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Metzler-Mörder klagt Polizei an

Der Entführer und Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler hat seine Foltervorwürfe gegen die Frankfurter Polizei vor Gericht bekräftigt und in Details verschärft.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der Entführer und Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler hat seine Foltervorwürfe gegen die Frankfurter Polizei vor Gericht bekräftigt und in Details verschärft.

Er sei von einem Beamten mit nie gekannten Schmerzen und der Vergewaltigung durch Mitgefangene bedroht worden, sagte der 29 Jahre alte Student Magnus Gäfgen am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht. Dort müssen sich seit einer Woche der frühere Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner und der von ihm beauftragte Vernehmungsbeamte wegen schwerer Nötigung beziehungsweise Verleitung dazu verantworten. Ihre Verteidiger versuchten, die Glaubwürdigkeit des zu lebenslanger Haft verurteilten Zeugen Gäfgen zu erschüttern.

"Ich hatte dermaßen Angst, dass ich gesagt habe, wo die Leiche ist und es auch auf der Karte gezeigt", schilderte der Student seine Verfassung nach der Drohung am vierten Tag der Entführung des elfjährigen Jakob. Der Schüler war zu diesem Zeitpunkt längst tot, was der Polizei aber nicht sicher bekannt war.

Der Polizist habe in dem Vieraugengespräch am Morgen des 1. Oktober 2002 einen Spezialisten angekündigt, der ihm ungeahnte Schmerzen zufügen könne, ohne Spuren zu hinterlassen, berichtete Gäfgen. Dieser Mann, der aussehe wie ein harmloser Familienvater, sei bereits in einem Hubschrauber ins Polizeipräsidium unterwegs. Dazu habe er akustisch und mit Gesten immer wieder das Schlagen der Rotorblätter nachgemacht und zum Fenster mit den Worten hinausgeschaut: "Hörst du ihn schon? Er kommt gleich."

Hinterher werde keiner Gäfgen glauben, habe der Vernehmungsbeamte gesagt. "Kindermördern glaubt man nicht.(...) Wir können alles mit dir machen." Der damals gefesselte Gäfgen berichtete dem Gericht erstmals von einer Anspielung des Beamten, dass bei einem Flug im Hubschrauber auch viel passieren könne. Er habe sich daher später geweigert, gemeinsam mit dem Mann zum Leichenversteck an einem See in Osthessen zu fliegen.

Auf Fragen der Anwälte der angeklagten Polizisten musste Gäfgen einräumen, dass er die angeblichen Drohungen im Detail erst mehr als drei Monate nach dem Verhör jemandem erzählt habe. Dazwischen lagen etliche Vernehmungen und Gespräche mit seinem Anwalt und dem psychiatrischen Gutachter. Der Anwalt Lutz Simon zählte eine Vielzahl von Lügen auf, die Gäfgen der Polizei und auch dem Landgericht in dem Prozess gegen ihn selber aufgetischt hatte.

Der 61 Jahre alte Daschner hatte zum Prozessauftakt zugegeben, dem Beamten befohlen zu haben, Gäfgen mit "unmittelbarem Zwang" zu drohen. Ziel sei ausschließlich die Rettung des Kindes gewesen. Der 51 Jahre alte Vernehmungsbeamte will die Gewaltanwendung in dem Verhör nur als eine Möglichkeit erwähnt haben, die im Führungsstab diskutiert werde. Er habe Gäfgen zum Reden gebracht, weil er ihm die Leiden des Kindes veranschaulicht habe.

Nach der Aussage Gäfgens schilderte ein Polizist, wie der angeklagte Beamte von einem Geheimauftrag gesprochen habe, bevor er zu der umstrittenen Vernehmung gegangen sei. Dabei sei von einem Wahrheitsserum und der Androhung von Gewalt die Rede gewesen. "Ich war völlig perplex." Der Prozess soll am kommenden Donnerstag mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden, unter ihnen der Polizeipsychologe, der von einer Bedrohung Gäfgens abgeraten und alternative Ermittlungsstrategien angeregt hatte.

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