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mg sucht neuen Vorstandschef aus 'Happels Dunstkreis'

Der Machtkampf in der Führung des Maschinen- und Anlagenbauers mg technologies geht in die vorerst letzte Runde: An diesem Montagnachmittag wird der Aufsichtsrat dem Ausscheiden von Vorstandschef Udo Stark zum Ende dieses Monats wohl zustimmen und damit dessen Niederlage gegen Großaktionär un...

dpa-afx FRANKFURT. Der Machtkampf in der Führung des Maschinen- und Anlagenbauers mg technologies geht in die vorerst letzte Runde: An diesem Montagnachmittag wird der Aufsichtsrat dem Ausscheiden von Vorstandschef Udo Stark zum Ende dieses Monats wohl zustimmen und damit dessen Niederlage gegen Großaktionär und Aufsichtsratsmitglied Otto Happel endgültig besiegeln. Happel hält 20,7 Prozent der Anteile.

Dass auf der Sondersitzung des Aufsichtsrat auch gleichzeitig "der Neue" präsentiert wird, ist nach Meinung von Analysten ungewiss, wäre aber "erfreulich". Wer es wird, ist Spekulation. Die Experten rechnen eher mit einer internen Lösung, damit die Einarbeitungsphase möglichst kurz ist und der Umstrukturierungsprozess nicht unterbrochen wird. In den Medien werden der bisherige Leiter der Chemiesparte, Jürg Oleas, und GEA-Chef Peter Schenk gehandelt, der vor zwei Wochen in den Vorstand der mg berufen wurde.

Oleas Oder Schenk

Dass Oleas als bisheriger Chemie-Vorstand die Nachfolge Starks antritt, hält ein Frankfurter Analyst für eher unwahrscheinlich. Er sollte eigentlich zum Jahresende aus der mg-Führungsriege ausscheiden, nachdem der Großteil von Dynamit Nobel an das Private-Equity-Haus KKR in den USA verkauft wurde und mg sich komplett von der Chemiesparte trennen will. "Er hat jetzt natürlich keinen Aufgabenbereich, das spricht für ihn", sagte der Analyst.

Auf der anderen Seite begünstige die Konzentration des Konzerns auf den Maschinenbau eher den GEA-Chef Schenk, betonte der Analyst. "Er ist sehr kompetent und erzielt mit der GEA sehr gute Ergebnisse." Der Spezialmaschinenbauer aus Bochum soll künftig das Kerngeschäft von mg werden und auch den neuen Namen des Konzerns prägen. Der Umzug der mg-Zentrale von Frankfurt nach Bochum steht im Dezember an. "Schenk müsste als neuer Vorstandschef also noch nicht einmal umziehen."

Egal, wer es wird, nach Meinung der Experten wird der neue Vorstandschef keine starke Stellung im Konzern haben. "Er wird nach Happels Pfeife tanzen müssen", sagte ein Experte. Auch Analyst Roland Könen vom Bankhaus Lampe rechnet mit einem Kandidaten "aus dem Dunstkreis Happels". Ob dies allerdings Ruhe in den Konzern bringe, sei ungewiss. "Am Markt bleibt die Sorge bestehen, dass die Querelen wieder von vorne losgehen." Großaktionär und Aufsichtsratsmitglied Happel wird vorgeworfen, sich stark ins Tagesgeschäft einzumischen. Ein Frankfurter Analyst formuliert es vorsichtiger: "Happel hat ein sehr starkes Interesse am Wohlbefinden des Konzerns."

Neuer Vorstandschef Muss Sich VON Happel Lösen

Tatsache ist: Mitte 2003 hatte Happel mit seinem "Interesse" am Konzern bereits Stark-Vorgänger Kajo Neukirchen nach jahrelangen Querelen um die Strategie des Konzerns aus dem Amt gedrängt. Anschließend holte er persönlich den ehemaligen Agiv-Manager Stark an die Spitze des Konzerns. "Bereits er galt als Kandidat aus dem Dunstkreis Happels, doch das hat auch nur anderthalb Jahre gehalten", sagte Analyst Könen. Wie es hieß, hatten Stark und Happel sich unter anderem wegen des Verkaufs der Standardkessel-Gruppe an die holländische Industrieholding H.T.P. Investments angelegt.

Happel soll dabei hinter dem Rücken Starks Parallelverhandlungen mit anderen potenziellen Käufern geführt haben - weil ihm der Abschluss Starks nicht gut genug war, sagte ein Analyst. Stark reagierte schließlich mit dem Versuch, Happel aus dem Aufsichtsrat abberufen zu lassen, scheiterte aber in der Sitzung des Kontrollgremiums am 15. Oktober und muss nun selbst den Sessel räumen. Auf längere Sicht sei entscheidend, inwiefern ein neuer Vorstandschef sich von diesem "sehr aktiven Aufsichtsrat" lösen könne.

Von der Aufsichtsratsitzung an diesem Montag erwarten die Analysten keine besonderen Marktbewegungen. "Die Katze ist aus dem Sack", sagte ein Analyst. Die Ankündigung der Abberufung Starks hatte der Aktie in der vergangenen Woche einen Kurssprung beschert. In den nächsten Wochen seien Kursimpulse eher von der operativen Seite zu erwarten, sagte ein anderer Analyst. Am 9. November berichtet der Konzern über die Entwicklungen im dritten Quartal. "Die Quartalszahlen dürften sehr gut ausfallen."

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