundesregierung stufe den vorliegenden Fall als außerordentlich heikel ein, schreibt das Magazin.

Der Bielefelder Oberstaatsanwalt Eckhard Baade sagte im WDR, dass die Männer 2000 Spezialkugellager nachbauen lassen wollten. Die beiden Festgenommenen hatten nach seinen Angaben einen Dritten mit der Suche nach geeigneten Firmen beauftragt. Dieser habe sich aber an die Polizei gewandt.

Nach ihrer Festnahme hätten die beiden Männer den Sachverhalt weitgehend eingeräumt, seien aber uneins über die Frage der Verantwortung. Der 49-Jährige, ein Deutscher irakischer Herkunft, habe dem 63-Jährigen, dem Besitzer einer Import-Export Firma für Militärtechnik, die Hauptschuld zugewiesen.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des 63-Jährigen waren Unterlagen gefunden worden, aus denen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft klar hervorgeht, dass der Mann über die militärische Bedeutung der Bauteile informiert gewesen war. "Wir gehen davon aus, dass er genau wusste, was er tat", sagte der Sprecher.

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