Metro-Chef dämpft Euphorie
Indiens wunde Punkte

Der Chef des Einzelhandelskonzerns Metro, Hans-Joachim Körber, hat die aufkommende Euphorie über Indien als künftigen Wirtschaftsgiganten gedämpft. Er sieht im Gespräch mit dem Handelsblatt ein anderes Land vorne. Nichtsdestotrotz strotzen die Inder auf dem Weltwirtschaftsforum vor Selbstbewusstsein.

HB DAVOS. Die Regierung in Neu-Delhi habe zwar bei ihren Bemühungen, das Land zu erneuern, Fortschritte erzielt, nach wie vor gebe es aber große Probleme mit der Bürokratie und der Infrastruktur, sagte Körber dem Handelsblatt. Einige Flughäfen seien kaum funktionsfähig, Straßen und Hotels schlecht.

Die Wirtschaftsdynamik Indiens und Chinas steht im Mittelpunkt beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos. Nach einer dort veröffentlichten Umfrage will die Mehrheit der internationalen Top-Manager ihre Investitionen in beiden Ländern verstärken. Im direkten Vergleich gibt Körber China die besseren Noten: "Die Entwicklungsgeschwindigkeit liegt gegenwärtig immer noch höher als in Indien." Peking habe seine Märkte früher geöffnet und die internationalen Handelskonzerne schon Mitte der 90er-Jahre ins Land gelassen. In Indien dauerten Reformen auch wegen der föderalen Strukturen im Lande wesentlich länger. Gleichwohl wolle die Metro "in beiden Ländern richtig Gas geben". Schließlich gebe es dort die Möglichkeit, "in kürzester Zeit große Marktanteile zu gewinnen".

Lesen Sie das komplette Interview mit Metro-Chef Körber: "China entwickelt sich schneller"

Im Gegenzug suchen auch indische Firmen mittlerweile ihre Chancen auf ausländischen Märkten. So kündigte der Vorstandschef von Infosys, Indiens zweitgrößtem Softwaredienstleister, weitere strategische Übernahmen an. "Uns geht es weniger darum, Umsatz zuzukaufen. Wir wollen Kenntnisse und Fähigkeiten gewinnen oder geographische Marktlücken füllen", sagte Nandan Nilekani gestern in Davos. Infosys hat kürzlich erst zwei Software-Unternehmen in Australien und den USA übernommen.

Auf dem Weltwirtschaftsforum zeigt sich deutlich das gestiegene Selbstbewusstsein der indischen Wirtschaft. Eine Delegation mit rund 80 Mitgliedern, darunter mehrere Minister, soll den anwesenden Führern der Weltwirtschaft von den Perspektiven Indiens berichten. "Wir haben die Freiheit, groß zu denken", beschreibt es Anand G. Mahindra, Vice-President des Mischkonzerns Mahindra & Mahindra.

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