Metallplatten enthalten Namen von mehr als 2000 Opfern
Vergessene Zwangsarbeiter-Kartei in Werksbunker in Berlin entdeckt

dpa BERLIN. Eine vergessene Zwangsarbeiter-Kartei ist in einem früheren Bunker des ehemaligen Elektrowerks Lorenz in Berlin- Tempelhof entdeckt worden. Die aus Metallplatten bestehende Kartei enthalte mehr als 2 000 Namen von ehemaligen Zwangsarbeitern der Firma, sagte der Vorsitzende des Vereins "Berliner Unterwelten", Dietmar Arnold, am Montag. Er bestätigte damit einen Bericht der "Leipziger Volkszeitung". Der Verein hatte die Tonnen schwere Kartei entdeckt.

Der Finder Reiner Janick, der seit Jahren in dem Verein engagiert ist, sagte der dpa am Montagabend, er habe inzwischen Kontakt zur Alcatel SEL AG (Stuttgart) aufgenommen, die sehr interessiert an der Kartei sein. Alsthom-Alcatel war 1987 bei der SEL (Standard Elektrik Lorenz AG) eingestiegen, die 1958 aus der Standard Elektrik AG (SEG) und der C. Lorenz AG entstanden war.

Janick sagte, er habe die Kartei vor einigen Monaten beim Erforschen des seit mehr als 50 Jahren verschlossenen Schutzraums gefunden. Die Metallplatten seien bereits von einem Historiker wissenschaftlich ausgewertet worden, bevor er mit dem Fund an die Öffentlichkeit gegangen sei. Er habe damit vermeiden wollen, dass die historisch wichtigen Dokumente möglicherweise verschwinden könnten.

Nach Angaben Arnolds kommt ein Großteil der Zwangsarbeiter aus Westeuropa, einige seien aber auch aus Osteuropa. Nach Angaben der "Leipziger Volkszeitung" stammen die meisten aus Belgien und Frankreich, aber auch aus der Ukraine, Weißrussland, Russland oder Polen. Janick sagte, die Platten würden dem Landesarchiv zur Verfügung gestellt. Einzelheiten zu dem Fund will der Verein bei einer Pressekonferenz an diesem Mittwoch bekannt geben.

Arnold sagte, es sei bereits klar, dass die Kartei als Nachweis für erlittene Zwangsarbeit geeignet sei. Volker Beck, rechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen sieht laut dem Zeitungsbericht die gefundenen Karteikarten ebenfalls als geeigneten Nachweis. Das Kuratorium der Stiftung für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern tritt am Donnerstag erstmals in Berlin zusammen.

Der Verein "Berliner Unterwelten" hat sich in der Hauptstadt in den vergangenen Jahren einen Namen mit seinen Recherchen zu Bunkeranlagen gemacht. Mitglieder untersuchten auch die unterirdischen Hinterlassenschaften der Nationalsozialisten und Schutzräume für die Bevölkerung.

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