Michael Diekmann ist in der Allianz groß geworden
Neuer Allianz-Chef: Mr. Unbekannt genießt guten Ruf

Michael Diekmann ist ein Allianz-Manager aus dem Bilderbuch: 15 Jahre lang hat der gebürtige Bielefelder den Versicherer kennen gelernt, von der Pike auf. Mit seiner großen Erfahrung und dem passenden Alter - Diekmann ist 47 Jahre alt - hat sich der Jurist und Philosoph gegen viele Konkurrenten durchgesetzt.

MÜNCHEN. Nicht nur äußerlich ist Michael Diekmann seinem Mentor Henning Schulte-Noelle sehr ähnlich. Beide sind schlank und groß gewachsen, von beeindruckender Statur. Beide sind bescheiden im Auftritt und scheuen - wenn immer es geht - die Öffentlichkeit. Und beide kommen aus Nordrhein-Westfalen: Schulte-Noelle ist in Essen geboren, Diekmann in Bielefeld.

Und weil Tradition bei der Allianz viel gilt - gerade auch in Personalfragen - stand ein Chef von außen nie wirklich zur Debatte. Michael Diekmann, der neue Vorstandsvorsitzende, ist denn auch ein Allianzler wie aus dem Bilderbuch - ein Versicherungsmanager durch und durch. Der jugendlich wirkende 47-jährige Jurist hat fast sein gesamtes Berufsleben bei der Allianz zugebracht. Das Assekuranz-Geschäft hat er von der Pike auf gelernt. Er ist in den vergangenen 15 Jahren zielstrebig aufgestiegen, von der Niederlassung Hamburg bis auf den Chefsessel. Er kennt er den Konzern, ganz unten und ganz oben.

"Diekmann ist der richtige Mann zur richtigen Zeit im richtigen Alter", lobte gestern Schulte-Noelle seinen designierten Nachfolger. Der neue Chef tritt allerdings ein schweres Erbe an. Der Konzern ist in den tiefroten Zahlen. Die Dresdner Bank, erst im vergangenen Jahr gekauft, hängt wie ein Mühlstein an dem Unternehmen. Auch in den USA, in Frankreich und in der Industrieversicherung läuft es alles andere als rund.

Diekmann hat freilich die besten Voraussetzungen, die kommenden Aufgaben zu meistern. Zuallererst genießt er im Konzern selbst einen guten Ruf. Und er kann bei seinem neuen Job auf breite Unterstützung bauen.

Seine Laufbahn in der Allianz beginnt 1988. Hier heuert Diekmann, der in Göttingen Jura und Philosophie studiert hat, in der Allianz-Niederlassung in Hamburg an. Dort wird er Assistent des Leiters. Zwei Jahre später schon steigt er zum Vertriebsbereichsleiter in Hamburg auf. Schlag auf Schlag geht es weiter, 1991 und 1992 leitet er die Allianz-Geschäftsstelle im Hannover. 1993 wechselt der ehrgeizige Manager dann in die Konzernzentrale nach München. Doch schon 1994 geht wieder nach draußen, erst nach Nordrhein-Westfalen, 1996 nach Singapur. 1998 schließlich steigt Diekmann in den Konzernvorstand auf. Er macht sich einen Namen, indem er das Geschäft in den Wachstumsmärkten aufbaut - in Fernost und in Osteuropa. Hier hofft der Münchener Versicherer auf hohe Wachstumsraten und mittelfristig gute Profite. Und Diekmann kann immer neue Erfolge melden. Ob in China, ob in Russland oder anderen osteuropäischen Staaten - die Allianz kauft sich entweder bei den Marktführern ein oder baut das Geschäft aus eigener Kraft auf.

Seit Anfang diesen Jahres verantwortet der Vater dreier Kinder das Geschäft in Nord- und Südamerika. Dort hat der Münchener Konzern mit immensen Problemen zu kämpfen. Diekmann kümmert sich um die Sanierung des Sachversicherers Fireman?s Fund - Ausgang bisher offen.

Wenn der Jurist nun im April auf den Chefsessel rückt, sind noch andere Qualitäten gefragt. Diekmann muss vor allem jene Vorstands-Kollegen bei der Stange halten, die neben ihm als Kandidaten für dem Topposten gehandelt wurden. Ob sich die Übergangenen mit dem neuen Chef arrangieren werden?

Paul Achleitner, seit Anfang 2000 im Allianz-Vorstand und zuvor Deutschland-Chef bei Goldman Sachs, gilt als sehr ehrgeizig. Sein Pech: Die von ihm eingefädelte Übernahme der Dresdner Bank verschlingt Milliarden. Außerdem fehlt dem 46-Jährigen nach nur zwei Jahren im Konzern die Hausmacht, um im Nachfolgerennen zu bestehen. Ganz anders die Situation von Controlling-Vorstand Helmut Perlet, 55. Er gilt als starker Mann im Konzern - auch wenn er nicht auf den Chefposten rückt. Perlet ist es, der derzeit mit harter Hand die Sanierung der Dresdner Bank leitet.

Joachim Faber, 52, der die Sparte Vermögensverwaltung aufbaut, ist wie Achleitner erst kurz im Konzern. Er kam von der Citibank und auch ihm fehlt der Stallgeruch des Versicherungsmanagers. Reiner Hagemann, Chef der Lebensversicherungssparte, ist mit 55 Jahren schon zu alt. Dagegen muss sich Werner Zedelius, 45, als Nachfolger Diekmanns zuständig für die asiatischen Wachstumsmärkte, seine Sporen erst noch verdienen.

Es sei doch ein positives Signal, dass mehrere Kandidaten gehandelt wurden, meinte Schulte-Noelle gestern. Gleichzeitig forderte er seine Kollegen auf, weiter "vertrauensvoll zusammenzuarbeiten".

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