Michael Ballack kann schon wieder lachen
Unabänderliche Dinge zwischen Himmel und Erde

Die Herberge der deutschen Fußball-Nationalelf in Seoul hat ihre besten Tage bereits hinter sich. Etwas Patina hat der Backsteinbau oberhalb des Han-Flusses jedenfalls angesetzt, da helfen auch die strammen Uniformen der Türsteher nichts. Und doch hat der Hotel-Werbeslogan zurzeit mehr denn je Gültigkeit: "Jeder ist ein Gewinner im Sheraton Walker Inn."

SEOUL. Fünf von sechs Partien hat die Elf von Teamchef Rudi Völler nun schon bei der Weltmeisterschaft gewonnen. Siege, die nicht ohne Folgen blieben. Auf der Straße fällt den Südkoreanern zum Stichwort Deutschland inzwischen "strong team" ein, und wenn Christoph Metzelder vorm Hotel auftaucht, flüstern sich die Einheimischen den Namen des Abwehrspielers zu. Passiert sonst kaum in der Heimat.

Ein Spiel steht noch aus, das Finale gegen Brasilien. Doch schon jetzt steht für Völler fest: "Aus den Möglichkeiten, die wir haben, hat die Mannschaft das Bestmögliche gemacht." Da mochte niemand widersprechen. Genauso stimmten alle zu, als der Trainer zum dritten oder vierten Mal seine brasilianische Theorie präsentierte. Nicht immer würde der Beste Weltmeister, ansonsten hätten die Brasilianer ja schon 14 WM-Titel. Das dürfte nun auch der letzte Zuhörer verstanden haben.

Damit aber nicht genug der Wiederholungen. Es gebe, logisch, nicht mehr acht oder zehn Mannschaften, gegen die man verlieren könne, sondern weitaus mehr, so Völler. "Wir müssen uns von dem traditionellen Denken trennen", meinte er. Okay. Und dann war da noch Thomas Linke, der wusste, dank welcher Stärken man im Finale steht: "Disziplin, Ordnung, Kollektiv."

Michael Ballack war auch da, er kam lachend in den Mugunghwa Ballroom und wollte wohl demonstrieren, dass er sein persönliches Problem überwunden hat. Erst Gelbsünder und damit gesperrt im Endspiel, dann Schütze des einzigen Tores im Halbfinale. Mit treuem Blick behauptete er: "Ich werde auf der Bank sitzen und fühlen wie alle anderen, die dort das Spiel verfolgen."

Was natürlich nicht stimmt, denn nur er ist auf eine Art und Weise um die Teilnahme am WM-Showdown gekommen, wie sie ärgerlicher kaum sein kann. Egal, ob das taktische Foul nun nötig war oder nicht. Sicher ist hingegen, dass Oliver Kahn die Angelegenheit in den großen Zusammenhang stellte: "Diese Szene zeigt doch genau den Charakter der Mannschaft."

Wie auch immer. Für Ballack und die anderen Leverkusener könnte die Zahl der in einer Saison erreichten zweiten Plätze weiter aufgestockt werden. Nach Meisterschaft, Pokal und Champions League droht ein neuer Vize-Rang. "Auf die Frage habe ich schon gewartet", entgegnete Ballack. "Aber wir haben auch so viel erreicht."

Erreicht hat der DFB am Mittwoch auch, dass die Journalisten erneut sauer waren. Die Beschreibung der Anfahrt zum Trainingsplatz war abenteuerlich, nur ein paar ZDF-Mitarbeiter fanden den Weg. Auch die Verlegung der Pressekonferenz um zwei Stunden war nur einem Teil der Berichterstatter mitgeteilt worden. DFB-Pressesprecher Harald Stenger hatte für die jüngsten Pannen nur ein Achselzucken parat: "Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die lassen sich nicht ändern."

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