MG baut radikal um
Anlagenbauer sind ungeliebte Konzerntöchter (2)

Die Interessen der Konzernstrategen sind klar. Mindestens bei der MG und bei ThyssenKrupp sind die Anlagenbaubeteiligungen ungeliebte Kinder, die mehr oder weniger freudlos vor sich hinvegetieren. Die MG baut nach sieben Jahren Sanierung erneut radikal um. Der Anlagenbau passt nicht mehr ins Portfolio. MG-Vorstandschef Kajo Neukirchen verkündete bereits: "Wir werden uns einer konstruktiven und tragfähigen Deutschen Anlagenbau-Lösung nicht verschließen."

DÜSSELDORF. Bei Thyssen ist das Bild differenzierter. Uhde und Polysius schreiben keine roten Zahlen. Doch die Rendite ist unterdurchschnittlich, und Anlagenbau gehört nicht mehr zu den Kerngeschäftsfeldern. Wenn der Konzern seine Töchter verkaufen sollte, dann zum besten Preis, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Das setzt ein internationales Bieterverfahren voraus. Ob Thyssen das durchhält, erscheint jedoch fraglich. Wahrscheinlich darf der Konzern froh sein, wenn er Uhde und Polysius überhaupt los wird.

Chancen. In einem neuen Konzern bekämen die vernachlässigten Konzerntöchter eine neue Chance. Branchenkenner schätzen, dass ein deutscher Anlagenbaukonzern Synergien in Höhe von fünf bis zehn Prozent der heutigen Kosten heben könnte. In einem ausgereizten Markt wie dem Anlagenbau ist das viel. Möglichkeiten gibt es vor allem bei der Zusammenlegung von Standorten im In- und Ausland. Lurgi sitzt in Frankfurt am Main, Uhde im Taunusstädtchen Bad Soden. Man könnte Auslandsvertretungen zusammenlegen, Marketing und Vertrieb konsolidieren und im Einkauf sparen. Doch selbst wenn sich alle Beteiligten einig sind, gibt es auf dem Weg zur Deutschen Anlagenbau AG noch eine ganze Reihe an Problemen zu lösen.

Liquidität. So gerne die Industrie-Konglomerate ihre ungeliebten Töchter verhökern würden, so schwer fällt es ihnen andererseits, darauf zu verzichten. Ein angenehmer Nebeneffekt des Anlagenbaus sind nämlich die üblichen hohen Anzahlungen, die bei Liquiditätsengpässen auch gerne von den Müttern zweckentfremdet werden. Das Geld ist fest eingeplant. MG-Aufsichtsratschef Werner: "Bei einem Verkauf der Anlagenbau-Töchter müssten die Konzern-Mütter unmittelbar eine Verschlechterung ihres Ratings bei Standard & Poors und Moody's fürchten."

Gleichzeitig stehen in den Bilanzen der Konzernmütter derzeit die Gewährleistungsansprüche für die verkauften Großanlagen. Wirft man die Anlagenbau-Töchter zusammen, ist fraglich, wie man die verschiedenen Risiken bewertet und wo man sie in Zukunft unterbringt. Einerseits mögen die Mütter nicht auf den Gewährleistungsansprüchen sitzen bleiben, andererseits kann der neue Konzern auch nicht mit großen bilanziellen Belastungen starten.

Abschreibungen. Das größte Problem auf dem Weg zur Deutschen Anlagebau AG dürfte jedoch sein, dass vor allem die MG und Thyssen-Krupp bei einem Verkauf ihrer Anlagenbautöchter hohe Buchwertabschreibungen vornehmen müssten. Krupp hat Uhde 1996 für rund 340 Millionen Euro vom damaligen Hoechst-Konzern (heute Aventis) gekauft. Das dürfte deutlich über der heutigen Bewertung liegen, schätzen Branchenkenner. Das gleiche gilt für Lurgi. Bei der Fusion mit GEA wurde Lurgi relativ hoch bewertet - höher jedenfalls, als man heute noch erwarten könnte.

Der MG könnten zusätzliche Probleme mit ihrem streitlustigen Großaktionär Otto Happel drohen. Happel verkaufte den Systemlieferanten GEA 1999 an die damalige Metallgesellschaft und wurde im Gegenzug MG-Aktionär. Wenn ein Gutachten heute ergibt, dass er von MG-Chef Kajo Neukirchen beim GEA-Verkauf über den Tisch gezogen wurde, stünden wahrscheinlich neue Prozesse ins Haus.

Neues Geld. Um den neuen Konzern von allen Problemfeldern zu bereinigen, braucht eine Deutsche Anlagenbau AG ausreichend Mittel für die Restrukturierung und Schließung von Geschäftsbereichen. Dieses Geld müssten die neuen Gesellschafter aufbringen. Möglich ist nach Aussagen von Helmut Werner sowohl ein Finanzinvestor als auch ein ausländischer Konzern. Klappt das nicht, müssten die derzeitigen Mütter so lange Anteile am neuen Konzern halten, bis er irgendwann börsenreif ist.

Einen Investor zu finden, kann nach Ansicht von Experten nicht das Problem sein, wenn der Preis stimmt. Deshalb hängt eine Lösung vor allem an der Frage, ob sich die Beteiligten über die Verteilung des Schmerzensgeldes einig werden. Eines ist klar. Die Aktienkurse der Unternehmen könnten davon nur profitieren.

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