Mexiko und Chile hoffen auf steigende Kurse
Keine Besserung an Lateinamerikas Börsen in Sicht

Die überraschenden Kredithilfen für Uruguay und Brasilien durch die USA und den Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Aussichten für die Börsen in Südamerika bisher nicht verbessert. Vor allem in Brasilien ist das deutlich zu spüren: Der Bovespa-Index verlor im August rund 4 %. Dadurch hält sich der Index mit einem Verlust von 31 % in diesem Jahr deutlich unter der 10 000 Punktegrenze.

SAO PAULO/MEXIKO-STADT. In den noch rund zwei Monaten, bis das Wahlergebnis in Brasilien fest steht, rechnen die Analysten von Goldman Sachs oder UBS Warburg nicht mit einer grundlegenden Erholung - es sei denn der völlig abgeschlagene Regierungskandidat würde seine Umfrageergebnisse in den nächsten Wochen stark verbessern. Mit Empfehlungen für die brasilianische Börse halten sich Investmentbanken zurück. Denn auch wenn sich die politische Instabilität nach dem Wahltermin reduziert, bleibt der Kredithahn für brasilianische Unternehmen in Ausland noch länger verschlossen. Selbst Blue Chips, wie der Energie- und Chemiekonzern Petrobrás, oder der Eisenexporteur Vale do Rio Doce (CVRD) haben Schwierigkeiten sich im Ausland zu refinanzieren.

Dennoch sind Exportunternehmen wie CVRD oder der Aracruz Celulose von den Kursstürzen verschont geblieben. Bear Stears empfiehlt derzeit etwa den Flugzeug-bauer Embraer. Die Deutsche Bank in New York hat Brasilien seit August zwar untergewichtet, hält wegen der niedrigen Kurse aber Eletrobrás und Telemar.

Trübe ist die Situation in Argentinien: Die Regierung hofft, nach den Krediten an die beiden Nachbarländer, die eigenen, im September fälligen Verbindlichkeiten gegenüber dem IWF gestundet zu bekommt. Doch die ausgearbeitete Absichtserklärung wurde von dessen Vertretern als "unrealistisch" kritisiert.

Merrill Lynch empfiehlt wegen der niedrigen Kurse praktisch alle Papiere zum Kauf

Chile dagegen profitiert davon, dass es bisher von der Krise in Südamerika weitgehend verschont wurde: Der IPSA-Index erholte sich in den letzten Wochen etwas, obwohl auch in Santiago in Jahresfrist ein Verlust von mehr als 10 % entstanden ist. Positiv wirkt, dass die Zentralbank erneut die Zinsen gesenkt hat, um den schwachen Außenhandel durch eine stärkere lokale Nachfrage teilweise zu kompensieren. Die Aussichten auf eine schnelle Einigung mit den USA auf eine Freihandelszone gibt dem exportstarken Land neue Hoffnung, von der Krise auf dem Kontinent verschont zu werden.

Auch in Mexiko haben sich die Aussichten gebessert: Nach dem die Aktien der mexikanischen Börse im zweiten Quartal rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt haben, erholte sich der IPC-Index in den vergangenen Tagen von seinen Tiefständen um die 5 500 Punkte und stieg auf rund 6 200 Punkte. Dennoch bleibt die Stimmung gedämpft: Die industrielle Produktion ist im Juni geschrumpft (-0,7 % gegenüber dem Vorjahr). Die Banken hatten ein Wachstum von 1,5 % erwartet. Kurz- und mittelfristig sehen die Analysten Chancen auf einen Anstieg des IPC bis rund 6 500 Punkte.

Die Investmentbank Merrill Lynch empfiehlt wegen der niedrigen Kurse praktisch alle Papiere zum Kauf. Doch Vorsicht ist geboten: "Die starken Schwankungen werden mittel- bis langfristig anhalten", sagt Alejandro Garza vom Investmenthaus NSC Asesores. Wegen der starken Abhängigkeit der mexikanischen Wirtschaft von der USA vollziehe der Index in Mexiko die "Bewegungen des Dow Jones".

Um so wichtiger ist daher, dass die Regierung mit ihren Reformen vorankommt. Doch dabei erweist sich Präsidenten Vicente Fox erfolglos: Die Regierung könnte jetzt gezwungen werden, das Reformprojekt für den Energiesektor aufzuschieben, weil sie keine Unterstützung in der Opposition findet. Die schwache Reformtätigkeit der Regierung auch bei Haushalt und Arbeitsgesetzen führt dazu, dass einige Investmentbanken nun für 2003 ihre Wachstumsaussichten reduziert haben (auf etwa 3 %). Kann sich die Regierung weiterhin nicht durch setzen, dann ist ab 2003 der Investmentgrad Mexikos bedroht, schätzt Goldman Sachs.

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