Messestände wachsen nicht mehr in den Himmel: IT-Branche hofft auf „Impulsgeber CeBIT“

Messestände wachsen nicht mehr in den Himmel
IT-Branche hofft auf „Impulsgeber CeBIT“

In der deutschen IT-Branche wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel - sie wachsen fast gar nicht mehr. In diesem Jahr geht der Verband Bitkom von einem kaum spürbaren Umsatzplus von 0,4 Prozent auf 136,5 Milliarden Euro aus. Schon 2002 hatte die erfolgsverwöhnte Industrie anders als erwartet den Rückwärtsgang eingelegt.

HB/dpa HANNOVER. "Spätestens 2004 geht es wieder nach oben", prophezeit zwar Bitkom-Vizepräsident Willi Berchtold. "Aber auch da gehen wir eher von einem bescheidenen einstelligen Wachstum aus", schränkt er ein.

Ein Hoffnungsträger ist und bleibt für Berchtold die weltgrößte IT-Messe CeBIT (12. bis 19. März) in Hannover: "Die CeBIT ist immer ein einzigartiger Impulsgeber für Innovationen und Investitionen", sagte Berchtold. "Und die Branche hat diesen Impulsgeber für Investitionen noch nie so dringend gebraucht wie 2003." Tatsächlich wird die Entwicklung des deutschen IT-Markts inzwischen von ausländischen Fachleuten fast ungläubig beobachtet.

"Für uns besteht derzeit die größte Chance darin, den Marktanteil in Deutschland zu steigern - in einem stagnierenden Markt für Informationstechnologie." Für neue Investitionen sei das Land "weniger und weniger wettbewerbsfähig". Dieses Urteil fällt Carly Fiorina, Vorstandschefin des US-Computerriesen Hewlett-Packard (HP). Zwar rechnet auch sie mit einem auf Dauer abgeschwächten Plus der Branche. "Wir werden niemals mehr zu den Wachstumsraten von 20, 30 oder 40 Prozent zurückkehren." Doch will sie in ihrem Unternehmen um sieben bis neun Prozent jährlich zulegen.

Davon sind die meisten deutschen IT-Unternehmen weit entfernt, gerade mal 8,2 Prozent von ihnen gehen laut Bitkom-Branchenbarometer in diesem Jahr von einem mehr als zehnprozentigen Plus aus. Berchtold verweist auf Lichtblicke: "Wir haben im Jahr 2002 mit Internet- und Onlinediensten in Deutschland 6,4 Milliarden Euro umgesetzt und erwarten 2003 mehr als 7,4 Milliarden Euro. Das entspricht dem gesamten Volumen der Unterhaltungselektronik." Mit dem Start des UMTS-Angebots Ende 2003 werde Bewegung in den Markt kommen. Die Investitionen in der Telekommunikation zögen ohnehin wieder an.

Doch auch am Hoffnungsträger CeBIT wird die schwache Konjunktur nicht spurlos vorüber gehen. Der für die Computerschau zuständige Vorstand der Deutschen Messe AG, Ernst Raue, geht von rund 6500 Ausstellern aus. 2002 waren es noch knapp 8000. Raue gewinnt dem auch positive Aspekte ab: "So gibt es etwas Luft, wir können entzerren und klarere Strukturen schaffen." Schwache Konjunktur und vor allem die Irak-Krise lassen auch die Erwartungen an den Besucherzuspruch sehr vorsichtig ausfallen. Er gehe von mehr als 600 000 aus, sagt Raue. 2002 waren es mit 674 000 erstmals seit sechs Jahren wieder deutlich weniger als 700 000 Gäste.

Doch der Messe-Manager hat wenigstens keine Absagen großer Unternehmen der Branche zu beklagen. "Im Gegenteil. Wir hatten eine Absage von Intel, aber die haben sich inzwischen doch wieder angemeldet." Allerdings backe selbst mancher Riese dieses Mal auf der CeBIT kleinere Brötchen, fahre deutlich kleinere Präsentationen auf. Auch IT-Messestände wachsen eben nicht mehr in den Himmel.

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