Metall- und Minenwerte unterbewertet
Rohstoffwerte – Gewinner eines Aufschwungs

Trotz einer ersten Erholung ist ein durchgreifender Preisanstieg bei den industriellen Metallen noch nicht in Sicht. Dennoch raten Analysten mit Blick auf die anstehende Konjunkturerholung im kommenden Jahr den Anlegern schon jetzt, in die Aktien der großen Produzenten zu investieren.

DÜSSELDORF. Sie gelten als konjunkturabhängiges Investment schlechthin - die Rede ist von den Aktien der großen Metallproduzenten. Angesichts des weltweiten Wirtschaftsabschwungs in den vergangenen Monaten waren zyklische Engagements nicht besonders gefragt bei den Anlegern. Doch seit die Investoren fieberhaft nach Indikatoren für die weitere Konjunkturentwicklung suchen, geraten die Industrierohstoffe, allen voran die NE-Metalle (Nicht-Eisen-Metalle) und ihre Produzenten, verstärkt in den Fokus der Marktteilnehmer.

Dabei ist das Bild, dass die Metallmärkte derzeit bieten, unklar. Zwar haben sich die Preise vieler Metalle wie Kupfer oder Aluminium von ihren Tiefständen Anfang Oktober erholt. Doch es gibt "noch keine generelle Erholung", sagt Klaus Matthies vom HWWA, Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv.

Die jüngsten Preiserholung führt der Experte auf spezielle Faktoren wie beispielsweise geplante Produktionskürzungen bei Kupfer zurück. Mit einer grundlegenden Erholung der Notierungen sei dennoch "erst im späteren Verlauf des nächsten Jahres" zu rechnen, so Matthies. Die Verzögerung des erhofften Preisaufschwungs, der ursprünglich bereits für dieses Jahr erwartet worden war, hänge mit den verschobenen Konjunkturaussichten zusammen. Üblicherweise ziehen die Rohstoffnotierungen im Einklang mit der Industrieproduktion an.

Davon profitieren unmittelbar auch die Aktien der Metall produzierenden Branche - Minenbetreiber und Schmelzbetriebe. Denn die höheren Rohstoffpreise schlagen sich in der Regel auch in steigenden Erträgen und Gewinne nieder.

Gedämpft optimistisch für einzelne Werte sind in der derzeitigen Lage die Analysten von Merrill Lynch. Es gebe "ermutigende Anzeichen" für einen Anstieg der Notierungen, heißt es in einer Studie. Die derzeitige "Bodenbildung" bei den Metallpreisen werten die Experten als Folge selbst verursachter Kapazitätsprobleme in der Minenindustrie. Insgesamt rechnet Merrill Lynch für das kommende Jahr mit einem mäßigen Preisanstieg um durchschnittlich 5 % bis 10 %.

Im europäischen Metall- und Minensektor empfehlen die Investment-Experten drei Werte, wobei sie sich ausdrücklich auf die Aktien großer Konzerne beschränken ("large caps only"). Inzwischen "stark unterbewertet" sei die Aktie von Anglo American. Der größte Edelmetallkonzern der Welt hat am Freitag bekannt gegeben, dass er seine Beteiligung an der Platingesellschaft Angloplat auf nun 66,75 (zuvor 64,8) % erhöht hat. Die von Merrill "bevorzugte weltweit diversifizierte Minengesellschaft" BHP Billiton wird ebenfalls zum Kauf empfohlen. Auch die Credit Suisse First Boston (CSFB) bewertet diese Aktie mit outperform (besser als der Markt). Verwiesen wird hierzu auf die jüngste Ankündigung, die Kupferproduktion in Chile (Escondida) und Peru (Tintaya) weiter zu drosseln.

Zudem rät Merrill Lynch zu Pechiney, einem Wert den auch Goldman Sachs (GS) auf outperform setzt. Nach Einschätzung der Analysten der US-Investmentbank bietet die jüngste Kursschwäche eine "attraktive Möglichkeit, die Aktie zu kaufen". Zu den "top picks" im Metall- und Minensektor zählt GS außerdem die Stahlwerte Acerinox und Corus sowie Rio Tinto. Letztere würden überdurchschnittlich von einem starken Wachstum der Nachfrage in China profitieren. Insgesamt haben die Goldman-Sachs-Analysten eine gewisse Stagnation im Minensektor ausgemacht. So habe die starke Konsolidierung innerhalb der letzten fünf Jahre überraschenderweise noch zu keiner signifikanten Höherbewertung des Sektors geführt.

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