Archiv
Metall-Tarifparteien einigen sich auf Versorgungswerk

Die Industriegewerkschaft Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall haben sich auf die Einrichtung eines gemeinsamen Versorgungswerks zur betrieblichen Altersvorsorge für die 3,5 Mill. Beschäftigten der Branche verständigt.

Reuters FRANKFURT. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagten nach sechseinhalbstündigen Gesprächen am Freitag in Frankfurt, sie hätten sich auf Grundzüge eines überbetrieblichen Versorgungswerks verständigt. Dabei sollten vorhandene betriebliche Einrichtungen weiter genutzt werden können. Die Einzelheiten solle eine Arbeitsgruppe bis zur nächsten Spitzenrunde am 3. September ausarbeiten. Kannegiesser sagte, die Beschäftigten sollten einen Anspruch auf die Umwandlung von Einkommensbestandteilen erhalten, die in das Versorgungswerk eingezahlt werden könnten. Die Details solle ein Tarifvertrag regeln. Erste Gespräche darüber sind im Bezirk Baden-Württemberg geplant, in dem ein Abschluss Modellcharakter für die gesamte Metall- und Elektrobranche hätte.

Zwickel sagte: "Wir stehen am Beginn eines langfristigen Gestaltungsprozesses." Der Einstieg in die betriebliche Zusatzrente werde auch tarifpolitisch interessante Perspektiven eröffnen. Nach den Vorstellungen der IG Metall soll die zusätzliche staatlich geförderte Rente zunächst aus Geld gespeist werden, das die Beschäftigten bislang als vermögenswirksame Leistungen erhalten. Künftig sollen die Arbeitnehmer dann Teile ihres Einkommens in Beiträge für die ergänzende Altersvorsorge einzahlen. Metallarbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich auf ein Stufenmodell, bei dem bestehende betriebliche Versorgungseinrichtungen weiter genutzt werden können. In Betrieben, in denen es solche Systeme nicht gibt, sollen Regelungen auf Basis einer Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung geschlossen werden können. Falls keine dieser Möglichkeiten in Frage komme, müsse den Arbeitnehmern ein Angebot durch das gemeinsame Versorgungswerk gemacht werden, sagte Kannegiesser.

Sowohl Zwickel als auch Kannegiesser vermieden es, vor der Presse von einem Pensionsfonds zu sprechen. Allerdings ist bekannt, dass beide Seiten das Modell eines erstmals seit der Rentenreform in Deutschland möglichen Pensionsfonds bevorzugen. Ziel solle eine Versorgungseinrichtung sein, in die Beschäftigte nach den Regeln der staatlich geförderten Zusatzrente einzahlen könnten, hieß es. Kannegiesser machte zudem deutlich, dass das Versorgungswerk die Altersvorsorgegelder der Metaller nicht selber anlegen, sondern damit einen Finanzdienstleister beauftragen soll. Das Versorgungswerk werde aber Leitlinien für die Anlage der Gelder aufstellen. Die Gewerkschaft pocht darauf, dass die Altersvorsorgegelder der Beschäftigten nicht in Projekten eingesetzt werden dürfen, in denen etwa Kinder zur Arbeit eingesetzt werden, oder die die Umwelt gefährden.

Kannegiesser hob auch die grundsätzliche Bedeutung einer Einigung hervor: Wenn es nicht gelinge, die private Altersvorsorge über die Betriebe in die Breite zu tragen, werde das gesamte Vorhaben einer privaten Zusatzvorsorge nicht gelingen.

IG-Metall-Chefstratege Klaus Lang sagte am Rande der Gespräche, an dem Ziel einer endgültigen Vereinbarung bis Oktober werde festgehalten. Vorher würde ein Abschluss auch keinen Sinn machen, weil die Bundesregierung noch den Kriterienkatalog für die so genannte Riester-Rente vorlegen müsse. Die IG Metall strebt einen Abschluss der Gespräche noch in diesem Jahr an, damit die im nächsten Frühjahr anstehende Tarifrunde von dem Reizthema unbelastet bleibt.

Die Tarifparteien der Chemieindustrie hatten sich Mitte der Woche auf einen Pensionsfonds für die gut 600 000 Beschäftigten der Branche verständigt, der bis zum Jahresende eingerichtet werden soll. Im Baugewerbe gilt seit dem 1. Juni ein Altersvorsorgetarifvertrag, der den Kriterien der Rentenreform bereits entspricht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%