Michael Diekmann bleibt bisher in Deckung
Alle Hoffnungen ruhen auf neuem Allianz-Chef

Es müsse Schluss sein mit "falsch verstandenem Stolz" und "gesichtswahrendem Weiter-So" - Allianz-Chef Michael Diekmann zeigte sich auf der Hauptversammlung Ende April entschlossen. Kein Wunder: Der 48-Jährige, erst sieben Wochen im Amt, hat ein schweres Erbe von Vorgänger Henning Schulte-Noelle übernommen: Europas größter Versicherungskonzern schrieb zuletzt rote Zahlen, mehrere Baustellen halten das Management auf Trab.

MÜNCHEN. Jetzt ruhen die Hoffnungen der Investoren auf dem 48-Jährigen. "Wird Herr Diekmann liefern ?", fragen sich nicht nur die Experten von Morgan Stanley, die die Allianz-Aktie in der vergangenen Woche nach oben gestuft haben. Schnelle Entscheidungen, wie von manchen erhofft, sind aber nicht zu erwarten. Diekmann, der derzeit alle Szenarien durchspielt, bleibt bisher in Deckung, was Analysten kritisieren.

Größtes Problem ist nach wie vor die Krisen-Tochter Dresdner Bank. Seitdem Schulte-Noelle vor zwei Jahren die Bank für rund 24 Mrd. Euro übernommen hat, hängen die Frankfurter wie ein Mühlstein am Allianz-Hals. Das Ziel, 2003 in den Gewinn zu kommen, wird die Bank wohl verfehlen. Als zuletzt an der Börse Gerüchte die Runde machten, Bank of America habe Interesse an der Bank, schoss die Allianz-Aktie nach oben. Doch ein Verkauf der Bank gilt derzeit als die unwahrscheinlichste Variante. Denn auch Diekmann hält, wie sein Vorgänger, an der Idee des "integrierten Finanzdienstleisters" fest. Aber in Frankfurt muss weiter saniert werden.

Doch die Dresdner Bank ist nicht die einzige Baustelle. Auch im Versicherungsgeschäft hat der Konzern zu kämpfen: Der US-Sachversicherer Fireman?s Fund und die Industrieversicherung AGR, beide 2002 mit roten Zahlen, stehen unter Beobachtung Diekmanns. Zudem muss auch die Frankreich-Tochter AGF saniert werden. Trotz aller Ungewissheit, an der Börse gibt es bereits Vorschusslorbeeren für Diekmann. Die Allianz-Aktie kratzte bereits wieder an der Marke von 80 Euro - eine Verdoppelung seit dem Tief Ende März. Einige Analysten, wie am Freitag die Deutsche Bank, empfehlen das Papier zum Kauf. Nach der Kapitalerhöhung ist das Gewicht der Allianz-Aktie im Dax deutlich von gut 5 % auf 7,43 % gestiegen ist. Fonds, die die Entwicklung des Dax abbilden, mussten zukaufen.

Doch der Versicherer selbst hat zuletzt vor zu großem Optimismus gewarnt. "Die Lage bleibt ernst", sagte Controlling-Vorstand Helmut Perlet Mitte Mai. Nach vier Quartalsverlusten hat Perlet jetzt aber wieder Gewinne in Aussicht gestellt. Dafür gibt es ermutigende Anzeichen. So gingen die Beitragseinnahmen in den ersten drei Monaten um fast 10 % nach oben. Zudem konnte die wichtige "kombinierte Quote" unter 100 % gedrückt werden. Das bedeutet: Der Konzern verdient im Versicherungsgeschäft Geld. "Überraschend gute Entwicklung", lautet der Kommentar einiger Analysten. Sorge macht aber der weitere Trend an den Börsen. Milliardenabschreibungen haben zuletzt die Ergebnisse verhagelt. Sollte es an der Börse aber weiter aufwärts gehen, würde das der Allianz helfen - und den Druck von Diekmann nehmen.

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