Messe Linuxworld in Frankfurt
Linux soll Firmenrechner erobern

Im Hintergrund der Datennetze werden immer mehr Rechner mit dem freien Betriebssystem Linux betrieben. Suse Linux hat jetzt eine Oberfläche für den Einsatz von Linux auf den Computern in Unternehmen entwickelt.

HB FRANKFURT/MÜNCHEN. Die Revolution kommt still und leise durch die Hintertür. Nicht auf der Benutzeroberfläche der PC feiert Linux Erfolge als Konkurrent der mächtigen Microsoft Inc. von Bill Gates, sondern im Bereich der leistungsstarken Netzrechner ist das frei Betriebssystem Linux auf gutem Weg, dem Software-Riesen den Rang abzulaufen. Etwa ein Viertel aller Serverrechner laufen nach Angaben von Marktforschern bereits unter Linux - Tendenz steigend; auf rund 50 % bringt es Microsoft unter den verschiedenen Varianten von Windows.

Anders sieht es auf den Geräten der Endanwender aus, auch wenn die Zahl der Linux-Installation auf PC in den kommenden Jahren durchschnittlich 40 % pro Jahr zulegen wird, wie IDC schätzt. "Der Linux-Anteil an den heute betriebenen PC liegt heute auf jeden Fall im einstelligen Prozentbereich", schätzt Boris Nalbach, der im Vorstand der Nürnberger Suse Linux AG für den Bereich Technologie verantwortlich ist. Mit einem Anteil von rund 85 % dominiert der US-Softwarekonzern Microsoft mit Produkten wie Windows, Word und Excel diesen Markt. "Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern", räumt Nalbach ein.

Trotzdem will der Softwarezwerg mit 400 Mitarbeitern aus Deutschland dem mächtigen Konkurrenten Kunden abjagen: Auf der heute in Frankfurt beginnenden Messe Linuxworld wird Suse eine Software vorstellen, die eine Benutzeroberfläche für Computer in Unternehmen ist. "Eine abgespeckte Version des Beriebssystems Linux, ein Internetbrowser, ein Mailprogramm und Standardbürosoftware; damit lässt sich bereits der Bedarf vieler Unternehmen abdecken", sagt Nalbach. Die meiste Software, die auf den Rechnern von Anwendern in Unternehmen installiert sei, enthalte Funktionen, "die kaum jemand braucht und viel Geld kosten". Deshalb will Suse im Laufe des nächsten Jahres eine weiteres Softwarepaket "Enterprise Client" für den massenhaften Einsatz in Großunternehmen auf den Markt bringen.

Dabei steht die deutsche Suse AG keinesfalls allein da. So hat Microsofts Erzrivale Sun Microsystems im Sommer auf der Linuxworld in San Francisco angekündigt, mit einem Angebot von Linux-PC in Kombination mit einer Linux-Variante der Bürosoftware Staroffice Microsoft Kunden abnehmen zu wollen.

Der Kaufhauskonzern Wal Mart wirbt in den USA mit einen Heimcomputer für 199 $, der mit "Lindows" (einer Art Windows kompatiblem Linux) bestückt ist.

Offensichtlich übt die IT-Industrie - mit Ausnahme von Microsoft - beim Thema der freien Software den Schulterschluss. So sieht eine von der Europäischen Union (EU) finanzierte Studie des Marktforschers Berlecon unter den weltweit 25 wichtigsten Softwareunternehmen neun Unternehmen, die sich die Verbreitung und Weiterentwicklung von Linux auf die Fahnen geschrieben haben, darunter Schwergewichte wie IBM, Hewlett Packard, Hitachi und Sun.

Allein IBM hat weltweit 1400 Entwickler an das Thema Linux gesetzt und bietet einen Kunden Linux-Produkte auf allen seinen Server-Plattformen - von den Großrechnern bis zu den PC-Servern, die sonst unter Windows laufen. "Wir werden auch weiterhin stark in Linux investieren", sagt Adam Jollans, der weltweit die Strategie für das Linux-Marketing bei IBM leitet. Die Kalkulation: Nicht Lizenzeinnahmen für das Betriebssystem, sondern Software und Dienstleistungen sollen für Umsatz sorgen. Der Bereich professioneller Anwendungen von Linux in Unternehmen hat sich laut Jollans enorm weiterentwickelt. "Während vor zwei Jahren Linux noch eine Sache der Experten in IT-Abteilungen war, um gezielte Bereiche wie Webserver zu betreiben, sind heute Datenbanken oder SAP unter Linux möglich", sagt Jollans. Das Interesse der Unternehmen, aber auch der öffentlichen Hand steige weltweit. Vor allen Dingen in China und Südasien steige die Verbreitung rasant.

In Deutschland scheint sich neben Bundes - und Landesbehörden vor allen Dingen die Banken- und Finanzbranche für das Thema Linux zu interessieren. Nach der Debeka-Versicherung wird die Stuttgarter Versicherungen Linux auch auf den Computern der Mitarbeiter installieren lassen.

Quelle: Handelsblatt

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