Mette-Marit zog sich Verbrennungen zu
Kronprinz startet Deutschland-Besuch allein

Der norwegische Kronprinz Haakon hat ohne die erkrankte Prinzessin Mette-Marit seinen ersten offiziellen Deutschland-Besuch begonnen. Die Prinzessin hatte wegen Verbrennungen ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt.

dpa MÜNCHEN. Der königliche Gast aus dem hohen Norden landete am frühen Abend aus Oslo kommend mit einer Linienmaschine der Lufthansa auf dem Münchner Flughafen, wo ihn eine Ehrengarde der Bayerischen Polizei empfing.

In einer Wagenkolonne wurde der 28-jährige Thronfolger anschließend von der Polizei zu einem Hotel in der Innenstadt eskortiert. Prinzessin Mette-Marit hatte wegen Verbrennungen im Gesicht und an den Augen ihre Teilnahme nur wenige Stunden vor dem Abflug abgesagt.

Haakon ist für fünf Tage in die Bundesrepublik gekommen. Nach München will er bis Donnerstag noch Düsseldorf, Bonn, Köln und Hamburg besuchen. Im Vordergrund der Reise steht die Förderung der norwegischen Wirtschaft. Nach Angaben der norwegischen Botschaft in Berlin war der Kronprinz zuvor lediglich einmal vor seiner Verlobung zu einem Bildungsurlaub in Deutschland.

Der Hof in Oslo begründete die Entscheidung zur Absage von Mette- Marit am Sonntag mit der einhelligen Auffassung führender norwegischer Ärzte, die ihr von der Reise abgeraten hätten. Die Prinzessin hatte am Mittwoch zusammen mit dem Kronprinzen der n-tv- Moderatorin Sandra Maischberger in Oslo ein Interview gegeben und war dabei starkem Scheinwerfer- und Sonnenlicht ausgesetzt.

Mette-Marit sei wegen der Absage stark betroffen, sagte Hofsprecherin Wenche Rasch. "Sie ist furchtbar traurig und bedauert zutiefst, dass das alles passiert ist." In einer Mitteilung der Ärzte hieß es, die Kronprinzessin dürfe sich wegen ihrer Verletzungen keinem ultravioletten Licht aussetzen. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass die 28-Jährige im Laufe der Woche noch nach Deutschland reisen könne, um wenigstens einen Teil des Programms zu absolvieren. Mette-Marit leidet außerdem noch an den Folgen eines Skiunfalls und hätte bei ihrem Besuch wahrscheinlich an Krücken gehen müssen.

Neben den Verbrennungen ersten und zweiten Grades erlitt Mette- Marit bei dem Interview auch leichte Schäden auf der Hornhaut beider Augen, die dieselben Symptome wie Schneeblindheit auslösten und ihre Sehkraft beeinträchtigten. Die Ärzte stuften die bei der Prinzessin aufgetretenen schmerzhaften Verletzungen als sehr selten ein. Sie seien in dieser Form in den vergangenen 20 Jahren in Oslo nur zwei Mal festgestellt worden. Auch der Kronprinz müsse in den kommenden Tagen starkes Licht im Freien so weit wie möglich meiden.

Die Hofsprecherin hatte erklärt, vermutlich hätten die grellen Scheinwerfer des deutschen Fernseh-Teams zusammen mit dem von einem Schirm nochmals verstärkten Sonnenlicht die Verbrennungen ausgelöst. Ein n-tv Sprecher sagte am Sonntag in Berlin, es könne definitiv ausgeschlossen werden, dass die Verbrennungen von den Scheinwerfern herrührten. Die Geräte seien eingehend überprüft worden.

"Es tut mir schrecklich Leid, ich bin ganz entsetzt, dass das passiert ist", sagte Maischberger der "Bild am Sonntag". Sie habe das Paar noch gefragt, ob das Interview nicht lieber in der Residenz stattfinden solle. "Doch die beiden meinten, die frühlingshafte Atmosphäre im Garten sei ein viel schönerer Hintergrund."

Laut offiziellem Programm wird sich Haakon am Montagmorgen eine Flugvorführung bei dem Rüstungs- und Raumfahrtkonzerns EADS ansehen. Für Montagabend haben Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und seine Frau Karin zum Bankett in die Münchner Residenz geladen.

Mette-Marit und Haakon wollen im Herbst für ein Jahr nach London ziehen, um dort zu studieren. Sie werde aber nicht ihr Anthropologie- Studium fortsetzen, sondern "in die gleiche Richtung gehen" wie ihr Mann und Politik und Entwicklungshilfe studieren, sagte die Prinzessin der "Süddeutschen Zeitung". Für sie sei ein Leben als Prinzessin kein Kindheitstraum gewesen. Stattdessen habe sie als Zehnjährige davon geträumt, Pilotin zu werden. "Doch Prinzessin zu sein, ist eine härtere Arbeit als sich mancher vorstellt."

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