Messier wollte bei Vivendi Universal keinen Verlustausweisen - Bilanz-Richtlinien missachtet
Vivendi soll Wirtschaftsprüfer massiv bedrängt haben

Das berichtet die Pariser Tageszeitung "Le Monde" in ihrer Mittwochsausgabe. Seit Messiers Rücktritt Anfang Juli ermittelt die Pariser Börsenaufsicht Commission des Opérations de Bourse (COB) gegen Vivendi wegen irreführender Finanzinformation.

cn PARIS. Zwar kommentierten weder Vivendi noch die COB die Anschuldigungen, doch mit den Vorwürfen droht nun auch Frankreich ein großer Wirtschaftsprüferskandal.

Anfang 2002 geriet die Vivendi-Führung in Streit mit der Pariser Wirtschaftsprüferkanzlei Salustro Reydel über die Verbuchung des 23%-Anteils am britischen Satelliten-TV-Sender BSkyB. Im November 2001 hatte die EU-Kommission im Zusammenhang mit der Fusion von Seagram und Canal Plus verlangt, dass Vivendi BSkyB verkauft. Weil Messier keinen Käufer fand, gab er die Anteile gegen einen Kredit von 4 Mrd. Euro an die Deutsche Bank und Goldman Sachs weiter.

Die Wirtschaftsprüfer von Andersen, die gemeinsam mit Salustro Reydel den Jahresabschluss von Vivendi testierten, rieten Messier, die BSkyB-Schulden aus der Bilanz für 2001 herauszuhalten. Die US-Börsenaufsicht SEC habe diese Praxis bereits mehrfach genehmigt.

Salustro-Reydel-Prüfer Xavier Paper bestand jedoch darauf, die strengeren französischen Regeln anzuwenden: Demnach gehörten die neuen Schulden in die Bilanz. Am 21. Februar informierte Paper die COB: Die französische Börsenaufsicht gab ihm Recht. Gegen ihr Votum ist kein Einspruch möglich. Das Mediengeschäft, Messiers ganzer Stolz, rutschte ins Minus: Vivendi-Universal (VU) wies 2001 einen Verlust von 13,6 Mrd. Euro aus.

Am 1. März schrieb Dominique Gibert, der stellvertretende Finanzchef von VU, an Bernard Cattenoz, Partner bei Salustro Reydel: "Es macht mich wütend zu erfahren, dass Xavier Paper sich an die COB gewandt hat." Zwei Stunden später verschärft VU-Finanzchef Guillaume Hannezo den Ton: "In der Kanzlei Salustro gibt es ein echtes Problem und ich hoffe, dass dies so schnell wie möglich auf die eine oder andere Weise gelöst wird." Und Messier klagt: "Ich bin außerordentlich schockiert, das alles zu erfahren und zweifele ernsthaft am Professionalismus der Kanzlei Salustro."

Zwei Tage später gibt die Kanzlei klein bei. "Wir bedauern die Vorfälle", schriebt Salustro-Chef Jean-Claude Reydel an Messier und Hannezo. Nach der darauf folgenden Entlassung von Papier intervenierte Börsenaufsichtschef Michel Prada und drohte Reydel mit Sanktionen. Vier Tage nach seiner Entlassung wurde Prüfer Paper wieder eingestellt.

Untermauert wird der Vorwurf, die Kanzlei habe sich dem Willen Messiers unterworfen, von einer Wirtschaftsprüferin, die Ende Mai 2002 von Salustro Reydel entlassen wurde. Die Prüferin sei nie mit Vivendi befasst gewesen, erklärte die Kanzlei. Sie kündigte eine Anzeige wegen Verletzung von Geschäftsgeheimnissen an.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%